Diese Stahlträger, die zum Teil noch aus dem Jahr 1870 stammen, haben den 1239 geweihten Dom vor noch schwereren Schäden bewahrt.
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Diese Stahlträger, die zum Teil noch aus dem Jahr 1870 stammen, haben den 1239 geweihten Dom vor noch schwereren Schäden bewahrt.

Sturm-Schäden

Kran stürzt auf das Dach des Doms

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Sturm verursacht schweren Schaden am Frankfurter Wahrzeichen. Domplatz und Gotteshaus sind gesperrt.

Er ist das prominenteste Opfer des Sturmtiefs „Sabine“ in Frankfurt: der historische Kaiserdom, das Wahrzeichen der Stadt. Einheimische und Touristen gleichermaßen drängen sich vor den rot-weißen Absperrbändern und schauen betroffen nach oben.

Der schwere Hauptkran, der wegen Sanierungsarbeiten aufgebaut war, ist nachts vom Sturm umgerissen worden und auf das Dach gestürzt. Das tonnenschwere Gerät durchschlug den Dachstuhl, drang tief ins hölzerne Gebälk ein und wurde erst vom Puddelstahlgerüst unter dem Dach gestoppt.

Diese Stahlträger, die zum Teil noch aus dem Jahr 1870 stammen, haben den 1239 geweihten Dom vor noch schwereren Schäden bewahrt. Die Auswirkungen sind aber auch so gravierend genug: Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz geben Kirchendezernent Uwe Becker (CDU), Baudezernent Jan Schneider (CDU) und Stadtdekan Johannes zu Eltz bekannt, dass der Dom und seine Umgebung gesperrt bleiben. Das Bistum weicht mit den Gottesdiensten in die nahegelegene St. Leonhardskirche am Main aus.

Da sich der Sturm am heutigen Dienstag noch fortsetzen soll, bleibt die Lage am Dom sehr gefährlich. Der umgestürzte Kran kann vorerst nicht geborgen werden, wie Kirchendezernent Becker erläutert.

Deshalb werden in den nächsten Stunden zwei riesige Autokräne herangeführt, die das umgeknickte Metallwerk von beiden Seiten stabilisieren sollen. Es gilt zu verhindern, dass der Hauptkran weiter abstürzt.

Frankfurts neue Dombaumeisterin Julia Lienemeyer, seit Spätsommer 2019 im Amt, erlebt ihre erste Bewährungsprobe. Sie berichtet vor den Journalisten und Kamerateams, dass sie nachts alarmiert worden sei. Zwischen Mitternacht und ein Uhr sei der Kran umgestürzt, so viel lasse sich sagen. Wie es dazu kommen konnte, ob das riesige Gerät einfach ungenügend gesichert war, bleibt an diesem Mittag noch offen.

Lienemeyer umreißt die unmittelbaren Aufgaben: das Dach des Domes provisorisch so zu schließen, dass kein Wasser eindringen kann. Bis zum heutigen Dienstagmittag sind Sturmböen angekündigt. Wenn es stark regnet, gibt es ein Problem. Erst wenn der Sturm abflaut, können die Bergungsarbeiten außen auf dem Dach beginnen, vorher ist es zu gefährlich.

Tatsächlich sind aber Fachleute schon von innen zur Unfallstelle vorgedrungen. Ein Architekt, der seit 1991 für die Erhaltung des Doms arbeitet, berichtet: Die Holzbalken des Dachstuhls seien unter dem enormen Gewicht des Krans sofort zersplittert, die Stahlträger dagegen nur beschädigt.

Allein der Kranhaken, der zuerst in das Dach eindrang, wiegt 400 Kilogramm, wie der Kirchendezernent erklärt.

Die wichtigste Botschaft der Begehung: „Die Standfestigkeit des Gebäudes ist nicht gefährdet.“ Über die Höhe des Schadens gibt es an diesem Tag noch keine Angaben, es könnte aber um eine Millionensumme gehen, deuten die Baufachleute an. Schneider spricht eine heikle Frage an, die zu klären sein wird: Wer kommt für den Schaden auf?

Die Dombaumeisterin mutmaßt, dass die Kranbaufirma von einer Versicherung geschützt ist. Grundsätzlich gehört der Kaiserdom zu den acht sogenannten Dotationskirchen, deren bauliche Erhaltung und Sanierung nach einem Vertrag mit der katholischen Kirche Sache der Stadt ist.

Die gegenwärtigen Sanierungsarbeiten an dem großen Gotteshaus waren 2015 begonnen worden. Ein Teil des Daches und der Fassaden muss erneuert werden. Das schwere Unglück trifft die Stadt „zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, wie Baudezernent Schneider sagt. Eigentlich sollte der große Kran in den nächsten Tagen abgebaut werden, weil die Arbeiten in diesem Abschnitt abgeschlossen waren. Die Stadt Frankfurt gibt sehr viel Geld für die Erhaltung des Kaiserdoms aus. Allein das gegenwärtige Projekt umfasst eine Investition von rund zehn Millionen Euro. So löst denn auch der jetzige Schaden an Frankfurts Wahrzeichen einen Wettlauf der Kommunalpolitiker aus.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist schon am frühen Montagmorgen mit einem Team von Hauptamt und Stadtmarketing zum beschädigten Dom geeilt. Ein Video mit dem OB wurde gedreht. Einige Stunden später gibt auch Bürgermeister und Kirchendezernent Becker seiner Betroffenheit Ausdruck. Er zeigt sich „sehr erschrocken“ über die Beschädigung des „Wahrzeichens europäischer Kulturgeschichte“.

Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz verfolgt den Auftrieb der Medienvertreter und Politiker an seinem geliebten Dom mit der ihm eigenen ironischen Distanz. Zum Glück sei ja die Sanierung der Leonhardskirche im August 2019 nach achtjähriger Dauer weitgehend abgeschlossen worden.

Am heutigen Dienstag um 8 Uhr beginnt dort, im Ausweichquartier, die Frühmesse. Und um 12.30 Uhr können die Gläubigen zur Mittagsmesse kommen.

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