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Bald wird es schwieriger, einen Stand auf dem Flohmarkt zu erhalten. 

Mainufer

Kritische Töne gegen Umzug des Frankfurter Flohmarktes

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Die Verlegung des Flohmarkts ans nördliche Mainufer trifft auf wenig Zustimmung. Doch manche hoffen am neuen Standort auch auf bessere Umsätze.

Evelyn und Günter Cristofolini stöbern und feilschen wie fast an jedem Samstag, dieses Mal auf dem Markt in der Lindleystraße, der normalerweise wöchentlich mit dem Standort am Mainufer wechselt. Dort hält sie einem Händler eine Vase hin. „Zwei Euro?“, fragt Cristofilini. „Nächste Woche“, entgegnet der Verkäufer. Und die Vase landet wieder auf der Decke neben anderem Gebrauchten. Als „Katastrophe“ bezeichnet die 70-Jährige den geplanten Umzug des Flohmarkts ans nördliche Mainufer. „Von 1800 Ständen auf 800 Stände, das ist schon hart“, sagt ihr Mann und streicht sich durch den Bart. Während die Marktmeile auf der südlichen Mainseite vom Holbein- bis hinter den Eisernen Steg reichte, wird die Fläche am nördlichen Ufer deutlich eingeschränkt sein. „Für den Flohmarktbetrieb stehen rund 850 Meter Standflächenkapazität zur Verfügung, was weniger als die Hälfte der Fläche ist, die bisher am südlichen Mainufer genutzt wurde“, schreibt der Flohmarktveranstalter, die „Managementgesellschaft für Hafen und Markt“, kurz HFM.

„Und wer kommt dann nicht mehr?“, fragt Evelyn Cristofolini. „Die mit den ollen Klamotten?“, ergänzt sie und zeigt auf die Unmengen an Kleidungsstücken, die hinter ihr auf großen Tischen lagern. Auf die könne sie nämlich verzichten. Ihr Mann sagt, „man soll nicht unterschätzen, wie viele arme Leute sich hier ausrüsten“. Deshalb hätten die günstigen Kleiderhändler auch ihre Berechtigung. Von weiter hinten ist eine Männerstimme zu hören: „Alles ein Euro.“

Als es zu regnen beginnt, eilen Besucher unter das Vordach der Lagerhallen, vor denen Verkäufer ihre Waren aufgebaut haben. So wie eine Frau mit Hut, die nur mit ihrem Nachnamen genannt werden möchte. „Furchtbar“, sagt Frau Lauer, nach dem Umzug des Flohmarkts gefragt, und winkt ab. Seit Jahrzehnten verkaufe sie auf dem Frankfurter Basar und habe ihre Stammplätze. Ab nächster Woche müsse sie sich um sieben Uhr mit allen anderen einreihen und einen Platz am Mainkai zuweisen lassen. Reservierte Plätze gebe es dort nicht mehr. „Unter anderem für eine optimale Ausnutzung der vorhandenen Fläche ist es erforderlich, dass dauerhafte oder feste Plätze nicht reserviert werden können“, heißt es vom HFM.

Neuer Standort

Ab kommenden Samstag,25. Januar, zieht der Flohmarkt vorerst vom südlichen ans nördliche Mainufer. Weil der Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke derzeit ohnehin für den Autoverkehr gesperrt ist, soll dort der Markt alle zwei Wochen stattfinden. Das hat die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung so beschlossen. Dazwischen ist er wie gewohnt in der Lindleystraße im Ostend.

Wo bis Ende Juliletzten Jahres Autos auf drei Spuren gefahren sind, werden künftig an jedem zweiten Samstag auf den beiden äußeren Fahrbahnen Stände aufgebaut. Die mittlere Spur soll als Durchgang sowie Flucht- und Rettungsweg dienen. Bis Ende August soll der Mainkai voraussichtlich gesperrt bleiben und so lange soll auch der Flohmarkt dort stattfinden. Die Marktzeiten von 9 bis 14 Uhr bleiben unverändert.

Außerdem würden die Standgebühren steigen, so Frau Lauer, die neben Gebrauchtem auch selbst gestrickte Socken anbietet. „Das ist natürlich blöd bei unseren kleinen Preisen“, sagt sie. Angelika Henneberg, die bei ihr gerade eines der beliebten Büchlein des Insel-Verlags erstanden hat, sagt: „Ich habe gar nicht mitgekriegt, dass der Flohmarkt ans andere Ufer verlegt werden soll“.

Nach mehreren Malen hintereinander in der Lindleystraße sei die 70-Jährige froh, dass der Markt „endlich mal wieder am Main“ sei. „Da ist viel mehr Atmosphäre“, sagt Henneberg.

Einige Meter weiter begutachten Steffen Maiwald und seine Partnerin Jelena Radosavljevic aus Fürth im Odenwald an einem Stand gerade einen Perserteppich. „Ich finde es überhaupt nicht gut“, sagt der 36-Jährige und weiter: „Der Flohmarkt ist dann viel gepresster und verliert sein langgezogenes Flair“. Radosavljevic sagt: „Die Location macht viel vom Flair aus“ und markiert mit den Händen, wie breit die Flohmarktmeile am Museumsufer war.

„Ich vermute, es wird besser“, sagt Sadr Bagheri. Der 47-Jährige verkauft an seinem Stand Besteck, Kupferkannen und Kerzenständer aus Messing. „Zentraler“, sei der Markt am Mainkai. Deshalb hofft Bagheri auf Touristen, die eher an seinem Angebot interessiert seien als „Händler und Schnäppchenjäger“, die etwa in die Lindleystraße kommen würden. Näher an den Besucherpfaden von Dom und Römer wird der Flohmarkt in jedem Fall sein. Wie er letztlich bei Verkäufern und Kundschaft ankommen wird, wird sich ab dem kommenden Samstag zeigen.

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