+
Die Debatte um das Kopftuch ist im vollen Gange.

Kopftuch-Konferenz an der Goethe-Uni

Kopftuch-Debatte sollte differenzierter geführt werden - doch dazu muss sie auch geführt werden können

  • schließen

Über alle Aspekte des Kopftuchs darf und muss gesprochen werden. Ein Kommentar.

Man kann über Susanne Schröter viel sagen. Eines aber ist sie mit Sicherheit nicht: konfliktscheu. Der Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) dürfte von Anfang an klar gewesen sein, dass ihre Kopftuch-Konferenz schon allein aufgrund des zugespitzten Titels in bestimmten Kreisen Abwehrreflexe auslösen würde - von der Liste der Referentinnen ganz zu schweigen. Schröter ist in ihren Aussagen immer eine Frau klarer Worte gewesen. Lieber etwas zu kontrovers als etwas zu vorsichtig. Lieber offener Streit als stilles Brüten in der eigenen Filterblase.

Vor anderthalb Jahren sorgte die Einladung des Polizeigewerkschafters Rainer Wendt, der sich in deutschen Medien für keine noch so unbelegte These zum Thema Migrantenkriminalität zu schade ist, für Furore. Der Protest von Mitarbeitern und Studierenden erzwang sein Ausladung. Einen Präzedenzfall scheinen darin diejenigen zu sehen, die nun die Konferenz des FFGI zum Thema islamisches Kopftuch verhindern wollen. Doch diesmal liegen die Dinge anders.

Während Wendt alleine, ohne Einordnung oder Widerspruch auf dem Podium stehen sollte, werden bei der anstehenden Konferenz am 8. Mai konträre Ansichten zum Umgang mit dem Kopftuch zu Wort kommen. Necla Kelek und Alice Schwarzer - wie immer man ihre Aussagen zum Islam oder politischen Islam bewertet - wird auf derselben Bühne, die ihnen zur Verfügung gestellt wird, widersprochen werden. Es handelt sich also tatsächlich um einen Diskurs. 

Muslime als Ariel Ultra für Weißwaschung der deutschen Mehrheitsgesellschaft

Man kann den Frust der Studierenden, die nun „Schröter raus“ fordern, teilweise verstehen. Seit Jahren diskutieren Teile der deutschen Gesellschaft vorwiegend Probleme in muslimischen Zuwanderergemeinschaft: Antisemitismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit - als handele es sich um Phänomene, von denen man in Deutschland nie gehört hätte, bis „die Fremden“ kamen. Der Muslim als Ariel Ultra für gründliche Weißwaschung der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Ähnlich verhält es sich mit dem islamischen Kopftuch. Das Kopftuch kann vieles sein, politisches Statement, Modeaccessoire, Ausdruck eines kulturellen Selbstbewusstseins. Es kann auch ein Instrument zur Unterdrückung von Frauen sein. Über all diese Aspekte darf und muss gesprochen werden, und zwar nicht nur von denen, die sich dafür entschieden haben, eines zu tragen. Die Debatte, die manche beenden wollen, ist im vollen Gange. Es wäre wünschenswert, wenn sie künftig differenzierter geführt wird - doch dazu muss sie auch geführt werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare