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Kreativraum

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Von: Florian Leclerc

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Bringt Farben zum Leuchten: Künstlerin Amelie Persson.
Bringt Farben zum Leuchten: Künstlerin Amelie Persson. © Alex Kraus

Zeichnen, Zeigen, Zusammensitzen – Künstler wie Amelie Persson arbeiten in der Basis Frankfurt, wo eine geringe Miete große Kunst befördert.

Der Ginnheimer Spargel lugt hinter der Paulskirche hervor. Der Messeturm steht breit daneben, aber noch breiter ist das Gerippte. Nicht das am Westhafen, sondern das Glas Ebbelwei – auf Messeturmhöhe. Darüber leuchtet die prallgelbe Sonne in Pastell. So freundlich-verspielt malt die Frankfurter Künstlerin Amelie Persson ihr Frankfurt auf einer Postkarte. Materialkisten stapeln sich im Regal ihres Ateliers in der Basis Frankfurt.

Buntstifte, Aquarellfarben, Pinsel stehen auf dem Tisch. An den Wänden hängen fertige Arbeiten, gerahmt. Und unfertige Projektskizzen, auf Papier. „Das sind ungelegte Eier“, sagt sie. Aufträge zum Illustrieren von Büchern, Projekte, mit denen sie ihr Künstlerdasein finanziert.

Privates und Berufliches gehen dabei Hand in Hand. Die Hobbyköchin ernährt sich vegan. Kräuter, Gewürze, Gemüse kauft sie bei den internationalen Händlern im Bahnhofsviertel. Öffentlich gekocht hat sie im Club Michel im Bahnhofsviertel. „Kochen ist ein kreativer Prozess, wie Zeichnen“, sagt sie. Die Deutsche mit schwedischem Pass hat das schwedische Luciafest mit Kerzenhaarkranz und Safrangebäck in ihrer Ausstellung in der Galerie Kaiser P gefeiert. Selbst zu Markte getragen hat Persson Kochbücher, in getuschter Schönschrift und mit leuchtenden Motiven („Grüner wird’s nicht“, „Fantastische Geheimrezepte“, Jaja-Verlag). Außerdem Comics, Kalender und eben Postkarten.

Einige Künstler haben den Durchbruch geschafft

Den Start ins selbstständige Künstlerleben vor drei Jahren hat die Basis Frankfurt ermöglicht oder zumindest befördert, denn an den Standorten Elbestraße 10, Gutleutstraße 8-12 und Linnéstraße 3 zahlen Künstler viel weniger als die ortsübliche Büromiete. Das Konzept der Basis ist, Ateliers zum Arbeiten anzubieten und Ausstellungen zu zeigen. „Zu sehen sind internationale, junge Positionen“, fasst Jakob Sturm, der künstlerische Leiter, zusammen. 126 Ateliers vermietet die Basis, zu Preisen von 7,50 bis 9 Euro pro Quadratmeter. Strom, Wasser, Heizung inklusive. Weil manche sich die Räume teilen, finden rund 150 Künstler Platz. Ein Vertrag läuft bis zu sechs Jahren. „Dann sollten sie den Absprung geschafft haben.“

Die Elbestraße 10 gehört der Stadt, die Gutleutstraße 8-12 dem Land, die Linnéstraße 3 einem privaten Investor, „der uns sehr entgegenkommt“, sagt Sturm. Die Stadt gibt außerdem 25 000 Euro im Jahr für das künstlerische Programm dazu, was Sturm „sehr wenig“ nennt. Die Gestaltung der Internetseite mitsamt „CI“ (Corporate Identity) haben die Designer von Pixelgarten, die im Haus sitzen, übernommen. „Wir speisen uns aus Netzwerken.“

Dass die Stadt die jungen Künstler fördert, wie sie es tut, weiß Sturm zu schätzen. Früher sei es ein „Riesenproblem“ gewesen, Räume zum Arbeiten zu finden. Wer gerade die Städelschule abgeschlossen hatte oder frisch von der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach kam, konnte sich kein Atelier leisten. Alles zu teuer.

Als Kreativräume etabliert sind in der Stadt die Basis und das Atelier Frankfurt. Außerdem vermittelt die Agentur Radar Räume an Künstler, gefördert von der Stadt. „Drei Vorteile“ hätten Institutionen wie Basis und Atelier Frankfurt, sagt der Frankfurter Kommunikationsdesigner Kai Bergmann: „das Netzwerk, das soziale Miteinander und die günstigen Mieten“. Im früheren Atelier Frankfurt in der Hohenstaufenstraße, das derzeit abgerissen wird, hatte Bergmann sein Büro seit 2004. Ins ehemalige Getränkelager in der Schwedlerstraße 1-5, wo das Atelier Frankfurt jetzt sitzt, zog er nicht mit. Sein Büro hat er in der Basis. „Vom Mehrwert der Kunst“, die in den Ateliers entstehe, „profitiert die ganze Stadt“, sagt er.

Beispiel Nippon Connection. Das japanische Filmfestival hatten Studenten der Theater-, Film- und Medienwissenschaft aus der Taufe gehoben. Viel Geld für das Grafikdesign, das Bergmann entwarf, hatten sie nicht. Wer sein Einkommen in die „übliche Büromieten“ stecke, könne sich so ein Projekt nicht erlauben.
Den Durchbruch geschafft haben einige Künstler aus Basis und Atelier Frankfurt: Pixelgarten, Tomás Saraceno, Anny und Sibel Öztürk. Kunst von Christiane Feser hängt im Yorker Guggenheim Museum. Gegenüber von Amelie Perssons Atelier ist die Gemeinschaftsküche. Sieht aus wie in einer Studenten-WG.

Die Basis zeigt derzeit Videoarbeiten, Gutleutstraße 8-12. Bis 30. Juli läuft „The Tiger’s Mind“ von Beatrice Gibson, Di-So, 14-19 Uhr.

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