Gastronomie

Kompromiss für Außengastronomie

Wirte in der Neuen Altstadt erhalten Alarmsystem. Ein Gestaltungssatzung soll 2021 kommen.

Ein grauer Kasten in der Größe eines Schuhkartons ist das sichtbarste Zeichen für den Kompromiss zwischen Brandschutz und Außenbestuhlung in der neuen Altstadt. An ihm geht im Ernstfall ein orangefarbenes Licht an, ein Ton erklingt. Gesteuert wird er über Funk, direkt von der Feuerwehrzentrale. Geht dort ein Feueralarm für das Gebiet ein, wird per Knopfdruck bei allen Gastronomen in der neuen Altstadt der Alarm losgehen, ebenso wie in der zuständigen Feuerwache.

Während die Feuerwehr noch ihre Fahrzeuge anlässt, können die Wirte beginnen, Tische und Stühle abzuräumen. Die Hoffnung ist, dass die Altstadtstraßen bereits frei sind, wenn die Feuerwehr einige Minuten später eintrifft. „Für die neue Altstadt wurde eine eigenständige Brandschutzordnung verfasst, die unter anderem die Räumung der Außengastronomie beschreibt“, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Mohn. Für Gastronomen ist dies eine Möglichkeit, weiterhin Außengastronomie anbieten zu können. Ein Kompromiss, der auch Schattenseiten haben könnte, etwa bei Fehlalarmen.

Für Julian Ploch von der Kaffeerösterei Hoppenworth und Ploch am Hühnermarkt – 24 Plätze draußen – ist es spannend: „Wir sind deutschlandweit die erste Stadt, die den Brandschutz so sicherstellt. Es ist ein neues Konzept.“ Bei ihm im Laden ist das Gerät schon geliefert worden und wird in den kommenden Tagen installiert.

„Natürlich wäre es auch eine Belastung, wenn das einmal in der Woche erforderlich wäre“, sagt Ploch. Die Gäste werden ja nicht automatisch verständnisvoll reagieren, wenn ihnen der Teller vom Tisch gezogen wird. Die Alternative wäre jedoch, gar keine Außengastronomie anbieten zu können. Denn Brandschutz geht immer vor. Vor etwa einem Jahr waren mehrere Gastronomen aufgefordert worden, ihre Außengastronomie einzustellen. Dann hat man sich zusammengesetzt und gemeinsam überlegt.

Beim runden Tisch schließlich hat die Feuerwehr selbst den jetzt begangenen Weg vorgeschlagen. Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) gab sich zuversichtlich, einen Kompromiss zu finden.

Wahrscheinlich mit Beginn des kommenden Jahres tritt auch die „Gestaltungssatzung“ in Kraft, die die Modalitäten der Außenbewirtschaftung generell regelt. Bislang gehörten die Plätze und Straßen der neuen Altstadt der Dom-Römer-GmbH, sie waren nicht für den öffentlichen Raum gewidmet. Nur dort ist das Amt für Straßenbau und Erschließung für die Genehmigung von Sondernutzungen zuständig. Mit der neuen Richtlinie soll die neue Altstadt behandelt werden wie alle anderen Stadtteile – mit einigen Einschränkungen: „Aufgrund der stadthistorischen, städtebaulichen und touristischen Bedeutung der Frankfurter Altstadt muss hier ein strengeres Genehmigungsmaß für Sondernutzungen angesetzt werden als im übrigen Stadtgebiet“, heißt es im Magistratsbericht.

Der Satzungsentwurf sieht vor, dass die Gastronomen nur jeweils eine Sorte Tische und Stühle sowie eine Sorte von Schirmen verwenden sollen – das Möbel in Holz oder Metall, nicht in billigem Kunststoff, die Schirme in einer dezenten Farbe. Kurz: Die Außengastronomie soll wie auch die Werbeflächen der Geschäfte keinesfalls den Charakter von „Ramsch“ haben. Der Entwurf wird nun im Magistrat und den Gremien diskutiert.

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