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Zu sehen ist das Kulturdenkmal Wolkenfoyer. Das Wolkenfoyer soll Teil der neuen Bühnen werden. So viel steht zumindest fest.
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Das Kulturdenkmal Wolkenfoyer soll Teil der neuen Bühnen werden. So viel steht zumindest fest.

Wahlprüfstein: Kultur

Kommunalwahl Frankfurt: Kulturcampus und städtische Bühnen im Blick

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Seit einem Jahr liegen Kulturangebote in Frankfurt weitgehend brach. Die neue Stadtregierung stellt in der Kulturpolitik die Weichen für die nächsten 50 Jahre.

  • Kommunalwahl in Hessen: In der Kulturpolitik muss die neue Stadtregierung in Frankfurt über die Städtischen Bühnen, den Kulturcampus und das Kinder- und Jugendtheater entscheiden.
  • Ohne Investitionen in die Kultur wandern Kunstschaffende ab.
  • Kommunalwahl-News: Alle Informationen und Neuigkeiten zur Wahl in Hessen auf unserer Themenseite.

Frankfurt – Frankfurt hat eine reiche Kulturlandschaft, von den Museen über die Architektur, die Filmstätten, Theater, Oper, Literaturangebote und Musik. Das Städel Museum und die Oper Frankfurt, fünf Mal Opernhaus des Jahres, sind international renommiert. Schauspiel, Schirn, Städelschule, Dresden Frankfurt Dance Company und Ensemble Modern strahlen weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Frankfurts reiche Kulturszene lockte im Jahr vor der Pandemie mehr als sechs Millionen Touristinnen und Touristen an, die in der Stadt übernachteten und riesige sozio-ökonomische Effekte hatten. Bars, Restaurants, Taxibetriebe, Hotels, der Flughafen – sie profitierten vom Tourismus und leiden, weil die Gäste ausbleiben.

Kommunalwahl Frankfurt: Innovation während der Pandemie versäumt

Die Kulturszene, von der Pandemie überrascht, reagiert träge auf die Anforderungen der Zeit. Weil keine Aufzeichnungen vorliegen, können Oper und Schauspiel nicht frühere Inszenierungen streamen; weil sie technisch überfordert sind, übertragen sie keine aktuellen Inszenierungen ins Netz. Bis auf wenige Formate, darunter Online-Diskussionen, liegt das Kulturangebot auch ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie weitgehend brach.

Videogespräch zur Kulturpolitik

Es ist auch ein Versäumnis der Stadtregierung, nicht für technische Innovation gesorgt zu haben. Dabei ist der Frankfurter Kulturetat fett. 210 Millionen Euro sind in diesem Jahr für die Kultur vorgesehen, dafür knapp die Hälfte für Oper und Schauspiel. Darüber hinaus gibt es noch 15 Millionen Euro im Jahr, um die Bühnen und die Museen in Schuss zu halten.

Welche Rolle spielen Wohnen, Mobilität, Bildung, Wirtschaft, Kultur und Umwelt in der Kommunalwahl in Frankfurt? Georg Leppert, Leiter des Römer-Teams der Frankfurter Rundschau, spricht über diese Themen mit den Expert:innen der FR. Aufzeichnungen dieser Gespräche werden mit den Wahlprüfsteinen im Internet veröffentlicht unter www.fr.de/wahlpruefsteine.

Der hohe Sanierungsetat hat auch sein Ungutes. Seit Jahren scheut die Stadtregierung, sich auf Ort und Konzept für den Neubau der Bühnen festzulegen. Es wird diskutiert, aber gebaut wird nichts. Der Beschluss zum Neubau der Bühnen unter Erhalt des denkmalgeschützten Wolkenfoyers sollte die erste kulturpolitische Entscheidung der neuen Stadtregierung sein.

Die zweite Entscheidung gilt dem Kulturcampus. Ohne eine städtische Finanzierung kein Zentrum der Künste, kein Umzug von Frankfurt Lab, Ensemble Modern, Dresden Frankfurt Dance Company auf den Kulturcampus. Die Einigung mit dem Land auf den Architektenwettbewerb ist dringend erforderlich, damit auf dem Kulturcampus möglichst viel Kultur entsteht.

Kommunalwahl Frankfurt: Einigung bei Bühnen und Kulturcampus nötig

Die dritte Entscheidung ist die Festlegung auf den Einbau des Kinder- und Jugendtheaters in das Zoo-Gesellschaftshaus. Der Bedarf ist da, der Standort neben dem Zoo ideal. Nirgends kommen mehr Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern hin als zum Zoo, weit mehr auch als zum Willy-Brandt-Platz.

Die freie Szene hat fünf Millionen Euro mehr Fördermittel bekommen. Das und der freie Eintritt für Kinder- und Jugendliche sind die Erfolge, die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) vorzuweisen hat. Im Vergleich zum riesigen Etat von Oper und Schauspiel sind das natürlich Peanuts. Um die freie Szene zu stärken, sollte die Stadt bessere Arbeitsverhältnisse durchsetzen und eine Spielstätte für die freie Szene ausbauen – die denkmalgeschützte Naxoshalle gegenüber vom Mousonturm bietet sich an.

Kommunalwahl Frankfurt: Warum die Stadt in Kultur investieren sollte

Warum sollte die Stadt, die wegen Gewerbesteuerausfällen unter Sparzwang steht, trotzdem weiter stark in die Kultur investieren? Die Frage lässt sich im Umkehrschluss beantworten. Ohne eine reiche Kultur wird Frankfurt für Touristinnen und Touristen weniger attraktiv. Auch Köln, Hamburg, München und Berlin locken die Gäste mit einem guten Kulturangebot. Ohne eine starke Kultur werden es sich die Menschen zweimal überlegen, ob sie in Frankfurt leben wollen. Unternehmerinnen und Unternehmer werden sich fragen, ob sie den Standort für ihre Mitarbeitenden halten.

Ohne günstige Ateliers, gerechte Arbeitsbedingungen, attraktive Spielstätten wandern die Kunstschaffenden, die an der HfMdK, dem Dr. Hoch’schen Konservatorium oder der Städelschule ausgebildet wurden, ab. Die Stadt sollte sich eine starke Kultur leisten. Was sie sich nicht leisten kann, ist eine verzagte Stadtregierung, die kulturpolitische Entscheidungen aufschiebt. (Florian Leclerc)

Was die Parteien in der Kulturpolitik fordern, finden Sie hier.

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