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Der Weg zur Sozialforschung.
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Der Weg zur Sozialforschung.

Frankfurter Schule

Kritisch bis heute

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Das Institut für Sozialforschung feiert 2023 den 100. Geburtstag.

Das 1923 gegründete Institut für Sozialforschung (IfS) begreift sich als Ort kritischer Gesellschaftstheorie. Unter Direktor Max Horkheimer entwickelt sich 1930 ein Programm, das später als „Kritische Theorie der Frankfurter Schule“ gilt. Darin wirken Intellektuelle wie Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Erich Fromm, Otto Kirchheimer, Leo Löwenthal, Herbert Marcuse, Franz Neumann, Friedrich Pollock.

Gegenstand der Theorie ist die Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft samt ihrer Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen. Die Erkenntnisse sind erschreckend. Was die jungen Wissenschaftler bei ihren Studien in den 1930er Jahren herausfinden, erscheint ihnen gar so bedenklich, dass sie Vorkehrungen für eine schnelle Flucht treffen.

Tatsächlich stehen bald die Nazis vor dem Institut. Die Forschenden haben sich aber rechtzeitig ins Exil abgesetzt. Von Leo Löwenthal ist das Bonmot überliefert, dass die Kritische die einzige Theorie sei, die ihren Erfindern praktisch das Leben gerettet hat.

Es gelingt den Exilanten, ihr Institut an die Columbia University nach New York zu verlegen. Nach dem Krieg gibt Horkheimer dem Drängen von Stadt, Land und Universität nach und führt die Gesellschaft für Sozialforschung zurück nach Frankfurt. Seit 1951 bestreiten die Stadt und das Land Hessen zusammen den Grundhaushalt. Die Forschung ist durch Drittmittel finanziert.

In den Nachkriegsjahren etabliert das IfS die Soziologie als autonomes Studienfach, bildet Soziologinnen und Soziologen auf der Grundlage einer von Adorno erarbeiteten Prüfungsordnung aus. Viele davon spielen in der studentischen Protestbewegung der 60er Jahre eine wichtige Rolle.

Nach Horkheimers Emeritierung 1959 übernimmt Adorno die Leitung des Instituts. Sein plötzlicher Tod im August 1969 bedeutet einen tiefen Einschnitt. Mit der Hochschulreform von 1971 übernimmt der neu geschaffene Fachbereich Gesellschaftswissenschaften die Lehrfunktion des IfS.

Neuen Schwung bringt 2015 eine wohlwollend-kritische Stellungnahme des Wissenschaftsrats. Das Expertengremium, das Bund und Länder in forschungspolitischen Fragen berät, lobte einerseits die „sehr gute und in Teilen exzellente“ Arbeit, die von den Adorno-Nachfolgern geleistet werde. Andererseits moniert er, dass immer wieder Forschungsschwerpunkte in ihrer Existenz bedroht seien. Das liege unter anderem an „eher informellen Arbeitsstrukturen“ und schwankenden Drittmitteleinnahmen bei bescheidener Grundausstattung.

Zum 1. Juli tritt der Soziologe Stephan Lessenich als neuer Institutsleiter an (siehe Interview). Das Land Hessen finanziert dafür eine neue Professur an der Goethe-Universität. Zur Hälfte ist er an das Institut abgeordnet. Gleichzeitig erhöht das Land den Etat des Instituts.

Das wird 2023 100 Jahre alt. Das soll aber nicht nur Anlass zur Rückschau sein, sagt Lessenich, sondern „Blick zurück nach vorne“, um die gesellschaftliche Relevanz einer kritischen Sozialforschung deutlich zu machen.

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