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Koreastudien an Frankfurter Goethe-Uni: „K-Pop spielt eine große Rolle“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Am 14. Mai findet das erste europäische K-Pop-Festival im Frankfurter Waldstadion statt. Als eine von sieben Bands tritt NCT Dreams auf.
Am 14. Mai findet das erste europäische K-Pop-Festival im Frankfurter Waldstadion statt. Als eine von sieben Bands tritt NCT Dreams auf. © KPOP.FLEX

Das Fach Koreastudien an der Frankfurter Goethe-Uni wird immer beliebter. Die wachsende Popularität von K-Dramen und K-Popbands in den vergangenen zehn Jahren sei ein Auslöser. Das sagt Professorin Yonson Ahn im Interview.

Immer mehr junge Menschen haben sich in den vergangenen Jahren für Koreastudien an der Frankfurter Goethe-Universität eingeschrieben. Wie das mit der Popularität der koreanischen Film- und Popmusikkultur zusammenhängt und inwiefern K-Pop auch im Studium eine Rolle spielt, erzählt Yonson Ahn im Interview. Sie ist hier die einzige Professorin des Faches.

Seit 2011 wird das Fach Koreastudien als Schwerpunktbereich des Instituts für Ostasiatische Philologien an der Goethe-Universität angeboten. Anfangs waren es 20 Studierende, mittlerweile sind es fast 400. Liegt das an dem weltweiten K-Pop-Phänomen, also an den gefeierten südkoreanischen Popbands wie BTS oder Twice sowie an den K-Dramaserien, Frau Ahn?

Ich frage immer die Erstsemester als Erstes, was ihre Motivation ist, Koreastudien zu studieren. Es ist nicht der einzige Grund, den sie nennen, aber K-Pop spielt schon eine große Rolle. Es gibt sehr viele Studierende, die erzählen, dass sie K-Pop-Bands, K-Dramen oder auch Korean Cinema sehr mögen. Diese K-Pop-Kultur ist für viele der Einstieg, dass sie sich dann auch für Korea, seine Geschichte, die Gesellschaft, die Sprache interessieren.

Können Sie als Koreanerin diese globale Faszination für K-Pop nachvollziehen?

Ja, denn K-Pop ist sehr vielfältig und bietet viel an: Es gibt zu den Liedern auch immer eine passende Choreographie und Bühnenshow. Viele junge Leute tanzen diese in K-Pop-Tanzgruppen nach. Aber auch die Musik selbst ist sehr breit gefächert: Es gibt nicht nur die typischen Popsongs, sondern auch Lieder mit Einflüssen wie aus R’n’B, Rap, Hip-Hop oder Rockmusik. K-Pop spricht also viele Geschmäcker an. In Asien, Europa, USA, Südamerika, sogar in Afrika gibt es mittlerweile K-Pop-Fanclubs. K-Pop ist in den vergangenen zehn Jahren zu einem weltweiten Phänomen geworden.

Über 90 Prozent der Studierenden sind Frauen. Warum ist das so?

Das ist wie bei den K-Pop-Fans. Da gibt es auch viel mehr weibliche Fans. Ob das miteinander zusammenhängt, ist aber schwer zu sagen. Es war aber von Anfang an so, dass es bei den Koreastudien mehr Frauen gab.

Brechen viele Erstsemester ab, weil sie merken, es geht nicht nur darum, die Texte der Boyband BTS zu interpretieren?

Nein, die meisten bleiben dabei. K-Pop ist zwar der Auslöser, aber dann wächst ihr Interesse auch während des Studiums, wo es eben auch um Koreas Geschichte, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder die verschiedenen Religionsgemeinschaften geht. Unser Fokus liegt mehr auf dem modernen Korea und seiner Gesellschaftskultur als an anderen deutschen Universitäten. Die Seminare, die wir anbieten, sind sehr vielfältig.

Zur Person

Prof. Dr. Yonson Ahn wurde 1963 in Seoul geboren. Sie ist seit Ende 2014 Leiterin der Koreastudien sowie stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien an der Frankfurter Goethe-Uni.

Im Sommer 2021 hat die Academy of Korean Studies in Südkorea für die nächsten fünf Jahre rund 700.000 Euro an Fördermitteln den Koreastudien zugesagt. Außer Frankfurt hat nur die Oxford University eine Förderzusage erhalten. Das Geld fließt in das Projekt „Cultivating Diversity: The global in Korea, Korea in the global“ und soll dazu beitragen, Nachwuchsförderung, Forschung und regionale Zusammenarbeit im Bereich Koreastudien voranzubringen.

