1. Startseite
  2. Frankfurt

Kriminalfall Goetheturm - bis heute ungelöst

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Schock im Oktober 2017. Kindheitsabenteuer, in Flammen aufgegangen.
Schock im Oktober 2017. Kindheitsabenteuer, in Flammen aufgegangen. © Michael Schick

Vor fünf Jahren brannte das Frankfurter Wahrzeichen – wer’s war, ist immer noch unklar. Doch der Wiederaufbau brachte auch neue Erkenntnisse.

In einem skandinavischen Krimi hätte sich vielleicht just zum fünften Jahrestag der Täter gemeldet und der Polizei ein Rätsel aufgegeben. Oder etwas anderes angezündet. Letzteres ist glücklicherweise seit längerem ausgeblieben. Aber den Behörden gestellt hat er sich auch nicht. Oder sie. Wer auch immer am 12. Oktober 2017 den Goetheturm angezündet hat – die Polizei ist der Person nie auf die Spur gekommen. „Wir haben leider keine neuen Erkenntnisse dazu“, sagt ein Sprecher am Mittwoch. Die eigens eingesetzte „Arbeitsgruppe Holz“: längst aufgelöst.

Entsetzen herrschte damals, und herzzerreißende Bilder machten die Runde. Der Turm in tiefschwarzer Nacht in Flammen, ein Lieblingsort der Frankfurterinnen und Frankfurter brannte lichterloh, bis er in sich zusammenfiel. Wochenlang trugen die Fundamente danach Trauerkohlenschwarz. Menschen pilgerten zum Ort des kriminellen Geschehens, und eines stand fest: Das war Brandstiftung.

Denn es war nicht das erste Feuer an einem Frankfurter Holzbauwerk in jener Zeit, und auch nicht das letzte. Am 1. Mai 2017 hatte die Serie mit dem Koreanischen Pavillon im Grüneburgpark begonnen. Einen Monat später brannte der Pavillon im Chinesischen Garten im Bethmannpark, am 12. Oktober der Goetheturm im Stadtwald. Es folgte am 23. Oktober die Kita der Waldorfschule im Dornbusch, die komplett ausbrannte, am 16. November die Holztüren einer Kita im Gallus und am 21. Januar 2018 der vorerst letzte Fall, das Blaue Haus in Niederrad. Immerhin wurde niemand verletzt. In keinem der Fälle ließen sich die Tathintergründe aufklären, geschweige denn ein Täter oder eine Täterin ermitteln.

Fast 200.000 Euro Spenden

Aber der Goetheturm überragte – jetzt nur noch als Symbol – alles. „Wir stehen hier alle unter Schock“, fasste Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), zuständig für den Standort im Stadtwald, am Morgen danach die Gemütslage zusammen. Aber noch am gleichen Tag setzte ein, was Frankfurt stets auszeichnete: der Stifterinnen- und Stiftergeist. Im Mühlberglädchen, dem Kiosk ganz in der Nähe, gründete sich spontan eine Spendeninitiative, weitere folgten. Knapp drei Jahre nach dem Brand wurde unter dem Jubel der Bevölkerung das Dach auf den weitgehend originalgetreuen (aber feuerbeständigeren) Neubau gesetzt. 2,4 Millionen Euro kostete das Projekt, größtenteils gedeckt durch die Versicherung, knapp 200 000 Euro Spenden halfen.

Dass der Turm immer noch nicht barrierefrei ist, wie es im Zuge der Rekonstruktion gefordert wurde, hat Bedauern ausgelöst. Ein Aufzug sei aus Brandschutzgründen nicht genehmigungsfähig gewesen, hieß es. Und eine Rampe mit der maximal erlaubten Steigung von sechs Prozent wäre ein monumentales Bauwerk geworden. Die rund 196 Stufen (bei jeder Zählung kommt etwas anderes heraus, es ist wie verhext) bis nach oben in 43 Meter Höhe sind für Menschen mit körperlichem Handikap nicht zu schaffen. Dabei ist die Aussicht ein bleibendes Erlebnis, das alle genießen sollten.

Ehre für Gustav Gerst

Ein Stück Frankfurter Geschichte kam durch den Wiederaufbau ans Licht: Filmemacher Thomas Claus ging der Frage nach, wer eigentlich Gustav Gerst war, Stifter des Ur-Goetheturms von 1931. Und sorgte dafür, dass der Mäzen und Warenhausunternehmer („Tietz“), den die Nationalsozialisten plünderten und zur Flucht zwangen, endlich angemessen gewürdigt wurde, was die Umweltdezernentin besonders freut. Für Heilig war der gelungene Wiederaufbau eine Frankfurter Sternstunde, auch wenn sie am fünften Jahrestag des Feuers bedauert, dass die verantwortliche Person vermutlich immer noch frei herumläuft.

Wenn sie sich nicht doch noch, wie in einem skandinavischen Krimi, gemeldet hat. Der Polizeisprecher will da am Mittwoch nichts ausschließen. „Der Tag“, sagt er, „ist ja noch lang.“

Ein Prachtkerl, auch dank Gemeinsinn: der Neue.
Ein Prachtkerl, auch dank Gemeinsinn: der Neue. © Rolf Oeser

Auch interessant

Kommentare