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An den Mikrofonen: Heike Borufka (li.) und Basti Red zu Gast in der Anwaltskanzlei Fieldfisher.

Verurteilt-Podcast

Ein kriminelles Duo aus Frankfurt

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Heike Borufka und Basti Red plaudern erstmals live vor Publikum über interessante Verbrechen. Demnächst kann man ihnen live dabei zuschauen - nicht nur im Fernsehen.

Ein Mann, der verbotene Dinge im Internet tut. Und eine Frau, die Männer offenbar völlig willenlos macht. Das sind – nein, das sind nicht Basti Red und Heike Borufka. Aber die beiden reden über solche Leute, und das ausgesprochen unterhaltsam. Neuerdings auch live vor Publikum.

Heike Borufka ist die Gerichtsreporterin des Hessischen Rundfunks. Basti Red ist bekannt aus Onlineformaten wie dem Eintracht-Frankfurt-Podcast, Drei90 und einer Fußballwetten-Plauderei namens Wettbrötchen. Gemeinsam arbeiten sie seit dem vorigen Jahr besondere Kriminalfälle für ihren Podcast „Verurteilt“ auf. Der ist im Internet zu hören, im dritten Fernsehprogramm zu sehen, und am Mittwochabend gab es einen ersten Liveauftritt vor exklusivem Publikum – stilecht in einer Frankfurter Anwaltskanzlei im 20. Stock.

DER PODCAST

Am 23. April und am 21. Mai gastiert das kriminelle Duo wieder live, diesmal öffentlich im Copper Room im Frankfurter Westend. Karten gibt es im Vorverkauf unter anderem bei reservix.de. Die „Verurteilt“-Fälle lassen sich jederzeit über die gängigen Podcast-Programme und in der ARD-Audiothek kostenlos nachhören und in der HR-Mediathek auch anschauen. ill

Da ging es etwa um einen Mann, der auf Flohmärkten Schnäppchen ersteht, die er anschließend online verhökert. Im Frühjahr 2019 schnappt er eine Kiste mit Nazi-Schallplatten und Hitler-Fotos. Wie Borufka und Red beim Termin vor dem Frankfurter Amtsgericht auf den ersten Blick erkennen, handelt es sich bei Manfred J. freilich nicht um einen Rechtsextremen, sondern um einen Typen mit Rasta-Locken, der die Frankfurter Rundschau liest – also genau das Gegenteil. J. hat Schulden und wusste halt nicht so genau, was man darf und was nicht. „Dumm gelaufen“, sagt Basti Red. „Nein, so’n Schrott schmeißt man weg!“, sagt Heike Borufka. Was sagt das Gericht? Verfahren eingestellt, 900 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Wieder was gelernt. So ist es immer in den rund einstündigen „Verurteilt“-Sendungen. Man hört die Geschichte einer ungewöhnlichen, manchmal skurrilen, mitunter prominenten Straftat und erfährt dabei Besonderheiten aus der weiten Welt der Justiz. Bis zu 30 000 Hörerinnen und Hörer sind alle zwei Wochen dabei und machen den Podcast zu einem der erfolgreichsten des HR, ebenso viele Leute schauen die Sendungen im Fernsehen an.

Entsetzt und fasziniert

Besonders ragt aus der Serie ein Fall heraus, der vor 17 Jahren in der Wetterau begann und immer noch nicht ganz aufgearbeitet ist. Da stand eine Frau vor Gericht, weil sie ihren Mann mit einer Heißklebepistole drangsalierte, ihm Denkzettel auf den Rücken brannte („Ich soll nie mehr lügen“), ihn mit dem Ledergürtel schlug, mit einer Kerze sämtliche Körperbehaarung wegsengte. Die Zuschauer schütteln entsetzt, aber auch irgendwie fasziniert die Köpfe. Warum hat der Mann – durchaus kein schmächtiger – das mit sich machen lassen? Basti Red will es dann immer ganz präzise wissen. „Wer hat das der Polizei gesagt? Was hat die gemacht? Wann genau war das?“

Wie sich erweist, hatte die Frau insgesamt vier Ehemänner, alle mussten offenbar auf ähnliche Weise leiden – und mit freundlicher Unterstützung von Ehemann Nummer zwei vergrub sie Ehemann Nummer vier im Wald. Das Publikum staunt, das Publikum hat Fragen, und es muss immer mal wieder verblüfft auflachen. Aber: „Wir verlachen hier keine Opfer“, hält Heike Borufka fest. Es geht um Recht und Gesetz. Und das kann manchmal ganz schön seltsam sein.

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