KOREA IN FRANKFURT

Das Rhein-Main-Gebiet beheimatet die größte koreanische Business-Community Europas. Allein in Frankfurt leben 2484 koreanische Einwohner:innen. (Statistisches Jahrbuch Frankfurt 2021). Viele große koreanische Konzerne haben ihre Deutschland- und Europazentralen hierher verlegt. Es gibt koreanische Ärzt:innen, Anwält:innen sowie Restaurants, die ihnen ein Gefühl von Heimat geben. Darüber hinaus finden sich hier über 20 koreanische Religionsgemeinschaften.

Koreanisch essen: In Frankfurt gibt es authentisches koreanisches Essen wie gegrillter Octopus und Schweinefleisch mit Kimchí (scharf-säuerliches Gemüse mit Chinakohl und Rettich) und Reiskuchen im Restaurant Danji, Im Prüfling 63. Mit neuen Speisen ist das Bockenheimer Restaurant Misho, Adalbertstraße 13, ab 14. Februar zurück. Hier gibt es typisches Bibimbap (Reisgericht mit Gemüsesorten, Rindfleisch und Ei oder vegetarisch). Bei der Kette BBQ Chicken gibt es koreanisches Fried Chicken, Schillerstraße 4 und Saalburgstraße 31.

Süßspeisen wie in Seoul: Von Küchlein über das Eisdessert Bingsoo bis zum koreanischen Pfannkuchen Hotteok gibt es Süßspeisen im koreanischen Café Kyubang, Fahrgasse 23.

Den ersten K-Pop-Laden in Deutschland gab es in Frankfurt. Bei Daebak K-Pop Shop (Alt-Schwanheim 32) gibt es Fanartikel von K-Pop-Bands wie BTS oder Twice.

Koreanische Kosmetik wie Haar-und Pflegeprodukte gibt es im K-Beauty House im Skyline Plaza, Europa-Allee 6. rose

Inwiefern spielt das K-Pop-Phänomen überhaupt eine Rolle im Studium …

Regelmäßig haben wir Seminare über K-Pop und K-Cinema. Da geht es darum, dass die Studierenden K-Pop nicht nur als Unterhaltung sehen, sondern eben auch lernen, sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Neulich haben mehrere Studentinnen über das globale K-Pop-Phänomen ihre Bachelorarbeit geschrieben. Das Abschlussarbeitsthema davon war: „Die Darstellung der Frauen in K-Dramen“.

Wie realistisch ist die Darstellung von Frauen in K-Dramen?

Die Frauenrolle in K-Dramen hat sich sehr gewandelt. Früher wurden sie als typische Hausfrau dargestellt, aber mittlerweile sind die Charaktere vielfältiger geworden: Es gibt viele Working Mums, Working Woman: Das ist realistisch, denn auch die Frauen in Südkorea entsprechen nicht mehr dem konservativen Bild wie früher: Viele koreanische Frauen wollen heutzutage arbeiten, nicht heiraten, die Geburtenrate im September 2021 ist nur 0,82, das heißt fast die Hälfte der deutschen Geburtenrate. Auch die Scheidungsrate ist jetzt viel höher, und geschiedene Frauen kommen nun auch als Protagonistinnen in den Serien vor. Genauso wird LGBTQI* in den K-Dramen thematisiert.

Ist es eigentlich eine Voraussetzung, Koreanisch zu sprechen, um bei Ihnen zu studieren?

Nein, und es gibt auch keinen N. c. Aber was in den letzten Jahren auffallend war, ist, dass die Erstsemester eben durch K-Pop und K-Dramen schon Vorkenntnisse in der koreanischen Sprache haben. Vor zehn Jahren haben die meisten bei null angefangen, aber jetzt sind es 30 Prozent der Studierenden, die schon Kenntnisse haben: Sie können bereits das koreanische Alphabet namens Hangul, ein paar Sätze sprechen, und viele waren auch schon mal in Südkorea.

Prof. Dr. Yonson Ahn ist seit Ende 2014 Leiterin der Koreastudien sowie stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien an der Frankfurter Goethe-Uni.
Prof. Dr. Yonson Ahn ist seit Ende 2014 Leiterin der Koreastudien sowie stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien an der Frankfurter Goethe-Uni. © Goethe-Universität

Wie schwer ist es für Deutsche, Koreanisch zu lernen?

