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Auf dem nördlichen Mainkai in Frankfurt dürfen wieder Autos fahren. Foto: Christoph Boeckheler
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Auf dem nördlichen Mainkai in Frankfurt dürfen wieder Autos fahren.

Wahlprüfstein: Verkehr

Kommunalwahl Frankfurt: Flächen für Autos oder für Fahrräder?

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Was sollen Monatstickets kosten, wie gerecht ist der Straßenraum aufgeteilt? Während die Parteien bei manchen Themen einig sind, sorgt vor allem ein Thema für Konflikte.

  • Kommunalwahl in Hessen: Neben dem Dauerbrenner Wohnen spielt die Mobilität eine große Rolle im Wahlkampf.
  • Das Thema Flächengerechtigkeit sorgt für Konflikte im Wahlkampf.
  • Kommunalwahl-News: Alle Informationen und Neuigkeiten zur Wahl in Hessen auf unserer Themenseite.

Frankfurt – Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Jede und jeder, ob jung oder alt, möchte tagtäglich von einem Ort zum anderen. Das erste Stück und letzte Stück des Wegs gehen wir alle meist zu Fuß, sei es zum Fahrradabstellplatz, zum Bahnsteig oder zum Parkplatz, um dann weiter per pedes, mit dem Rad, Auto, E-Scooter oder Roller unterwegs zu sein.

Die Frankfurterinnen und Frankfurter gehen nicht nur einmal am Tag ihrer Wege, zur Schule, zur Uni, zur Arbeit, sie wollen nachmittags wieder nach Hause und abends vielleicht noch mal raus vor die Tür.

Kommunalwahl in Frankfurt: Menschen legen 3,4 Wege pro Tag zurück

3,4 Wege legen die Menschen in Frankfurt pro Tag zurück, wie eine aktuelle Studie zur Mobilität in Städten der TU Dresden zeigt. Die Menschen nutzen nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern jeweils solche, die zur Situation am besten passen, und manchmal kombinieren sie die Verkehrsmittel auch. Multimodalität und Intermodalität heißen die Schlagwörter.

Die Infrastruktur, auf der sich die Menschen bewegen, ist über Jahrzehnte gewachsen. Mit dem Beginn des Wirtschaftswunders wurden die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Städte an den neuen Gewohnheiten ausgerichtet. Wer es sich leisten konnte, und das wurden immer mehr Menschen, kaufte sich ein eigenes Auto und fuhr stolz damit herum.

Kommunalwahl in Frankfurt: Autogerechte Stadt ist out

Um den Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden, wurden die Straßen breiter. Das Schlagwort von der autogerechten Stadt kam schon 1959 im Titel eines Buches des Architekten Hans Bernhard Reichow auf, was durchaus positiv gemeint war. Die Gegenperspektive auf den entstehenden asphaltierten und kontrastlosen Lebensraum schilderte der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich 1965 in seiner Streitschrift „Die Unwirtlichkeit der Städte“.

Straßen und Gebäude haben es an sich, dass sie, wenn sie gebaut sind, die nächsten 50 Jahre oder länger so immobil bleiben, wie sie sind, bis auf Ausbesserungen. Erst dann, wenn ihre Lebenszeit vorbei ist, bietet sich die Chance, die gewachsenen Strukturen zu verändern und den aktuellen Mobilitätsbedürfnissen anzupassen.

Kommunalwahl in Frankfurt: Mobilitätsbedürfnisse haben sich geändert

Die Mobilitätsbedürfnisse haben sich über die Jahrzehnte allerdings gewandelt. Noch vor knapp 20 Jahren fuhren nur acht Prozent der Frankfurterinnen und Frankfurter mit dem Rad. Nun sind es 20 Prozent. Im Frankfurter Binnenverkehr, also ohne die Wege ins Umland, beträgt der Anteil des Radverkehrs sogar 23 Prozent. Die Nutzung des Automobils ging in diesem Zeitraum ebenfalls zurück, von 39 auf 33 Prozent. Die Wege mit der Bahn oder zu Fuß machen ein Fünftel bis ein Viertel aller Wege aus.

