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Nach Protest hat die Kunsthalle Schirn die Texte in der Ausstellung "König der Tiere" geändert.

Ausstellung in der Schirn

Kritik an Ausstellung über Kolonial-Maler

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Die Ausstellung "König der Tiere" in der Frankfurter Schirn stößt auf Kritik. Die Ethnologin Eva Raabe lobt zwar die Texte, doch diese blieben in ihrer Wirkung hinter den Bildern des Kolonial-Malers Wilhelm Kuhnert zurück.

In der Diskussion um die Ausstellung „König der Tiere“ mit den Werken des Malers Wilhelm Kuhnert in der Schirn-Kunsthalle hat sich die renommierte Ethnologin Eva Raabe grundsätzlich positiv geäußert. „Inhaltlich fehlt mir nichts“, sagte die kommissarische Direktorin des Museums der Weltkulturen in Frankfurt im Gespräch mit der FR. Die Kuratoren, also Schirn-Direktor Philipp Demandt und die Kunsthistorikerin Ilka Voermann, hätten „nichts verschwiegen“. Selbst das Bild eines auf Befehl des deutschen Reichskommissars gehängten Einheimischen werde nicht ausgespart.

In den Texten zur Ausstellung fänden sich durchaus kritische Äußerungen zum deutschen Kolonialsystem in Afrika und dessen Folgen. Raabe kritisierte allerdings, dass die Texte in ihrer Wirkung „hinter der Präsentation der Bilder zurückblieben.

„Die riesigen Bilder sind sehr dominant“, sagte die Ethnologin nach einem Besuch der Ausstellung. Dadurch entstehe ein Ungleichgewicht.

„Die Person und das Verhalten Kuhnerts“ während der Kolonialzeit müssten „visuell anders aufgearbeitet werden“. So aber stelle sich die Frage, ob die Ausstellung ein klischeehaftes Afrikabild aufnehme oder es kritisiere.

Raabe leitet seit Sommer 2015 kommissarisch das Museum der Weltkulturen in Frankfurt und gehört dort im Haus seit 1985 zum Kuratoren-Team. Die Wissenschaftlerin nannte es „wichtig, dass die Debatte um den Kolonialismus geführt wird.“ Dazu trage „König der Tiere“ in jedem Fall bei: „Ich habe in der Ausstellung viel gelernt, mich hat sie nachdenklich gestimmt.“

Kritischer äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Linken in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, Martin Kliehm. „Diese Ausstellung kommt jetzt 100 Jahre zu spät“, sagte er im Gespräch mit der FR . Sie passe heute nur noch „in einen exklusiven Jagdclub im Westend“, erklärte der Computerspezialist.

Die Schau über Kuhnert sei in jedem Fall „ein Anachronismus“. Der Hintergrund des deutschen Kolonialsystems in Afrika werde zu wenig thematisiert. Es fehle eine Bewertung des Kolonialismus und seiner damaligen Verbrechen.

Auch werde kein Zusammenhang hergestellt zu der großen Debatte um die Rückgabe kolonialer Kunst, die gegenwärtig in Deutschland und in anderen europäischen Ländern im Gange sei.

„Ich habe mich gefragt, was wollten uns denn die Kuratoren mit dieser Ausstellung sagen?“, erklärte Kliehm. Der Linke warf der Schau in der Schirn auch vor, dass sie in ihren „großen, schönen Bildern“ Tiere vermenschliche. Das sei im 19. Jahrhundert in Brehms Tierleben vielleicht zeitgemäß gewesen.

Schirn-Direktor Philipp Demandt hatte auf die Kritik auch etlicher Besucherinnen und Besucher reagiert, die Ausstellung thematisiere den Hintergrund des deutschen Kolonialsystems zu wenig.

Der Kunsthistoriker hatte Texte auf Wandtafeln der von ihm kuratierten Schau umgeschrieben und auch Kommentare zu einzelnen Bildern geändert.

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