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Klaus Oesterling (Mitte) enthüllt mit Günter Schneider und Michaela Kraft vom Straßenbauamt Schilder in Praunheim.

Praunheim

Kritik an Radrouten

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Wer beschildert, muss auch sichere Wege schaffen, sagen Radfahrer und Verbände bei einem Ortstermin mit Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling im Frankfurter Stadtteil Praunheim.

Die Stadt kommt voran mit ihrem Projekt, Wegweiser für Radler aufzustellen. 2016 hat das Amt für Straßenbau- und Erschließung angefangen, die weißen Schilder mit der grünen Schrift aufzustellen, die Radrouten ausweisen. Inzwischen sind es etwa 2100 Täfelchen an mehr als 1300 Standorten in 13 Stadtteilen. Jedes ist ein Unikat. Einseitig oder beidseitig bedruckt, mit unterschiedlichen Reisezielen und Entfernungen. „Eine Sisyphos-Arbeit“, findet Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

Der Stadtrat ist am Mittwoch Mittag nach Praunheim geeilt und hat dort die Schilder an der Kreuzung von Heerstraße und Ziegelei-Allee enthüllt, in Verlängerung der Ludwig-Landmann-Straße. Als nächstes geht die Tour nach Norden weiter, erzählt Oesterling. Bautrupps bestücken die Radrouten in Heddernheim, Niederursel, danach auf dem Riedberg. Wir arbeiten mit mehreren Kolonnen“, sagt Michaela Kraft, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschießung. 675 000 Euro wird die Beschilderung insgesamt kosten, 2020 sollen alle Schilder hängen.

„Andere Städte sind lange schon vollständig beschildert“, sagt Oesterling und seufzt ein bisschen. „Wir hatten einiges aufzuholen.“ Obendrein falle den Verkehrsexperten beim Beschildern besonders auf, wo alles noch Lücken zu schließen sind. Das Phänomen hat am Mittwoch eine ganze Reihe von Radfahrer nach Praunheim gebracht.

„Grundsätzlich finden wir das gut“, sagt Bertram Giebeler vom ADFC über die neuen Wegweiser. Schließlich hat der Fahrrad-Club am Konzept mitgewirkt. Nur: „Wenn Strecken beschildert werden, müssen sie auch gut befahrbar sein“, sagt Giebeler. Gerade das sei am Treffpunkt in Praunheim nicht der Fall. Und dass, wo dort womöglich einmal ein Radschnellweg von Oberursel kommend entlang führen könnte.

Zeitensprung zurück in die 1960er Jahre

Wer die Kreuzung in Richtung Bockenheim quert, macht einen Zeitensprung zurück in die 1960er Jahre, in denen die Verkehrsplaner die autogerechte Stadt schufen. Die Route kreuzt Auffahrten von Schnellstraßen und Autobahnen. Giebeler erschaudert. „Das ist gefährlich“, weil Autos dort mit Tempo unterwegs sind.

Die Heerstraße selbst sei nach Osten hin gut ausgebaut. „Modern“, sagt Giebeler. Mit Schutzstreifen für Radler auf beiden Seiten der Straße, ohne Mittelmarkierung, damit Autofahrer sich flexibel verhalten können. In Richtung Westen ist das Gegenteil der Fall. Dort gibt es nichts für Radfahrer. „Da brauchen Sie starke Nerven, wenn Sie da entlang fahren wollen“, sagt Giebeler.

Wolfgang Hepp von der Gruppe „Radentscheid“ sieht das ähnlich. Er nennt die Strecke schlicht „Hölle“. Dabei seien dort im Sommer Tausende von Radlern unterwegs, hat er beobachtet. Der Weg führt zum Unternehmen „Continental Teves“. 4500 Leute arbeiten dort. Von dort aus geht es weiter zum Rödelheimer Gewerbegebiet und nach Eschborn.

Konsequenterweise ist die Route aber auch nicht als Radweg beschildert. Die Tafel, die Oesterling enthüllt, leitet Radler, die nach Rödelheim wollen, über die Ludwig-Landmann nach Süden. Ein Umweg, sagt Torben Hedderich, ebenfalls von der Gruppe Radentscheid. Da wäre also eine der Lücken, die die Stadt schließen müsste. Wie viele andere. „Die Stadt sagt schon, das sie sich kümmern wolle“, sagt Bertram Giebeler. „Aber das Tempo passt uns nicht, da müsste konkret etwas passieren.“

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