+
Im Ballungsraum Rhein-Main gibt es zu wenig Busfahrer. 

Verkehr in Frankfurt

Kriegsflüchtlinge werden Busfahrer

  • schließen

DB Regio Bus stellt zehn Geflüchtete als Fahrer ein.

Im Ballungsraum Rhein-Main werden Busfahrer dringend gesucht - für Geflüchtete ist es wiederum schwer, eine Festanstellung zu finden. Vor diesem Hintergrund hat DB Regio Bus, ein Unternehmen der Deutschen Bahn, das Buslinien unter anderem in Frankfurt und Rhein-Main betreibt, vor Monaten mit der Ausbildung von Geflüchteten begonnen. Seit Februar haben zehn Fahrer einen festen Vertrag.

Qadar N. ist 25 Jahre alt, stammt aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu, ist seit 2013 in Deutschland, und hat ein Kind. Er fährt Bus in Oberursel. In seiner Heimat habe er die Grundschule besucht, sei vor dem seit drei Jahrzehnten währenden Bürgerkrieg geflohen. In Deutschland habe er die Hauptschule abgeschlossen, dann in einer Fabrik gearbeitet. „Ich habe eine unbefristete Arbeit gesucht, jetzt habe ich die Chance bekommen“, sagt er.

Auf die Idee zu dem Programm sei DB Regio Bus vor gut zwei Jahren gekommen, sagt Personalleiter Siegfried Moog. „Wir haben 6500 Busfahrer in Deutschland, pro Jahr gibt es eine Fluktuation von 1200 Mitarbeitern.“ Die Idee hinter dem Projekt sei gewesen, nicht nur Fachkräfte zu finden, sondern auch Menschen mit Fluchthintergrund eine Chance zu geben.

140 Bewerber meldeten sich

Anas B. (l) und Quadar N., Geflüchtete aus Syrien bzw. Somalia, jetzt Busfahrer bei DB Regio Bus.

Die Bewerber hätten sich teils über die Arbeitsagentur gefunden, teils über eine Werbeaktion mit Handzetteln im Frankfurter Hauptbahnhof. Von 140 Bewerbern seien zunächst zehn genommen worden - sie sind nun ausgebildete Fahrer. Ein weitere Gruppe mit acht Fahrern beende die Ausbildung voraussichtlich im August.

Qadar N. und seine Kollegen absolvierten im Sommer einen sechswöchigen Deutschkurs und paukten Fachbegriffe, die sie im Beruf brauchen. Es folgten Workshops zu Gesundheit und Ernährung, außerdem gemeinsames Kochen zur Teambildung. Auch machten die Fahrer den Führerschein für Autos und für Omnibusse, was mit einer Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) einherging..

Auch Anas B. ist nun Fahrer, in Darmstadt. Der 39-jährige Vater von drei Kindern stammt aus Aleppo in Syrien. Er ist seit 2015 in Deutschland. In Syrien habe er englische Literatur studiert, anschließend viele Jahre als Übersetzer bei der syrischen Eisenbahn gearbeitet, bis ihn der Bürgerkrieg zur Flucht veranlasst habe. „Ich genieße meine neue Aufgabe“, sagt er. Als Busfahrer wolle er es nicht verlernen, die Fahrt aus Sicht der Fahrgäste zu betrachten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare