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Die Kreide-Botschaften auf dem Mainuferweg für ein veganes Leben.

Aktion

Kreide-Sprüche gegen Fleischkonsum

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die „Worldwide Vegan Chalk Night“ wirbt am Frankfurter Mainufer für Verzicht auf tierische Produkte.

Vom Eisernen Steg aus sind die bunten Malereien am besten zu sehen. Rund 40 Aktivistinnen und Aktivisten haben am Freitagabend zu Kreide gegriffen, um im Rahmen der „Worldwide Vegan Chalk Night“ ihre Botschaften für ein veganes Leben auf den Asphalt zu bringen. Weltweit waren außer in Frankfurt Menschen in knapp 250 Städten und 57 Ländern beteiligt.

Mehrere hundert Meter Uferweg sind am Freitagabend schnell bemalt. „Love the Planet: Go vegan“, „Stop eating animals“, „Not your mom, not your milk“: Vor allem auf Englisch wird für eine tierfreie Kost plädiert und etwa gefordert, Milch von Kühen ihren Kälbern zu überlassen, die Erde durch vegane Ernährung zu schützen und aufzuhören, Tiere zu essen. „Für Milch sterben Kälber“ heißt es auf Deutsch noch drastischer. Ein 18-Jähriger Eschersheimer kniet am Boden. Er hat sechs verschiedenfarbige Kreidestücke vor sich liegen und malt „Vegan“ in den Regenbogenfarben auf: „Weil Tiere die gleichen Rechte wie Menschen haben sollten“, sagt der Schüler. Links und rechts flanieren Menschen an ihm vorbei. Das Mainufer ist bei milden Temperaturen gut besucht. Zahlreiche Passanten werden auf die Aktion aufmerksam. Sie blicken zu Boden, während sie unter dem stählernen Steg hindurch spazieren. Einige bewegen die Lippen, lesen die Sprüche laut vor sich hin.

Amelie Walter aus Bornheim hatte im sozialen Netzwerk Facebook von dem weltweiten Aktionstag gelesen und daraufhin in Frankfurt dazu eingeladen. Die 21-jährige Psychologiestudentin sagt: „Viele wissen nicht, wie Schnitzel, Milch und Käse auf die Teller kommen, und was in den Schlachthöfen passiert“. Deshalb wolle sie aufklären. Ein Großteil der Unterstützer, die gekommen sind, sieht jung aus – in Walters Alter, oder jünger. Die Initiatorin kenne die meisten bereits von anderen Aktionen, beispielsweise von der Zeil, wo sie Vorbeieilenden versuchten Filme über Tierquälerei zu zeigen. Seit einigen Monaten lebe sie vegan, sagt die junge Frau, ihre Mutter und Schwester schon mehrere Jahre. Kuhmilch habe die Frankfurterin beispielsweise durch Hafermilch ersetzt, sagt sie.

Menschen zum Nachdenken anregen

„Man kann Vieles austauschen“, berichtet der 17-jährige Henri Ruff, der ebenfalls seit einigen Monaten vollständig auf tierische Produkte verzichtet. „Nicht aggressiv, sondern auf kreative Art und Weise rüberbringen“, wolle er seinen Protest, sagt der Schüler. „Ich will mit dieser friedlichen Art des Aktivismus Menschen zum Nachdenken anregen, damit sie ihr Konsumverhalten hinterfragen“, sagt Anke Knobloch. Die 55-Jährige aus Rodenbach bei Hanau hält eine Dose mit Sprühkreide in der Hand. Eine Schablone liegt auf dem Boden. Darauf ist ein Link zu einer Dokumentation über industrielle Tierhaltung und -schlachtung zu sehen. Gemeinsam mit ihrer Bekannten Tanja Hein sprüht Knobloch den Link auf den Asphalt. „Mit dem Kreiden Menschen dazu bewegen, ihre Sichtweisen zu ändern und aufzuhören, Tiere auszubeuten, sie einfach in Ruhe zu lassen“ sei ihr Ziel, berichtet Hein. „Für uns, für die Tiere und für den Planeten wäre das das Beste“, fügt die 47-Jährige hinzu.

Während die einen erzählen und über ihre Aktion informieren, schreiben und malen andere fleißig weiter. Nach rund einer Stunde wechseln die Ersten nach oben auf die Brücke, um dort den Überweg des Eisernen Steges zu colorieren.

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