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Kontrollierte Events in der Frankfurter City

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Von: Timur Tinç

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Der SPD-Stadtverordnete Omar Shehata schlägt mehr Events in der Innenstadt vor, um auch junge Menschen zu erreichen.
Der SPD-Stadtverordnete Omar Shehata schlägt mehr Events in der Innenstadt vor, um auch junge Menschen zu erreichen. © christoph boeckheler*

Der SPD-Stadtverordnete Omar Shehata will benachteiligten Gruppen mehr Raum geben und erhofft sich dadurch auch mehr Sicherheit in der Stadt. Allerdings sieht er auch noch städtebaulichen Nachholbedarf - etwa an der Konstablerwache

Erst die Opernplatzkrawalle, die zu den Opernplatzprotesten wurden im Juli 2020. Vor wenigen Wochen gleich mehrere Angriffe auf Mitglieder der queeren Szene in Frankfurt. Omar Shehata treibt seit zwei Jahren die Frage um, wie man die Innenstadt sicherer machen, solche Angriffe verhindern und gleichzeitig neue Räume schaffen kann.

Die Eröffnungsparty des Museum Of Modern Electronic Music (Momem) hat Shehata in seiner Idee noch einmal bestärkt. „Wir brauchen mehr kontrollierte Veranstaltungen in der Innenstadt“, findet der SPD-Stadtverordnete. Und zwar für die verschiedensten Gruppen in der Stadt.

Das kann sich der 30-Jährige sehr gut in Verbindung mit dem Nachtbürgermeister vorstellen. Das Konzept einer Person, die sich um die Organisation des Nachtlebens kümmert, hat bereits die vergangene Koalition beschlossen. „Das können alternierende Menschen für verschiedene Klientel sein“, sagt Shehata. Die Leute auf dem Opernplatz oder dem Friedberger Markt würden anders angesprochen als Jugendliche auf der Zeil.

Foodtrucks, Essen- und Getränkestände sowie Musik an der Hauptwache freitagabends einzurichten, um die Feiernden aus dem Nordend in die Innenstadt zu locken, wie es der „Runde Tisch nächtliches Leben im Freien“ entwickelt habe, könne dabei nur ein Schritt sein. Es gebe viele, vor allem junge migrantisch gelesene Menschen, die in den Abendstunden etwas machen wollten, aber nicht das nötige Geld hätten oder in den Diskotheken abgewiesen würden, so Shehata.

Der ehemalige Sinkkasten, das heutige Zoom, zieht nach Fechenheim. So bleiben nur die teuren Clubs, wo man nicht einfach so mit Sneaker reinkommt und migrantisch gelesene Menschen oft auch abgewiesen werden. „Es gibt eine strukturelle Benachteiligung von armen Menschen“, sagt Shehata. Also holt man sich Getränke aus dem Supermarkt und trifft sich mit Freunden auf der Zeil. „Wir haben dann unsere Boxen genommen und mit den Handys verbunden und unsere eigene Party gemacht. Das war unser Ventil“, sagt Shehata.

Gefühl der Unsicherheit

Dass das nicht allen reicht, ist ihm klar. Durch den Alkoholkonsum entstünden Gruppendynamiken, und es komme zu Gewaltausbrüchen und Angriffen wie kürzlich auf die Dragqueens. Das sei aber kein migrantisches Problem, betont SPD-Mann Shehata, sondern ein Jugendphänomen. „Ich verurteilte diese Angriffe“, betont er. Er sieht auch die Polizei in der Verantwortung und fordert mehr Sensibilität. „Sie muss der Szene deutlich machen, dass sie die Attacken ernst nimmt.“

Wichtig sei es auch, städtebaulich die Innenstadt einladener zu machen. Die Umgestaltung der Hauptwache ist beschlossen, es wird aber noch einige Zeit dauern, bis dies umgesetzt ist. An der Konstablerwache müsse das „Podest perspektivisch weg“, findet Shehata. Bis auf den Markt gäbe es dort auch keine Veranstaltungen. Auch die verwinkelten Gassen dort lüden zu einem Gefühl der Unsicherheit ein. „Das ist architektonisch nicht einladend“, sagt Shehata. Dabei sei ab 18 Uhr sehr viel los.

Man müsse das Rad nicht neu erfinden, aber an die Menschen, die in der Stadt lebten, anpassen. Mit kontrollierten Events, wie vor einiger Zeit Sound of Frankfurt oder kürzlich die Eröffnung des Momem, hat die Stadt gezeigt, dass solche Veranstaltungen möglich sind.

„Das Erste, was ich gemacht habe, als ich in die SPD eingetreten bin, war mit Mike Josef eine Hip-Hop-Veranstaltung im Sinkkasten zu organisieren“, erzählt Shehata. Da war er 17 Jahre alt. Hip-Hop sei politisch, aber auch ein Ventil für viele Leute. „Man muss die Leute dort abholen, wo sie sind und wie sie sind. Auch mit der Sprache, die sie sprechen.“

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