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Auch Pilze sind auf dem Erzeugermarkt gefragt.
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Auch Pilze sind auf dem Erzeugermarkt gefragt.

Konstablermarkt

Einkaufen als Highlight

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Der Konstablermarkt erlebt trotz Corona einen regen Zulauf. Für viele ist der Einkauf ein kleines Highlight in diesesn Zeiten.

Auf dem Erzeugermarkt an der Konstablerwache ist am Samstag um die Mittagszeit einiges los. Zwar klaffen auf dem Platz große Lücken im Ensemble der Wochenmarktstände. Doch insbesondere vor den Wagen und Schirmen, wo Obst und Gemüse, Backwaren, Frischfleisch sowie Gebratenes verkauft werden, bilden sich lange Schlangen.

Dazwischen kniet Barbara Eick am Boden und stopft rote sowie gelbe Paprika, Fenchel und in weißes Papier gewickelte Grüne-Soße-Kräuter in ihren kleinen Rucksack. „Ehrlich gesagt, finde ich es voller als gedacht“, sagt die 45-Jährige, die mit ihrem Mann regelmäßig samstags auf dem Bauernmarkt einkauft. Sonst seien sie meist am Morgen unterwegs. Da gehe es ruhiger zu.

Heute hat das Paar den Marktbesuch mit einem Spaziergang aus Bockenheim verbunden, auch, um ein bisschen Ruhe vor ihren drei Kindern im Jugendalter zu haben, die freiwillig zu Hause geblieben seien, wie Hans Eick gesteht. „Frische Luft genießen“, sagt der 51-Jährige. „Mit dem Ziel Einkauf“, fügt seine Frau hinzu.

„Ein Stückchen Normalität, das noch stattfinden kann“, sei der Markt für sie. Gleichzeitig sei ihnen „wichtig, die Marktbuden zu unterstützen“. Neben Fleisch und dem „besten Handkäs‘ der Stadt“ wollen sie ihrem Nachwuchs „heiße Waffeln“ mitbringen und mit der U-Bahn zurückfahren.

Katja Dienst lässt gerade Apfelwein durch eine Zapfanlage in einen Kanister laufen. Mit ihrem Geschäft an diesem Tag sei sie „sehr zufrieden“. Das liege aber auch daran, dass nicht nur corona-, sondern auch saisonbedingt weniger Stände mit ähnlichen Produkten wie ihren vor Ort seien. Andere, die sonst vom Ausschank lebten, hätten es schwerer, sagt Dienst und zeigt auf den Weinstand gegenüber. Dort steht Birgit Heinstadt und unterhält sich mit einem Kollegen.

Zeit zum Schwätzen bleibt reichlich. Kaum jemand beachtet die aufgereihten Weinflaschen in ihrer Auslage. „Wir müssen für die Kundschaft da sein“, sagt Heinstadt, trotz Umsatzrückgangs „um 80 Prozent“. Hauptgrund: der fehlende Ausschank, der seit Ende Oktober, nach stark gestiegenen Corona-Zahlen, nicht mehr erlaubt sei. „Die Leute gehen gerne auf den Markt“, sagt Heinstadt, „ein kleines Highlight in diesen Zeiten.“

Julius (25) und Tobias (24), die ihre Mund-Nasen-Bedeckung unters Kinn gezogen haben, um ihre Bratwürste zu essen, während sie am Rande des Platzes entlanglaufen, erzählen, dass sie gerade eine Wohnung besichtigt und gleich den nächsten Termin hätten. „Ganz schön belebt“, finde er die Konstablerwache, „trotz angezogener Maßnahmen“, sagt Julius. Sein Kumpel meint, unter freiem Himmel habe er keine Ängste vor einem „hohen Ansteckungsrisiko“.

Ähnlich sieht das die Tiemanns aus dem Westend, die wie viele andere Besucher:innen in einer Ecke stehen und essen. Bratwurst mit Ketchup vertilgt der fünfjährige Emil, den dieses Angebot motiviert hat rauszugehen. Mutter Laura und Vater Sebastian teilen sich eine Currywurst. „Wir sind froh, dass es die Märkte noch gibt“, sagt der 44-Jährige. Erst am Vortag seien sie auf dem Wochenmarkt in der Schillerstraße gewesen, wo sie den ersten Teil ihrer Einkäufe erledigt hätten. „Gestern haben wir nicht alles gekauft, damit wir heute noch was zu tun haben“, erklärt Laura Tiemann. „So schaffen wir uns Highlights.“ Die Beschäftigungsmöglichkeiten seien ja allgemein begrenzt.

In der benachbarten Töngesgasse ist im Vergleich zur Konstablerwache wenig los. Während sich in der Kleinmarkthalle viele Kunden durch die Gänge schieben und Grüppchen davor stehen, essen und trinken, herrscht in der Parallelstraße kaum Betrieb. Auch nur wenige Autos sind zu sehen. Passanten laufen auf den Gehwegen meist eilig an den Läden vorbei. Bei vielen sind die Gitterrollläden der Schaufenster heruntergelassen. In einigen Fenstern hängen Zettel für die Kundschaft, etwa mit Hinweisen auf „Betriebsferien“ oder „Abholservice“.

Vor einem Schaufenster mit Bürsten in der Auslage sind Brigitte und Benjamin Scholl aus Oberursel stehen geblieben und haben eine Topfbürste gekauft. „Wir kommen gerade aus der Kleinmarkthalle“, sagt der 56-Jährige, wo sie „Buletten mit Kartoffelsalat“ gegessen und Obst, Gemüse und Käse gekauft hätten. „Es ist schon angenehm, dass es hier nicht so voll ist“, sagt seine Frau und blickt die Töngesgasse entlang. „Ich vermisse aber auch die Leute“, fügt die 59-Jährige hinzu.

Die Inhaberin des Bürstengeschäfts, Angelika Klein, steht noch in ihrer Eingangstür, vor ihr ein kleines Tischchen mit einer Flasche Desinfektionsmittel. 15 bis 20 Kund:innen hätten an diesem Tag bestellte Ware bei ihr abgeholt. „Den Umsatz mache ich sonst an einem halben Tag“, sagt sie seufzend. Durch Onlinehandel und Erspartes versuche sie, sich über Wasser zu halten, berichtet die 60-Jährige.

Vor ihrer Modeboutique gegenüber steht Dragana Papric mit genervtem Gesichtsausdruck. „Wie sollen Kunden Schuhe und Hosen auf der Straße anprobieren?“, fragt sie rhetorisch. Mit einer Mitarbeiterin nutze sie den geschlossenen Laden, um Inventur zu machen. Ein Zettel neben ihrem Eingang weist darauf hin, dass Gutscheine erworben werden könnten. Da sei heute noch niemand gewesen.

An den vielen Schaufenstern in der Töngesgasse flaniert eine Spaziergängerin aus dem Dornbusch vorbei. Die 66-Jährige freut sich, dass in der Innenstadt derzeit bedeutend weniger los ist als sonst. Dass die Läden geschlossen seien, störe sie nicht, versichert sie.

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