Medizin

Krankenkasse zahlt Frau aus Frankfurt Herzuntersuchung nicht

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Eine 50-Jährige aus Frankfurt möchte eine spezielle Herzuntersuchung – ihre Krankenkasse stellt sich quer.

Maria Gerland, die in Wirklichkeit anders heißt, ist enttäuscht. Die Krankenkasse der 50-jährigen Frankfurterin will ihr eine spezielle Herzuntersuchung nicht bezahlen, obwohl sie ein ärztliches Attest hat, das die Untersuchung empfiehlt.

Doch der Reihe nach. Gerland hat psychische Probleme, die sich meistens in Panikattacken und Depressionen manifestieren. Ihr Vater ist an einem Herzinfarkt gestorben. Zwar gibt es keine genetische Vorbelastung, doch Sorgen macht sie sich trotzdem. Vor gut vier Jahren wurde ihr Herz gecheckt – ohne Auffälligkeiten. Bei einer erneuten Untersuchung 2019 war jedoch das Belastungs-EKG nicht in Ordnung. Maria Gerland klagte im Vorfeld über gelegentliches Herzstechen.

Der Kardiologe habe ihr eine Untersuchung mit einem Herzkatheter nahegelegt und habe gesagt, dass er in diesem Zuge auch gleich einen Stent setzen könne, berichtet sie. „Ich habe gleich eine Panikattacke bekommen“, so die 50-Jährige. Weil ein möglicher Eingriff am Herzen sie verängstigt, holte sie eine Zweitmeinung ein und erfuhr, dass es auch die Möglichkeit einer Computertomografie (CT) gibt. Das bildgebende Verfahren beruht auf Röntgenstrahlung und kommt ohne Eingriff aus. Genau das möchte Gerland – aber die CT kostet gut 700 Euro und Gerland lebt von Hartz IV, hat einen 450-Euro-Job und keine Ersparnisse. Die teure Untersuchung kann sie sich nicht leisten.

Als sie ihre gesetzliche Krankenkasse mit der Bitte anschreibt, die Kosten zu übernehmen, bekommt sie eine Absage. Obwohl ihre Psychologin zuvor ein Gutachten erstellt hat, das die CT dringend empfiehlt, kommt die Kasse nur für eine Katheteruntersuchung auf.

Leistungen

Individuelle Gesundheitsleistungen(Igel) sind Diagnose- und Behandlungsmethoden, die nicht zum Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen gehören.

Die gesetzlichenKrankenkassen dürfen nur Leistungen bezahlen, die ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind.

Alle nicht in einementsprechenden Katalog aufgelisteten Leistungen müssen die Patienten in der Regel selbst bezahlen. Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise, wenn eine lebensbedrohliche Erkrankung vorliegt, es keine allgemeine anerkannte Behandlung gibt und bei der alternativen Therapie eine positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf zu erwarten ist, könnte die Kasse die Kosten übernehmen.

Beispiele fürIgel-Leistungen sind die Ozontherapie, Bioresonanztherapie, viele Früherkennungsuntersuchungen oder auch reisemedizinische Vorsorge. 

„Ich habe Todesangst“, beschreibt Gerland ihre derzeitige Verfassung. Sie könne nur noch bei Licht einschlafen, die Situation zehre an ihr. „Ein Herzkatheter birgt Risiken, es kann tödlich enden“, sagt sie. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist: Der Gedanke ist bei der Frankfurterin präsent – und macht ihr Angst.

Auf Nachfrage der FR erklärt die Krankenkasse, dass eine Herz-CT eine sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (Igel-Leistung) ist. Welche Leistungen darunter fallen, legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest, das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen.

In ihm sitzen Vertreter der Krankenkassen, Krankenhäuser und Ärzteschaft. Der Ausschuss erstellt für alle Krankenkassen einen Leistungskatalog, der auflistet, welche Untersuchungen, Therapien und andere medizinischen Leistungen die Kassen übernehmen.

Ein Sprecher von Gerlands Krankenkasse erklärt, man dürfe die Kosten für Leistungen, die nicht im Katalog stehen, nicht übernehmen. „Der Gesetzgeber setzt uns Grenzen.“ Und im Unterschied zur Katheteruntersuchung sei die Koronar-Computertomografie nicht im Leistungskatalog enthalten.

Nachdem Gerland Widerspruch eingelegt hatte, prüfte auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) Hessen den Fall. Und auch er kam zu dem Schluss, dass eine Empfehlung der Kostenübernahme einer außervertraglich vorgenommenen Koronar-CT-Untersuchung nicht möglich sei – auch, weil nicht alle anderen vertraglichen Optionen (Katheter) ausgeschöpft wurden.

Die Ängste der Versicherten seien zwar durchaus verständlich, führten jedoch nicht zu einem anderen sozialmedizinischen Ergebnis.

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