Nachgefragt

Krise trifft Frankfurt besonders hart

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Messestandort, Verkehrsknotenpunkt, Touristenmagnet: Die Corona-Pandemie verursacht hohe Schäden, vor allem in Frankfurt. Manches ist nicht mehr gut zu machen.

Die Corona-Krise hat den Wirtschafts-Standort Frankfurt/Rhein-Main schmerzlich getroffen. Sebastian Trippen, Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung der IHK Frankfurt, schildert die Auswirkungen für die Region.

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf den Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgewirkt?

Aus der Juni-Blitzumfrage unter Unternehmen im Bezirk Frankfurt, Hochtaunuskreis und Main-Taunus-Kreis wird deutlich, dass gut 80 Prozent der Unternehmen für 2020 einen Rückgang ihres Umsatzes gegenüber dem Vorjahr erwarten. 17 Prozent rechnen sogar mit einem Minus von mehr als 50 Prozent. Etwa ein Drittel erwarten für die nächsten zwölf Monate eine sich bessernde, 42 Prozent eine gleichbleibende und 24 Prozent eine sich verschlechternde Geschäftslage.

Was heißt das für die Zahl der Arbeitsplätze?

Die Zahl der Arbeitslosen im Juli 2020 ist im Vergleich zum Vormonat um 5,5 Prozent gestiegen. Der Vergleich mit Juli 2019 zeigt ein Plus von rund 14 500 Arbeitslosen, die Arbeitslosenquote stieg von 6,2 auf 6,6 Prozent. Sie liegt damit über dem Landes- und dem Bundesdurchschnitt von 5,9 bzw. 6,3 Prozent.

Welche Besonderheiten des Kammerbezirks treten zutage?

Die Corona-Pandemie hat die Bedeutung des Standortes als Messe- und Verkehrsknotenpunkt noch einmal deutlich gemacht. Das zeigen die von April bis Juli 2020 deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt gestiegenen Arbeitslosenzahlen. Ein weiterer erkennbar stärker betroffener Bereich ist das Gastgewerbe. Die Krise trifft uns auch deswegen, weil unsere Unternehmen sehr international aufgestellt sind und Corona viele unserer Handelspartner hart trifft.

Welche Auswirkungen auf den Fachkräftebedarf gibt es?

Gerade Branchen, die vor der Krise besonders nach Fachkräften gesucht hatten, wie beispielsweise der Einzelhandel, das Gastgewerbe oder die Verkehrsbranche, wurden durch die wirtschaftlichen Beschränkungen zur Pandemie-Eindämmung besonders hart getroffen. Der Fachkräftemangel* war bereits so ausgeprägt, dass sich das Thema in den nächsten Jahren allerdings nicht erledigen wird. Sahen aber zu Jahresbeginn noch knapp die Hälfte der Unternehmen im IHK-Bezirk im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko, sind es jetzt nur noch 27 Prozent.

Jüngste Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass die Krise V-förmig verläuft, also einem starken Einbruch eine schnelle Erholung folgt. Teilen Sie diese Hoffnung?

Mit unseren hervorragenden Standortvoraussetzungen haben wir guten Grund optimistisch zu sein, dass die Wirtschaft sich in vielen, wenn auch nicht in allen Branchen verhältnismäßig schnell erholen wird. Ein zweiter Lockdown aber hätte verheerende Auswirkungen für die Wirtschaft. Immerhin haben sich die Erwartungen der Unternehmen über die Monate hinweg etwas aufgehellt. Die Konjunkturpakete von Land und Bund sind dabei ein weiterer wichtiger Baustein für die Genesung der Wirtschaft. Die Betroffenheit der Unternehmen bleibt jedoch weiterhin hoch, in vielen Branchen können die wirtschaftlichen Schäden der Pandemie nicht mehr aufgeholt werden. Beispielsweise kann die Hotelbranche nicht nachholen, dass die Hotelzimmer leerstehen mussten.

Kommt das dicke Ende noch?

Die dauerhaft verursachten Schäden durch das Herunterfahren der Wirtschaft werden sich teilweise erst zum Jahreswechsel 2020/2021 in Insolvenzen und damit verbundenen Arbeitsplatzverlusten bemerkbar machen. Die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht verschiebt die Erfassung der tatsächlichen Insolvenzzahlen. Erst dann kann eine genauere Bestandsaufnahme erfolgen. *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Zusammengestellt von Peter Hanack

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