1. Startseite
  2. Frankfurt

Korash Kabir: Der fliegende Pionier

Erstellt:

Von: Timur Tinç

Kommentare

Korash Kabir ist mehrfacher deutscher Meister in Calisthenics. Am 27. August findet die Deutsche Meisterschaft in Frankfurt statt.
Korash Kabir ist mehrfacher deutscher Meister in Calisthenics. Am 27. August findet die Deutsche Meisterschaft in Frankfurt statt. © christoph boeckheler*

Korash Kabir ist vierfacher deutscher Meister im Calisthenics. Bei den nationalenTitelkämpfen am Samstag in Frankfurt ist er Organisator und Juror.

Vollkommen mühelos zieht sich Korash Kabir an der Turnstange am Hafenpark mit beiden Armen hoch, schwingt die Beine darüber und setzt sich auf sie. Diese Bewegungen sind dem 24-Jährigen durch permanentes Wiederholen in Fleisch und Blut übergegangen. In Deutschland ist der Frankfurter eine Legende in Calisthenics. Calisthenics ist griechisch und bedeutet übersetzt schöne Kraft und steht für das Training mit dem eigenen Gewicht. Meistens an Stangen und Barren, wo die Athletinnen und Athleten Übungen aus dem Turnen und der Gymnastik kombinieren.

Auf Instagram folgen „Flying Korash“ 186 000 Menschen, wo er Videos und Bilder von seinen Wettkämpfen und Training hochlädt. An diesem Samstag findet die siebte deutsche Meisterschaft in Calisthenics statt – das erste Mal in Frankfurt in der Fabriksporthalle. Organisiert von Pionier Kabir und seinen Mitstreitern Thanh Nguyen und Dion Jamison, die ihre Community Flythenics nennen. Unterstützt vom Deutscher Calisthenics-und Streetlifting-Verband (DCSV). Kabir selbst wird als Juror fungieren.

„Es wäre cool, wenn ich in meiner Heimatstadt noch mal den Titel verteidigen würde, was ich auf jeden Fall könnte. Aber ich habe schon beim vierten Titel gemerkt, es reicht jetzt“, sagt Kabir. Er wolle nicht mehr auf diesem kompetitiven Level um Titel kämpfen. Dafür müsse man alles liegen lassen. „Mein ganzes Leben geht nur dafür flöten. Das ist es mir nicht mehr wert. Ich habe meine Reichweite. Ich verdiene mein Geld“, sagt Kabir, der einige Werbeverträge hat und Personal Trainer ist. Er möchte andere Menschen bewegen, fit zu sein und täglich etwas für die eigene Gesundheit zu machen.

Kabir hat im Alter von zwölf Jahren mit Calisthenics begonnen, als er in ein Jugendheim gezogen ist. Sein Vater und er sind nicht miteinander zurechtgekommen. „Ich brauchte ein Ventil. Im Hof gab es ein paar Stangen und ich war so gut darin, weil ich nur noch das gemacht habe“, erzählt er. Bereits ein Jahr später nahm er an der Weltmeisterschaft teil. Ein Jahr später wurde er mit 14 Vizemeister bei der ersten deutschen Meisterschaft. 2015 bis 2019 gewann er die nationalen Titel. Dann kam Corona. Dem Sport hat das aber keinen Abbruch getan, im Gegenteil. „Es ist viel mehr geworden“, sagt Kabir.

Man sei unabhängig von Orten und Geräten. Alles, was man brauche, sei der Boden und die Gravitation, und wenn es gehe, ein paar Turnstangen. Das Bodyweight-Training, also das Training mit dem eigenen Körpergewicht, sei explodiert. Mit seiner Flythenics-Community hat Kabir eine App entwickelt, in der es unter anderem Trainingsvideos gibt sowie alle Orte und Parks eingetragen sind, wo man Calisthenics machen kann.

calisthenics

Calisthenics kommt aus dem griechischen und bedeutet schöne Kraft. Es steht für ein Training mit dem eigenen Körpergewicht.

Korash Kabir ist auf Instagram unter @flyingkorash zu finden. Die App seiner Community „Flythenics“ gibt es kostenlos in den App-Stores. Mehr Informationen zu Calisthenics und den Deutschen Meisterschaften gibt es unter: www.dcs-verband.de. tim

Der ideale Trainingsort in Frankfurt ist aus Sicht von Kabir der Galluspark. Der Hafenpark als zentraler Ort in der Stadt bleibe aber weiter sein erster Anlaufpunkt, weil es für ihn um die Ecke ist. Ganz besonders freut sich Kabir auf den Rennbahnpark, wo eine ganz neue Calisthenicsanlage errichtet wird. „Da wird dann in Zukunft die Deutsche Meisterschaft und die WM stattfinden“, sagt der 24-Jährige voller Überzeugung. Es wäre das erste Mal überhaupt, dass eine Weltmeisterschaft in Deutschland stattfindet.

Kabirs beste WM-Platzierung war ein 13. Platz. Das Abschneiden war ihm zuletzt aber nicht mehr wichtig. „Ich mache das, um den Sport voranzutreiben mit meiner eigenen Art. Ich verbinde auch Tanz, Musik und Choreographie“, sagt Kabir.

Seit Januar hat er für sich die sogenannten Burpees entdeckt und schwört darauf. Es kombiniert Liegestütze, Kniebeuge und Strecksprung und es gibt Dutzende Varianten. „Mit einer Übung hat man den ganzen Körper getroffen. Das ist so effizient.“ Selbst sein muskelbepackter Körper ist dadurch noch einmal definierter geworden, findet Korash Kabir.

Für die nationalen Titelkämpfe am Samstag ist alles vorbereitet. Über 50 Teilnehmer:innen sind angemeldet und haben die Anmeldegebühr bezahlt. „Frankfurt ist das deutsche Calisthenics-Mekka“, sagt Kabir.

Vor drei Jahren wurden die ersten fünf Plätze von Frankfurtern belegt. „Deswegen war es klar, dass es hier stattfinden muss und von jetzt an nur noch hier.“ Alle Teilnehmenden haben zwei Minuten Zeit für ihre Performance. Die werden dann von drei Juroren bewertet. Einer bewertet die dynamischen Elemente, einer die statischen und einer die Kombination aus beiden. Kabir ist der Kombinationsjuror. Die besten zehn Teilnehmer:innen kommen ins Finale. Dann werden die Titel bei Frauen und Männern in fünf Kategorien vergeben.

Ob er einen Verein gründen will? Noch sei er mit seinen Mitstreitern nicht bereit, sich fest an so etwas zu binden. „Ich mag das Wettkampfleben und das Reisen schon mehr“, sagt Kabir. „Aber irgendwann wird das auch kommen.“

Auch interessant

Kommentare