fff_RUEFFER_20200928_R17_29
+
Frankfurt am Main, 28.09.2020, Stadtteil Eschersheim. GRommetstrasse, Das Amt für Straßenbau und Erschließung stellt das DSK-Verfahren vor.

Frankfurt

Kosmetik für die Fahrbahn

Frankfurt erprobt Reparaturverfahren, bei dem der Asphalt nicht erhitzt wird.

Im Frankfurter Norden tut sich Neues auf den Straßen: Das Amt für Straßenbau und Erschließung lässt die Fahrbahnen mit einem neuen Verfahren reparieren. Es handelt sich um das DSK-Verfahren. DSK steht für „Dünne Asphaltdeckschicht im Kaltverfahren“. Das Besondere: Der Asphalt wird nicht erhitzt, sondern bei normaler Temperatur aufgetragen. „Der Vorteil besteht darin, dass die Straße schon nach 30 Minuten wieder befahren werden kann“, sagt Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung. Sie steht in der Klarastraße in Eschersheim. Eine Hälfte der Fahrbahn sieht frisch geteert aus. Aber: „Das ist nur die Vorbereitung.“

Dreimal fährt das große Fahrzeug der Firma Kutter Straßenbau aus Hanau über die sieben Straßen in Eschersheim. Beim ersten Mal werden die gröbsten Beulen und Löcher mit einer Masse aus Stein und Bitumen gefüllt. Dann bindet die Masse ab, chemisch. „Es ist wie beim Zement“, sagt einer der Arbeiter. Hinter der Maschine wird der „Kasten“ hergezogen, ein länglicher Rahmen von bis zu 4,10 Metern Breite, in dem sich Metallschnecken drehen und die Masse verteilen. Der Kasten sitzt dicht über der Straße auf und hinterlässt beim langsamen Weiterrollen ein fast ebenes Band aus schwarzem, nassem Material. Es erinnert an Schlamm mit vielen kleinen Steinchen und Splitt. Arbeiter eilen hinterher, verteilen die Masse weiter.

Im zweiten und dritten Arbeitsschritt wird Asphalt aufgebracht, in Schichten, die jeweils nur fünf Millimeter hoch sind. „Wir haben am Ende eine Straße, deren Niveau lediglich einen Zentimeter höher ist als bislang“, erläutert Rüdiger Auth, Leiter des Baubezirks Nord/Ost im Amt für Straßenbau. Die Bordsteine bleiben also so „hoch“ wie zuvor, wodurch bei Starkregen nicht mehr Wasser auf den Bürgersteigen steht als vorher. Gullydeckel und Ähnliches müssen nicht höher gesetzt werden. Hinzu kommt laut Auth: „Es wird nur etwa ein Viertel der Treibhausgase freigesetzt, verglichen mit einer herkömmlichen Heißasphaltbehandlung.“

Das Verfahren wurde in Frankfurt schon an einigen Stellen angewendet, sagt Michaela Kraft. Es wird derzeit an sieben Stellen erprobt, um danach wohl auf weiteren Straßen zur Anwendung zu kommen. Die sieben Anliegerstraßen sind: Allendorfer Straße, Ilkenhansstraße, Klarastraße, Körberstraße, Grommetstraße, Neumannstraße und Am Lindenbaum. Die Gesamtlänge beträgt rund 1200 Meter, die Fläche 6700 Quadratmeter.

„Die Kosten sind mit 115 000 Euro etwas günstiger als bei Heißbauweise“, sagt Kraft. Das Kaltbauverfahren geht auch schneller. Allerdings gibt es bestimmte Voraussetzungen. „Der Untergrund muss in Ordnung sein“, so Kraft. „Das Verfahren kann nicht als Ersatz einer grundhaften Erneuerung angewendet werden.“ Vielmehr wirkt es quasi kosmetisch: Auf eine alte Straße – die auch alt bleibt – kommt eine dünne neue Schicht. Diese wäre rasch wieder abgetragen, wenn das Verfahren auf einer stark befahrenen Straße angewendet würde. Deswegen eignet es sich nur für Anliegerstraßen. Bei der Ausbringung gibt es Grenzen: Nur bis zu einer Temperatur von zehn Grad ist sie möglich, und es sollte auch nicht stark regnen. Aber solche Grenzen gibt es auch beim Verfahren mit Heißasphalt.

Holger Mix, Gebietsleiter bei Kutter, versichert, dass die neue Decke auch hinsichtlich der Geräuschentwicklung Vorteile habe: Das Abrollgeräusch der Reifen sei etwas dunkler, tiefer und sogar leiser als bei herkömmlichem Asphalt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare