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Krieg in der Ukraine: Tausende in Notunterkünften in Frankfurt

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Von: Sandra Busch

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Eine Notunterkunft in Frankfurt-Sachsenhausen. Boeckheler
Eine Notunterkunft in Frankfurt-Sachsenhausen. Boeckheler © christoph boeckheler*

Viele Geflüchtete leben in Frankfurt in Hallen und Hotelzimmern. Die Kinder besuchen die Schule, nur wenige gehen in die Kita.

Seit sechs Monaten ist Krieg in der Ukraine. Seit sechs Monaten fliehen Menschen vor diesem Krieg. Rund 200 000 Geflüchtete sind seit dem 24. Februar in der Bahnhofsmission am Frankfurter Hauptbahnhof beraten und betreut worden. „Es ist der Hauptankunftspunkt für Geflüchtete in Hessen“, sagt Miriam Bandar, Sprecherin des Frankfurter Sozialdezernats. Geblieben sind sie nicht alle.

Wie viele Geflüchtete aus der Ukraine sich in Frankfurt aufhalten, lässt sich schwer beziffern. Die Menschen kommen zum Teil privat unter und haben sich nicht bei der Stadt gemeldet. Das Dezernat geht von „deutlich mehr als 10 000 Geflüchteten aus der Ukraine in Frankfurt aus“, sagt Bandar. Der Großteil sind Frauen, Kinder und Jugendliche.

Ohne Hallen geht es nicht

Rund 9300 Geflüchtete und Wohnungslose sind derzeit in den 120 städtischen Notunterkünften untergebracht. „So viele wie noch nie“, sagt Bandar. Ende 2015 etwa waren es 5100. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, war schnell klar, dass die Unterkunftskapazitäten der Stadt nicht reichen würden. Zimmer in Hotels wurden angemietet, Hallen eingerichtet – obwohl es das Ziel der Stadt ist, Menschen nicht mehr in Hallen unterzubringen. „Aber es geht nicht anders“, sagt Bandar.

In den Unterkünften – Hotels und Sporthallen –, die speziell für Geflüchtete aus der Ukraine zusätzlich eingerichtet wurden, stehen 2171 Plätze zur Verfügung. 1551 sind im Moment belegt. Ein Erstaufnahmezentrum gibt es in Frankfurt nicht mehr. Die Menschen müssen nach Gießen und werden dort in die Kommunen vermittelt. Zuweisungen nach Frankfurt gibt es derzeit keine. Die Stadt hat nach dem Königsteiner Schlüssel, nach dem Geflüchtete verteilt werden, „ihr Soll für Monate erfüllt“, sagt Bandar. „Doch viele wollen weiterhin nach Frankfurt.“ Dabei sei es im Umland ungleich einfacher, eine Wohnung zu bekommen.

Das ist in Frankfurt auf dem normalen Wohnungsmarkt schwer. Die Geflüchteten aus der Ukraine können aber Leistungen zur Grundsicherung nach SGB II beantragen und haben auch Anspruch auf eine Sozialwohnung. Doch auch die sind in Frankfurt schwer zu bekommen. Die Warteliste war schon vor Kriegsausbruch lang. „Es läuft darauf hinaus, Not- und Übergangsunterkünfte so wohnungsähnlich wie möglich zu machen“, sagt Bandar. So wie im Süden Frankfurts, da hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG gerade Wohnungen für Geflüchtete gebaut. Es sind Übergangsunterkünfte, doch eben Wohnungen, „um ein gutes Ankommen und Integrieren zu ermöglichen“, sagt Bandar.

1400 Kinder in der Schule

Während direkt nach Kriegsausbruch für die Geflüchteten „Schule und Arbeit nicht so sehr im Vordergrund standen“, sagt Bandar, „hat sich das nun etwas geändert.“ Die Menschen seien traumatisiert gewesen, hätten nicht hier sein wollen. „Mütter wollten sich nicht von ihren Kindern trennen.“

Inzwischen besuchen rund 1400 Kinder eine Schule in Frankfurt. Auch in den Kitas werden geflüchtete Kinder aufgenommen. Wie viele eine Kita besuchen, kann die Stadt nicht genau sagen, da die Aufnahme nicht zentral gesteuert wird. Doch „von den Trägern wissen wir, dass vereinzelt schon Kinder aus der Ukraine aufgenommen wurden“, heißt es aus dem Bildungsdezernat. Die Nachfrage nach Kinderbetreuung – vor allem für Kinder im Krippenalter – sei aber nach wie vor gering.

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