Das Schwierigste ist die Grammatik, denn die Sätze sind ganz anders aufgebaut als im Deutschen. Hingegen ist die Aussprache nicht so schwierig zu lernen, weil es im Koreanischen ähnlich wie im Deutschen phonetische Umlaute gibt. Die Aussprache der meisten Deutschen ist im Vergleich zu anderen Ausländern, die Koreanisch lernen, deshalb meist sehr gut.

Interessieren sich die Studierenden eigentlich auch für Nordkorea?

Ja, und es gibt auch in jedem Semester Seminare über Nordkorea. Bei einer Orientierungsveranstaltung vergangenes Jahr fragte eine Studierende: „Haben wir auch Partner-Unis in Nordkorea?“ Aktuell haben wir sechs Partner-Unis in Südkorea. Es gibt aber ein großes Interesse vonseiten der Studierenden, mehr über das eher unbekannte Leben in Nordkorea zu erfahren. Deshalb habe ich geschaut, ob es möglich wäre, auch einen Austausch mit einer Uni in Nordkorea aufzubauen. Aber gleichzeitig bin ich sehr vorsichtig. Wenn ich Studierende dort hinschicke, muss ihre Sicherheit gewährleistet sein. Denn es gab vor paar Jahren diesen bekannten Fall des US-Amerikaners Otto Warmbier, der zu Haft in einem Arbeitslager verurteilt wurde (Anm. der Red.: weil er ein Propagandabanner gestohlen hatte) und nach seiner Haft im Wachkoma zurückkehrte und starb.

Neben der Möglichkeit eines Auslandsstudiums vermitteln Sie auch Praktika während des Studiums. Was bietet sich da an?

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Es gibt sehr viele koreanische Firmen im Rhein-Main-Gebiet, wo Studierende ein Praktikum machen können. Oder sie entscheiden sich für das koreanische Filmfestival „Project K“ in Frankfurt, das 3000 bis 4000 Besucher:innen anlockt. Die Studierenden arbeiten das ganze Jahr daran, das Festival zu organisieren. Viele finden nach ihrem Studium auch einen Job bei koreanischen Firmen wie Korean Air oder Hyundai. Ihr Vorteil ist, dass sie nicht nur die Sprache können, sondern eben auch viel Wissen über die koreanische Gesellschaft und Kultur haben. Andere gehen nach ihrem Bachelor nach Südkorea, um dort weiterzustudieren, oder auch, um dort zu arbeiten.

In Frankfurt leben viele Südkoreaner:innen. Woran liegt das?

Frankfurt ist seit 2020 sogar die Stadt in Europa, in der die meisten Auslandskoreaner leben. Bislang war das London. Viele der ersten Generation sind als Gastarbeiter:in gekommen, etliche als Krankenschwestern in den 1960ern und 1970ern. Davon sind knapp 30 Prozent hiergeblieben. Und dann gibt es die sogenannten Newcomer, die später kamen, weil ihre Firma sie hierherschickte oder weil sie hier studierten und blieben. Auch in Oberursel leben viele Koreaner; das ist einmal nicht weit weg von den koreanischen Firmen, und viele der Kinder besuchen dort auch die „Frankfurt International School“. Unterricht in ihrer Muttersprache gibt es an der Koreanischen Schule immer samstags in Frankfurt. Und es gibt mehrere verschiedene koreanische Religionsgemeinschaften hier.

Sie sind die einzige Professorin für Koreastudien an der Goethe-Uni. Sie betreuen zudem neun Doktorandinnen und Doktoranden. Es gibt ansonsten zwei Wissenschaftlerinnen und zwei Lektorinnen, fast alle auf zeitlich befristeten Stellen. Gibt es Pläne, dass mehr Professor:innen eingestellt werden sollen?

Das hoffe ich sehr. Die Personalengpässe sind ein großes Problem. Es ist schwer, fast 400 Studierende allein zu schultern. Wir haben aber glücklicherweise sehr viele Möglichkeiten des Austauschs mit anderen Unis in Deutschland, USA und Südkorea. Das beinhaltet auch Online-Seminare und finanzierte Forschungsprojekte. Da es seit der Pandemie sehr schwer ist mit einem Auslandssemester in Südkorea, bin ich dabei, ein Netzwerk an Kooperationspartnern innerhalb Europas aufzubauen. Aktuell bin ich in Gesprächen mit Universitäten in Kopenhagen und der Ca’ Foscari University of Venice, und wir schauen, wie wir uns zukünftig digital und in Präsenz austauschen können.

Interview: Kathrin Rosendorff

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