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Preisverleihung in der Frankfurter Sportfabrik an fünf Vereine und deren Inklusionsprojekte. Foto: Renate Hoyer
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Preisverleihung in der Frankfurter Sportfabrik an fünf Vereine und deren Inklusionsprojekte.

Schlappekicker-Preise für Inklusions-Arbeit

Kreativ, flexibel, engagiert

  • VonJürgen Streicher
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Vom Para-Rudern bis zum Zeitlupenball: Der „Schlappekicker“ vergibt fünf Preise für die Förderung inklusiver Sportprojekte

Theo wurde ohne Beine geboren. Heute ist er zwölf Jahre alt und rudert wie ein Weltmeister auf dem Main. Sein Boot ist etwas breiter als üblich, für eine bessere Sicherung, wenn er über das Wasser gleitet. Theo profitiert von einem Sportler, der vor zehn Jahren bei der Offenbacher Rudergesellschaft Undine 1876 vorgefahren ist und Rudertrainer Jochen Weber eine ganz einfache schwere Frage gestellt hat: „Vom Rolli ins Ruderboot, kannst du dir das vorstellen?“

Weber konnte, es war der Start für das Projekt Rudern für Kinder mit Behinderungen. Der nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesene Sportler war erster Para-Ruderer bei der Undine. Zwei Jahre später wurde Jochen Weber Nationaltrainer der Para-Ruderer, so viel zur Begeisterung, die da entfacht wurde.

Die Rudergesellschaft Undine ist einer von fünf Preisträgern, die gestern vom „Schlappekicker“ für herausragende Ideen und ihre Umsetzung im Bereich „Inklusiver Sport“ ausgezeichnet wurden. Nach fast zwei Jahren Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie „wenigstens wieder mit ein bisschen Veranstaltung“, so Arnd Festerling, der Schlappekicker-Vorsitzende, bei der Begrüßung der Gäste. Nicht beim großen Spiel- und Sportfest der Stadt Frankfurt in der Kalbacher Doppelsporthalle wie in all den Jahren zuvor, dieses wurde zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Locker sportlich mit viel Trainingsgeräuschen im Hintergrund ging es trotzdem zu, der Sportkreis Frankfurt als Hausherr und die Schlappekicker hatten in die Sportfabrik in Fechenheim zum kleinen Empfang mit Ehrung geladen, wo sich das Frauen-Nationalteam Cricket gerade zum Training getroffen hat.

Die Zwangspause im aktiven Sport nach dem 13. März 2020 hat alle Vereine im Sportkreis und darüber hinaus hart getroffen. Für dessen Vorsitzenden Roland Frischkorn war es „der schwärzeste Freitag überhaupt“, bekannte er im Interview mit DOSB-Pressereferentin Ulrike Spitz aus dem Schlappekicker-Vorstand. Seine Botschaft zum Einstellen des Sportbetriebes ging damals an über 400 Vereine. Das Bild von der „verlorenen Generation“ mit Blick auf den Kinder- und Jugendsport will er nicht bemühen, Optimist Frischkorn setzt auf „Kreativität, Flexibilität und das Engagement“ der Vereine bei der Bewältigung der Krise. „Wir sind zutiefst beeindruckt, was sie alle geleistet haben“, sagte Arnd Festerling mit Blick auf die aktuell geehrten Vereine, die ihren Weg trotz der Krise weitergegangen sind, immer mit dem Ziel, Inklusion im Sport voranzutreiben.

Herausragende Beispiele, wie in der jeweiligen Laudatio zu hören war. In Offenbach rudern Kinder mit Down-Syndrom und Autismus, die Para-Ruderer sind im Programm „Jugend trainiert für Olympia“ dabei. Die noch neue Trainingshalle ist komplett barrierefrei, alle Boote und Vereinsmaterialien stehen dem Projekt voll zur Verfügung, mit dem Preisgeld soll das Betreuungsboot für die begleitenden Fahrten mit einem elektrischen Außenbordmotor ausgerüstet werden. Der leise Antrieb würde die Kommunikation mit den Para-Ruderern in ihren Booten erheblich verbessern.

Alle ausgezeichneten Vereine erhielten ein Preisgeld von 3000 Euro. Der TSV Bonames gehört bereits zum zweiten Mal nach 2015 dazu. Er ist von Beginn an im Jahr 1992 in die Organisation des Integrativen Spiel- und Sportfests der Stadt eingebunden und mit dem RSC Frankfurt für die Ausrichtung verantwortlich. Seit diesem Frühjahr gibt es im Verein eine Inklusionsbeauftragte. „Wir wollen damit dokumentieren, wie wichtig uns Inklusion in allen Bereichen ist“, so Dieter Kuch vom TSV-Vorstand. Das Preisgeld wird für die Ausstattung mit Material verwendet, für Pezzibälle, Schalen für Trommeln, Zeitlupenbälle, Varussell und Sensorikmaterial.

Der SV Sachsenhausen mit seinem Projekt „Inklusion auf dem Fußballplatz“, der Kanu-Club Fulda und die SG Bornheim mit ihrer Gruppe „Mach mit – wir spielen“ komplettieren das Quintett der Preisträger 2021. Dass in allen Vereinen das Preisgeld in gute Hände kommt, dafür verbürgen sich Menschen wie Harald Seehausen, der für das offene Fußballprojekt in Bornheim steht, Johannes Halbig von den Kanuten aus Fulda, der fünf Athleten aus der Handicap-Gruppe zur erfolgreichen Teilnahme an der Fahrtenleiterausbildung des Hessischen Kanuverbandes geführt hat, sowie Jürgen Medenbach vom SV Sachsenhausen, der unter anderem jedes Jahr in drei Schulferien inklusive Fußballcamps für Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap veranstaltet. Das Preisgeld hilft bei der Bezahlung von Fortbildungen der Juniortrainer, die sich in Bornheim um Kinder mit unterschiedlicher Behinderung und um Flüchtlingskinder kümmern, in Fulda sollen Renn-Kanus für die Handicap-Kanuten für Regatten angeschafft werden.

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