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Designierter Frankfurter Polizei-Chef benutzte N-Wort – Kritik an Personalie wird laut

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Von: Fabian Böker

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Im Vorjahr hat Stefan Müller vor Beamten des SEK das N-Wort benutzt. Nun soll er ausgerechnet in Frankfurt Polizeipräsident werden.

Frankfurt – Am designierten neuen Frankfurter Polizeipräsidenten wird schon vor Beginn seiner Tätigkeit Kritik laut. Stefan Müller, der Nachfolger von Gerhard Bereswill werden soll, fiel im vergangenen Jahr durch die Benutzung des N-Wortes auf.

Er wurde nach dem Frankfurter SEK-Skandal um rechtsextreme Chats als Leiter des Expertenstabs eingesetzt, der das Spezialeinsatzkommando neu aufstellen sollte. Doch als er dann im Juni 2021 vor Beamten des SEK sprach, sagte er ihnen, dass niemand fürchten müsse, dass nun „das Spiel der zehn kleinen N...lein“ beginne. Ein Bericht der „Bild“ hatte das aufgedeckt.

Neuer Polizeipräsident in Frankfurt: „Weiter so mit Rassismus und Rassisten“

Müller musste sich dem Innenausschuss des hessischen Landtags stellen und entschuldigte sich dort. Sein Sprachgebrauch sei unsensibel und unangebracht gewesen, sagte er. Innenminister Peter Beuth (CDU), der Stefan Müller jetzt als Nachfolger in Frankfurt vorgeschlagen hat, lobte damals den offenen und selbstkritischen Umgang mit dem Vorfall, weshalb Müller genau der richtige Mann für die Neustrukturierung des SEK sei.

Das sehen nicht alle so. Zum Beispiel Seda Basay-Yildiz. Die Anwältin und Betroffene im „NSU 2.0“-Komplex äußerte sich nach Bekanntwerden der Personalie auf Twitter kritisch: „Neuer Frankfurter Polizeipräsident. [...] Weiter so mit Rassismus und Rassisten.“ Später legte sie nach: „Solche Entscheidungen schaden übrigens der gesamten Polizei, zeigen aber deutlich, dass in den vergangenen Jahren keine Aufarbeitung stattgefunden hat. Schade...“

Stefan Müller soll neuer Polizeipräsident von Frankfurt werden. Doch über diese Wahl gibt es jetzt schon Unmut.
Stefan Müller soll neuer Polizeipräsident von Frankfurt werden. Doch über diese Wahl gibt es jetzt schon Unmut. © dpa

Zweifel an der Besetzung des Postens hat auch Julia Frank, Vorsitzende des Grünen-Kreisverbandes Frankfurt und Stadtverordnete. „Das ist kein Aufbruchsignal für die Bürger und Bürgerinnen“, sagt sie. Wer besagtes Wort benutze, sei wohl eher nicht die richtige Wahl.

Scharfe Kritik an Neubesetzung von Frankfurter Polizei-Chef

Kritik kommt auch aus der Linken-Fraktion im Römer. Vorsitzender Michael Müller hält seinen Namensvetter angesichts dessen „unsäglicher Äußerungen“ für eine „personelle Fehlentscheidung“. Denn Stefan Müller habe „bewiesen, dass er der Frankfurter Polizei keine neue Glaubwürdigkeit geben kann“. So könne kein neues Vertrauen in die Polizei gewonnen werden. „Wir werden uns nun ganz genau anschauen, welche Agenda der neue Präsident verfolgt“, sagt der Fraktionschef. Dass Peter Beuth diese Personalie vorgeschlagen hat, zeige zudem, „dass auch er eventuell fehl am Platze ist“.

Auch der ehrenamtliche Stadtrat Maximilian Klöckner (Die Partei) kritisiert die Personalie scharf: „Innenminister Beuth macht den Bock zum Gärtner, wenn er nach all den Rechtsextremismuskandalen jetzt einen Polizeipräsidenten beruft, der selbst schon mit rassistischen Aussagen aufgefallen ist. Das sagt dann auch schon alles über die geheuchelte Betroffenheit und den angeblichen Willen zur Aufklärung.“

Noch ist es nur ein Vorschlag von Peter Beuth. Das Kabinett in Wiesbaden dürfte aber bald den Beschluss fällen. Dann werde Stefan Müller voraussichtlich im Laufe des Julis seinen Dienst an der Frankfurter Adickesallee anfangen, so das Innenministerium. (Fabian Böker)

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