Mehr zur Kommunalwahl in Frankfurt

Bildung: Die Frankfurter Parteien haben sehr unterschiedliche Vorschläge, wie die Stadt eine Mobilitätswende umsetzen kann. Ein Überblick über die Programme zur Kommunalwahl.

Wahlprüfsteine: Die Welche Rolle spielen Wohnen, Mobilität, Bildung, Wirtschaft, Kultur und Umwelt in der Kommunalwahl in Frankfurt? Die FR analysiert die Positionen der Parteien in Frankfurt - und bringt dazu auch Video-Gespräche mit dem Römer-Team der FR. Gebündelt im Dossier Wahlprüfsteine.

Die Frankfurterinnen und Frankfurter haben sich längst entschieden, mehr Rad und weniger Auto zu fahren. Doch die Infrastruktur, das Straßennetz, bleibt weiterhin stark aufs Auto zentriert. Radwege entstehen, auf der Friedberger Landstraße, auf der Hochstraße, aber nur Schritt für Schritt. Im Durchschnitt sind immer noch etwa 60 Prozent des Straßenraums dem Autoverkehr vorbehalten, um zu fahren oder das Auto abzustellen.

Gegen diese Flächenungerechtigkeit, die dem Auto mehr Platz als den anderen Verkehrsträgern einräumt, regt sich seit geraumer Zeit Protest. 2018 sammelte der Radentscheid Frankfurt die Unterschriften von 40 000 Frankfurterinnen und Frankfurtern für mehr und bessere Radwege.

Kommunalwahl in Frankfurt: Mobilität ist ein Top-Wahlkampfthema

2021 will der Volksentscheid Verkehrswende in Hessen für eine umweltschonende, sozialverträgliche Mobilität unterschreiben lassen. Die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs soll gebrochen werden, so das Credo.

Mobilität liegt im Zeitgeist und ist zum zweitwichtigsten Wahlkampfthema geworden, neben dem Dauerbrenner Wohnen. Im Verkehrsausschuss, in den Ortsbeiräten wird stundenlang über Mobilität diskutiert. Es gilt, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen. Pro Haushalt gibt es in Frankfurt 0,9 Autos und 1,8 Fahrräder. Jede:r Radfahrende und Autofahrende nimmt die Welt mal aus der einen, mal aus der anderen Perspektive wahr.

Kommunalwahl in Frankfurt: Ausbau des ÖPNV ist nötig

Im Nahverkehr sind sich die Parteien einig: Ein Ausbau ist notwendig. Streitpunkt ist die Finanzierung – während sich Grüne und SPD für ein 365-Euro-Ticket einsetzen und die Linke sogar den Nulltarif will, sind CDU und FDP dafür, dass die Fahrgäste den Nahverkehr über Tickets finanzieren sollen.

Der größte Konfliktstoff, der künftige Koalitionsverhandlungen schwierig machen wird, ist die Flächengerechtigkeit. Grüne, SPD und Linke wollen dem Blech Flächen wegnehmen und den Menschen zurückgeben. CDU und FDP sind dagegen, ganze Straßen zu sperren, und wehren sich auf Ortsbeiratsebene vehement gegen den Wegfall von Parkplätzen.

Kommunalwahl in Frankfurt: Mainkai-Sperrung wurde nicht verlängert

Der Streit führte in der Koalition aus CDU, SPD, Grünen im Römer mit Blick auf die Mobilitätswende immer wieder zu Verzögerungen und Patts. So hat die Friedberger Landstraße immer noch keinen durchgängigen Radweg zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz, und auch die Sperrung des Mainkais wurde nicht verlängert. Die CDU hatte die Zustimmung verweigert. (Florian Leclerc)

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