Interview

Kommunalwahl in Frankfurt: Jutta Ditfurth und Ökolinx - Mit Fraktionsstärke in den Römer

Jutta Ditfurth ist Spitzenkandidatin von Oekolinx

Vor der Kommunalwahl in Frankfurt spricht Jutta Ditfurth im Interview über ihre Liste Ökolinx-ARL, den Wahlkampf und radikale Opposition im Römer.

Frankfurt – Mit einem klaren Ziel geht Ökolinx-Antirassistische Liste in den Wahlkampf. 2016 reichte es nur für 2,1 Prozent und zwei Sitze. Diesmal sollen es mindestens drei Sitze werden, damit die Liste im Frankfurter Römer eine Fraktion bilden kann.

Als Spitzenkandidatin tritt wieder die Autorin und Soziologin Jutta Ditfurth an, die einst die Grünen mitbegründete. Auf Platz 2 und 3 folgen Manfred Zieran und Hanna Große Vorholt.

Frau Ditfurth, wir erleben wegen der Pandemie einen ungewöhnlichen Kommunalwahlkampf. Wie läuft er für Ökolinx-ARL?

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Gut. Einige Ideen scheitern zwar am Geld, weil uns ulkigerweise weder das Kapital noch der Staat oder eine Stiftung finanziert. Die rund 22 000 Euro für den Wahlkampf zahlen wir aus eigener Tasche. Wir machen alles selbst, bis aufs Drucken. Das ist anstrengend, aber oft sehr lustig.

Kommunalwahl 2021: Jutta Ditfurth ist erneut Spitzenkandidatin für Ökolinx

Gibt es schon Reaktionen?

Wir segeln auf einer Welle von Sympathie. Das ist sehr schön. Selbst in der Rathausverwaltung scherzen einige, wie das wohl werden wird, wenn wir bald in Fraktionsstärke auftreten.

Ökolinx will das erste Mal eine eigene Fraktion mit mindestens drei Stadtverordneten im Römer stellen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Ohne Fraktion bekommen wir null Euro für die Arbeit im Römer und in den Ortsbeiräten. Als Fraktion hätten wir mehr Redezeit, Mittel für Mitarbeiter:innen und Projekte, und wir wären Mitglieder der Fachausschüsse des Parlaments. Das alles gibt’s jetzt nicht.

Name:Jutta Ditfurth
Geboren:29. September 1951
Partei:Ökolinx-Antirarassistische Liste
Beruf: Autorin

Die Grünen unter Druck setzen: Ditfurth peilt Fraktionsstärke an

Hoffen Sie auch auf enttäuschte Grüne, die etwa mit der Räumung des Dannenröder Forsts nicht einverstanden sind?

Klar! Die Grünen enttäuschen ihre Anhänger:innen ja regelmäßig mit falschen Versprechungen. Stichworte Flughafenerweiterung, Dannenröder Forst, NSU-Untersuchungsausschuss, Abschiebungen. Sie regieren im Römer seit 20 Jahren mit der CDU! Jetzt machen sie vielen Menschen falsche Hoffnungen bezüglich der „Grünen Lunge“. Wer die Grünen unter Druck setzen will, wählt besser Ökolinx.

Was bedeutet das für Ökolinx, wenn Sie eine Fraktion sind?

Wir hätten etwa 120 000 Euro im Jahr für unsere Arbeit. Wir könnten Projekte gemeinsam mit außerparlamentarischen Gruppen und Fachleuten organisieren. Warum geht es so quälend langsam voran für ein menschengerechtes Klima in der Stadt? Es gibt so kluge Menschen in Frankfurt, die von Rassismus betroffen sind und sich wissenschaftlich und politisch damit auseinandersetzen. Diese Debatte muss in den Römer! Warum ist es nicht Pflicht für alle Schulklassen, wenigstens einmal eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen? Was tun wir gegen die Armut, die durch die Pandemie noch schlimmer werden wird?

Jutta Ditfurth und Ökolinx bei der Kommunalwahl 2021: „Wir sind Opposition“

Bisher setzt Ökolinx auf radikale Opposition. Wären Sie bereit, sich als Fraktion auf eine Regierungsbeteiligung einzulassen?

Gute Anträge scheitern nie an unserer Stimme, aber wir wollen keine Regierungssessel. Wir sind Opposition, die frei sagt, was für Probleme es gibt. Wir verschleißen unsere Konzepte nicht in Kungelrunden mit CDU oder SPD, sondern diskutieren sie mit der interessierten Öffentlichkeit und machen so Druck.

Was bedeutet das konkret?

Zwei Beispiele: Wir sind die Einzigen, die im Römer die ökologische Frage nicht getrennt von der sozialen Frage diskutieren. Naturzerstörung und Ausbeutung des Menschen haben im Kapitalismus dieselbe Wurzel. Beim Thema Klimakatastrophe geht es im Römer um die Fortschreibung fossiler Energien. Die wollen statt Kohle Gas, aber kaum erneuerbare Energien. Und es geht im Römer nie um die ökologischen und gesundheitlichen Arbeitsbedingungen der lohnarbeitenden Menschen.

Was sind Ihre zentralen inhaltlichen Punkte für diese Wahl?

Die lassen sich gut in unserem Manifest nachlesen. Beispiele: Beim Streit um die Städtischen Bühnen kommen jetzt wieder Kapitalhörigkeit und Geschichtsrevisionismus in der Stadtplanung an die Oberfläche. Wir kämpfen gegen den Abriss und für eine Sanierung an einem verschönerten, begrünten Willy-Brandt-Platz. Beim ÖPNV wollen wir langfristig Nulltarif, mittelfristig ein fein vernetztes sozialökologisches System. Die Erweiterung der U4 sollte zum Beispiel den Grüneburgpark nicht untertunneln, das gefährdet die uralten Bäume und es gibt Alternativen.

Jutta Ditfurth über Ökolinx: Emanzipatorische Arbeit in Fraktionsstärke wirkungsvoller machen

Ganz kurz: Wer soll Sie wählen?

Alle, die mit Positionen wie ökologisch, sozial, feministisch, antirassistisch und gegen Antisemitismus etwas anfangen können und emanzipatorische Wählervereinigungen mögen, die sich mit sozialen Bewegungen und außerparlamentarischen Projekten verbunden fühlen.

Sie sind jetzt fast 20 Jahre im Römer. Macht’s noch Spaß?

Ja! Aber ich will die Arbeit endlich mit einer Fraktion viel wirkungsvoller machen. Jetzt müssen die Menschen bitte ihren Hintern vom Sofa kriegen, Briefwahl beantragen und das Kreuz bei Liste 8 machen. Manchmal hängt es wirklich an wenigen Stimmen. (Interview: Hanning Voigts)

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