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Zu schnell unterwegs? Zu dicht aufgefahren? Dann ging’s gestern auf den Waldparkplatz.

Verkehr

Kontrollstelle Waldparkplatz in Frankfurt

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Die Polizei zieht in großem Stil Autofahrer aus dem Verkehr, die als Temposünder oder Abstandsmuffel auffallen.

Wo sonst Auto fahrende Fußballfans über die hohe Parkgebühr schimpfen, hat die Polizei eine kleine Siedlung errichtet. Auf dem Waldparkplatz am Stadion sind Zelte für Pausen aufgebaut, ein Stromaggregat tuckert vor sich hin, ein Dutzend Mannschaftswagen steht fein säuberlich aufgereiht. Etwa 120 Beamte kontrollieren an diesem Mittwoch die Autobahnen im Süden und Westen Frankfurts auf Verstöße wie zu hohe Geschwindigkeit oder zu wenig Abstand.

Das Kommando hat Hauptkommissar Thomas Karger von der Direktion Verkehrssicherheit. „Abstandsverstöße sind Massendelikte“, sagt er. Daher sei die hohe Zahl der Beamten notwendig. Karger hat auch Zahlen parat. Im gesamten Gebiet der Autobahnpolizei Frankfurt ereigneten sich im vergangenen Jahr 3600 Unfälle. Darunter seien pro Tag zwei Unfälle mit Lastwagen, deren Fahrer keinen ausreichenden Abstand hielten.

Kontrollen dieser Art nimmt die Polizei in kleinerem Rahmen täglich vor, am Mittwoch allerdings wird sie vom Zoll und vom Bundesamt für Güterverkehr unterstützt. 20 Fahrzeuge hat die Polizei im Einsatz, neun davon nur, um Autofahrer auf den Waldparkplatz zu lotsen. Doch am Morgen ist zunächst nicht viel los. „Der Verkehr ist noch zu dicht“, erklärt Karger. Im Berufsverkehr haben die Autofahrer gar keine Chance, zu schnell zu fahren.

Bilanz

Bei den Kontrollen ging den Beamten auch ein Drogenkurier ins Netz, der ein Kilo Ecstasy und 100 Gramm Heroin im Auto dabei hatte.

Von den 124 kontrollierten Fahrern hielten 50 zu wenig Abstand und müssen mit Bußgeldern rechnen. Einem Fahrer droht wegen zu hoher Geschwindigkeit ein Fahrverbot. Drei Personen wurden wegen Drogenbesitzes festgenommen. Häufig wurden Autofahrer auch herausgewunken, weil sie mit dem Handy telefonierten.

An Sicherheitsleistungen für Verstöße an Lastwagen kassierten die Beamten 6000 Euro. ote

Andreas Rath und Carsten Kehr sind mit ihrem Kontrollfahrzeug auf der A66 unterwegs. Dort gibt es im Bereich der Autobahnpolizei Frankfurt, anders als auf der A3 und der A5, permanente Tempolimits, die leichter zu überprüfen sind. Ihr Fahrzeug ist mit Videotechnik und einer geeichten Geschwindigkeitsmessanlage ausgestattet. Mit ihnen an Bord ist immer auch Kommissar Zufall, wie Kehr erläutert: „Es kann sein dass 500 Meter vor uns jemand rast, und wir kriegen es nicht mit.“ Kollege Rath ergänzt mit leichtem Bedauern: „Die schönsten Verstöße sehen wir eigentlich immer nach Feierabend.“

Kurz vor der Ausfahrt Höchst werden sie von einem Kleintransporter überholt, der flott unterwegs ist. Erlaubt sind 100, das Display zeigt 136. „Davon müssen wir noch fünf Prozent Toleranz abziehen“, sagt Kehr. Der Fahrer wird hinausgewinkt und darauf vorbereitet, dass er demnächst 80 Euro bezahlen muss und dafür einen Punkt in Flensburg gutgeschrieben bekommt. Die beiden Polizisten sind kaum wieder auf der Autobahn, da zieht schon der Nächste an ihnen vorbei, der bald um 80 Euro ärmer sein wird.

Auf dem Waldparkplatz haben sich derweil die üblichen Verdächtigen eingefunden. Ein Porsche, ein SUV und ein Mercedes AMG. Der Fahrer des letztgenannten Fahrzeugs war viel zu schnell und mit zu wenig Abstand unterwegs. Jetzt hört er sich geduldig die Belehrung eines Beamten an. „Die Autofahrer waren bislang alle sehr einsichtig“, sagt Karger.

Auch einige Lastwagenfahrer wurden zur Kasse gebeten. Einer war nicht nur mit zu wenig Abstand unterwegs, sondern laut Fahrtenschreiber auch viel zu lange ohne Ruhepause – eine gefährliche Mischung. Ein Lkw musste wegen technischer Mängel gleich aus dem Verkehr gezogen werden. Auch ein Motorrad, das ohne Katalysator unterwegs war, darf zunächst nicht mehr auf die Straße.

Bis zum einsetzenden Feierabendverkehr trudeln weitere Verkehrssünder ein, die sich ausgiebigen Kontrollen unterziehen müssen, drei werden wegen Drogenbesitzes festgenommen. Heute Abend gehört der Waldparkplatz dann wieder Autofahrern, die freiwillig hierher kommen.

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