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Der Umgang mit Kundinnen und Kunden ist laut Tafel nicht immer einfach.
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Der Umgang mit Kundinnen und Kunden ist laut Tafel nicht immer einfach.

Frankfurt

Kritik an Frankfurter Tafel flaut nicht ab

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Erneute schwere Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter im Bahnhofsviertel streitet die Tafel ab. Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) sucht klärendes Gespräch mit den Verantwortlichen.

Die Frankfurter Tafel kommt nicht zur Ruhe. Ein Mitarbeiter soll bei der Lebensmittelausgabe im Bahnhofsviertel einen schwarzen Mann mehrfach aggressiv angegangen haben. So berichtet es ein anonymer Leser der FR, der den Vorfall aus direkter Nähe beobachtet haben will.

Erst vor einigen Tagen kritisierte der Verein Doña Carmen die Abweisung einer Schwarzen Frau bei der Lebensmittelausgabe in Rödelheim sowie die Regelung der Tafel, dass nur Bedürftige mit einer eigenen Wohnung Anspruch auf Lebensmittel hätten. Doña Carmen warf der Tafel Rassismus vor, weil durch die Regelung besonders Migrantinnen und Geflüchtete betroffen seien. Gegen diesen Vorwurf wehrte sich die Tafel.

Der zweite Vorfall ereignete sich nach Angaben des anonymen Schreibers Ende November 2020. Er stand als Tafelkunde vor der Ausgabentheke im Bahnhofsviertel. Zwei Mitarbeiter, die für den Außenbereich zuständig seien, wiesen die Kundinnen und Kunden an, die sich vor der Theke hintereinander aufstellten. „Mir fiel ein etwas älterer, Schwarzer Mann auf, der sehr ruhig und geduldig vor mir wartete.“

Sehr oft sei er von einem der Anweiser „in einer aggressiven und hasserfüllten Art und Weise“ angeschaut worden. Der ältere Mann habe wegen des Chaos, das vor Ort geherrscht habe, nicht bemerkt, dass er nun an der Reihe sei. Der Mann sei dann von dem Anweiser „so stark verbal und mit Gestiken“ angegangen worden, „dass ich dachte, dass der Mitarbeiter im nächsten Augenblick auf den armen Mann losstürzen würde und ihn verprügeln würde“, berichtet der Leser.

Der wartende Mann soll darauf nicht reagiert und auf den Boden geschaut haben. „Er wandte sich der Ausgabestelle zu, als ob dies alles normal wäre beziehungsweise ihm das nicht zum ersten Mal passiert sei.“ Viele der Wartenden hätten sich vorgedrängelt, doch niemand von ihnen sei so angegangen worden wie der ältere Schwarze Mann.

Die zweite Vorsitzende der Tafel, Edith Kleber, findet solch ein Verhalten gegenüber Kundinnen und Kunden „schäbig“. Daher sprach sie mit den beiden Mitarbeitern. Einen derartigen Vorfall hätte es aus ihrer Sicht nicht gegeben.

Grundsätzlich weiß Kleber auch aus eigener Erfahrung, dass der Umgang mit Kundinnen und Kunden nicht immer einfach ist. „Ich stand auch jahrelang hinter den Theken. Da habe ich vieles erlebt. Ich wurde angespuckt und als Nazi beschimpft. Dann kann es auch mal passieren, dass ein Mitarbeiter lauter wird“, sagt sie.

Gerade im Bahnhofsviertel seien oft schwierige und auffallende Personen, die sich ausfallend gegenüber den Mitarbeiterinnen und Kunden verhielten. Doch auf den betroffenen älteren Schwarzen Mann treffen solche Schilderungen nicht zu, glaubt man den Äußerungen aus dem anonymen Schreiben.

Die bekannt gewordenen Vorwürfe seien sehr ernst zu nehmen, sagt Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD). „Ich werde darum das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen, um gemeinsam zu erörtern, wie wir zu einer Verbesserung der Situation beitragen können“, sagt sie. Auch auf die Kritik zur Wohnsitzregelung ging Weber ein. Dies lasse einen natürlich betroffen zurück. Dennoch wolle sie die Tafel nicht verurteilen, die eine enorm wichtige Arbeit leiste. Es handele es sich vielmehr um ein grundlegendes Problem. „Dass es die Tafel überhaupt braucht, ist der Skandal und ein Versagen des Staates.“

Darum sollten Ämter und Behörden sich auch mit Belehrungen zurückhalten. Die Vorwürfe gegenüber der Tafel könne sie im Einzelnen nicht beurteilen. Es sei aber richtig, dass Rassismus oft dort vorkomme, wo formal keine Augenhöhe bestehe.

Unangemessene Reaktionen

Rückendeckung erhalten die Mitarbeitenden der Tafel vom geschäftsführenden Vorstand des Franziskustreffs, Bruder Paulus Terwitte. „Die Begegnung mit Menschen in Not kann in Einzelfällen zu Stresssituationen führen.“ Dass es in wenigen Einzelfällen zu unangemessenen Reaktionen kommen könne, sei in allen Bereichen, in denen Ehrenamtliche ihr Bestes gäben, eine gängige Erfahrung. Dem könnte man entgegenwirken, etwa mit Weiterbildungen oder gar Entlassungen.

Darüber hinaus kritisiert Terwitte Doña Carmen für deren Kritik gegen die Tafel. „Wir halten es für wenig zielführend, mit dem verallgemeinernden Rassismusvorwurf eine kollegiale Organisation in den Dreck zu ziehen.“

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