Seit Dezember 2008 leitet Michael Quast die von ihm gegründete Fliegende Volksbühne.
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Seit Dezember 2008 leitet Michael Quast die von ihm gegründete Fliegende Volksbühne.

Kultur

Komödiant Michael Quast: „Absurdes Theater entspricht unserer Zeit“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Komödiant Michael Quast braucht Hilfe, um seine Volksbühne wieder eröffnen zu können.

Seit Dezember 2008 leitet Michael Quast die von ihm gegründete Fliegende Volksbühne.

Herr Quast, nach langer Verzögerung vorher konnten Sie die Volksbühne im Frankfurter Cantate-Saal im Januar 2020 endlich eröffnen. Bald darauf mussten Sie wegen der Corona-Pandemie schon wieder schließen.
Es ist eine absurde Situation. Wir konnten das Haus gerade einmal 49 Tage bespielen, dann war es wieder zu. Das ist frustrierend.

Wie geht es Ihnen und dem Theaterteam wirtschaftlich?
Nun, ich habe Glück, ich bin angestellt als künstlerischer Leiter, und ich sage mir: Es muss weitergehen. Viele Gastspiele, Lesungen, Moderationen, für die ich engagiert war, sind natürlich ausgefallen. Aber wir arbeiten mit vielen selbstständigen Künstlern und Musikern, die es jetzt wirklich schwer haben. Die sind auf Hilfsprogramme angewiesen.

Können Sie Ihr Team halten?
Wir haben nur einen kleinen Apparat von Festangestellten, die sind in Kurzarbeit.

Wann können Sie überhaupt wieder öffnen?
Das hängt von der Unterstützung ab, die ich bekomme. Unter den Auflagen der Corona-Pandemie dürfte ich nur maximal 80 Menschen als Publikum im Cantate-Saal zulassen statt bisher 370. Damit würde ich so wenig an Einnahmen erzielen, dass ich nicht spielen kann. Wir haben deshalb Anträge auf Fördermittel beim Bund und beim Land gestellt. Wenn diese Anträge bewilligt werden, können wir wieder öffnen. Aber es braucht natürlich Vorkehrungen im Theater bis hin zu Spendern für Desinfektionsmittel. Die Stadt hilft uns mit einem Vorschuss auf unsere Förderung, die wir Ende des Jahres bekommen würden. Damit kommen wir über die Runden. Und wenn wir tatsächlich Unterstützung vom Bund und vom Land bekämen, könnten wir Ende Juni oder Anfang Juli wieder ein kleines Angebot machen.

Ist Volkstheater unter Corona-Bedingungen denkbar?
Unser Theater, das wir bisher gespielt haben, lebt vom unmittelbaren Austausch mit dem Publikum, lebt von Nähe zu den Leuten und der Leute untereinander. Es muss ein Funke überspringen. Das wird es erst mal nicht mehr geben. Dieser Austausch ist nicht mehr möglich. Volkstheater heißt: gemeinsamer Spaß. Das ist jetzt schwierig. Wir werden herausfinden müssen, was es mit uns allen macht, wenn da die Leute mit Masken ins Theater kommen.

Mit welchen Stücken und Stoffen wollen Sie in dieser Situation reagieren?
Ich habe schon Ideen. Friedrich Stoltze, der Frankfurter Nationaldichter, hat in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts eine satirische Weltuntergangszeitung herausgegeben. Viele Leute glaubten damals, dass ein Komet auf die Erde stürzen würde. Und Stoltze hat mit diesem Ende der Welt gespielt. Das ist wunderbare Satire. Das scheint mir ein passender Stoff. Dann gibt es natürlich die Formate des absurden Theaters, es gibt Beckett und Ionesco. Das würde unsere Realität widerspiegeln, das entspricht unserer Zeit.

Glauben Sie, dass die Menschen kommen werden unter den geltenden Corona-Einschränkungen?
Ja. Die Menschen sind dankbar für ein Angebot. Und wir wollen spielen. Das ist unser Auftrag. Wir sind Spezialisten im Improvisieren, und zwar unter allen möglichen Bedingungen.

Wie denken Sie persönlich über diese Corona-Zeit?
Ich glaube, wir werden erst später im Rückblick erkennen und bewerten können, welches Ausmaß und welche Bedeutung diese Zeit für uns alle hat. Es ist krass. Diese Pandemie besitzt ein geradezu biblisches Ausmaß. Sie ist wie die sieben Plagen, die über uns herfallen. Vor dem Virus sind wir alle gleich.

Wie reagieren Sie?
Ich versuche, mich nicht unterkriegen zu lassen. Ich versuche, Humor und Empathie zu behalten. Theater zu machen heißt, etwas für die Menschen zu tun. Wir wollen uns dem Publikum zuwenden.

Wird die Pandemie später ein Stoff für das Theater werden? 
Möglicherweise. Das Theater wandelt und erneuert sich ständig. Ich weiß allerdings derzeit noch nicht, wo bei der Pandemie der Stoff für die Komödie entstehen könnte. Und wir sind Komödianten und bleiben es. Ich will mit dem, was ich tue, ein befreiendes Lachen auslösen.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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