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Szene aus dem Drama „Sibel“: Sibel (Damla Sönmez) und Deserteur Ali (Erkan Kolçak Köstendi).

Türkisches Filmfestival

Die Kraft der Kunst

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Das 19. türkische Filmfestival Frankfurt startet am 27. Oktober.

Das Telefon steht bei Hüseyin Sitki dieser Tage nicht still. Je näher das 19. türkische Filmfestival in Frankfurt rückt, desto mehr gibt es für den Festivalleiter zu organisieren. Für die Fotoausstellung im Cinestar Metropolis müssen noch Stellwände aufgetrieben, für die Eröffnungsgala am 27. Oktober noch zahlreiche Details geklärt werden. Und mit seinen Helfern befindet er sich in einer Whats-App-Gruppe ohnehin im ständigen Austausch. Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, was Sitki im gesamten Jahr an Anstrengungen für die Organisation unternimmt. Wofür andere Festivalleiter Geld bekommen, macht er alles neben seinem Beruf als Berater für internationale Studenten an der Goethe-Universität im Ehrenamt.

Der 57-Jährige behauptet aber zurecht und stolz, dass „das türkische Filmfestival eine etablierte Kultureinrichtung Frankfurts“ ist. Sein Antrieb und die Hartnäckigkeit, so viel Zeit dafür zu investieren, rührt daher, dass er fest von der „Kraft der Kunst“ überzeugt ist, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen. Genauso wie er sich mit seiner Geburtsstadt Ankara verbunden fühlt, fühlt er sich mit Frankfurt, wo er seit mehr als 30 Jahren lebt, verbunden. Obwohl 57 Jahre vergangenen sind, nachdem die ersten türkischen Gastarbeiter in Deutschland ankamen, gebe es immer noch Ausgrenzung und es werde über die Erfolglosigkeit türkischer Kinder gesprochen. „Mein Ziel ist es, gerade der jungen Generation Selbstvertrauen zu geben und zu zeigen, dass Türken und Türkischstämmige gleichwertige und wichtige Mitglieder der Gesellschaft sind.“ Aus diesem Grund organisiert er die Eröffnungsgala an prominenten Orten in der Stadt: Nach dem Zoopalais, dem Gesellschaftshaus im Palmengarten, ist der Auftakt in diesem Jahr in der Alten Oper – im Herzen Frankfurts.

Neben den eigenen Landsleuten spricht Sitki natürlich auch alle anderen Frankfurter an. „In den Filmen sehen sie, welche Kunst die Türken haben, was sie essen, worüber sie lachen, worüber sie weinen, wie sie sich gegenüber ihren Eltern verhalten. Wir müssen die Plattform Film als Gelegenheit nutzen“, sagt Sitki.

Er findet es schade, dass er trotz finanzieller Unterstützung der Stadt Frankfurt kein Büro hat, wo er in Ruhe arbeiten oder seine Gäste aus der Türkei begrüßen kann. So stapeln sich in seiner Wohnung Papiere, Ordner, DVDs und sonstiges Material. Neben der finanziellen Unterstützung der Stadt Frankfurt, dem türkischen Kulturministerium und dem Land Hessen, sind es vor allem türkische Sponsoren, die das Budget des Festivals stemmen. „In Zeiten der Spannungen zwischen deutscher und türkischer Politik ist es wichtig, eine Möglichkeit der Verständigung jenseits der Tagespolitik zu haben“, sagt Ralph Förg, Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt.

In diesem Jahr werden 35 Filme gezeigt. Der Eröffnungsfilm „Kapi“ („Tür“) von Regisseur Nihat Durak handelt von einer syrischen Familie, die nach 25 Jahren in Deutschland in ihre Heimat zurückkehrt. Der Film „Oray“ von Regisseur Mehmet Akif Büyükatalay, eine deutsch-türkische Produktion, hat bei der Berlinale einen Preis gewonnen und gewährt Einblicke in die türkisch-muslimische Community. Schwerpunktthema in diesem Jahr sind rechtsradikale Bewegungen im Film. „Dass eine Partei wie die AfD fast drittstärkste Kraft im Land ist macht vielen Leuten Angst“, sagt Sitki. Das betreffe nicht nur Migranten, sondern auch Deutsche. Auf dem Programm steht unter anderem die belgisch-französische Produktion „Das ist unser Land!“ über eine Krankenschwester aus Nordfrankreich, die für eine rechtspopulistische Partei kandidiert. Der deutsche Film „Wir sind jung. Wir sind stark“ handelt von dem fremdenfeindlichen Angriffen in Rostock-Lichtenhagen 1992.

Neben einem Konzert wird es auch wieder je eine Vorführung im Männer- und Frauengefängnis in Frankfurt-Preungesheim geben. Ein Projekt, das Sitki sehr am Herzen liegt.

Das Festival

Das 19. türkische Filmfestival läuft von Sonntag, 27. Oktober, bis Freitag, 1. November, in Frankfurt. Spielorte sind in diesem Jahr das Cinestar Metropolis am Eschenheimer Tor und das Filmforum Höchst, Emmerich-Josef-Straße 46A. Darüber hinaus wird es in Offenbach, Mühlheim, Rödermark und Michelstadt Filmvorführungen geben.

Die Ausstellung „Karikatur und Film“ gibt es in der Galerie im Cinestar Metropolis vom 26. Oktober bis 2. November. Am 31. Oktober erklingt im Saalbau Titus im Nordwest-Zentrum ein Konzert mit türkischer Filmmusik.

Alle weiteren Informationen zum Programm gibt es unter: www.turkfilmfestival.de

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