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Carl-Philipp zu Solms-Wildenfels.

Galopp-Rennbahn Frankfurt

Rennklub will nicht räumen

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Der Schatzmeister des Rennklubs will die Galopprennbahn nicht räumen. Mindestens bis zu den Kommunalwahlen im März 2016 will der Rennklub seinen Widerstand aufrecht halten. Denn bei den Wahlen könnten einzelne Mitglieder des Klubs in einer Listengemeinschaft mit den Bürgern für Frankfurt (BFF) antreten.

Die Terrassentür, die zum weitläufigen Garten führt, steht offen. Gerade jetzt sind die Flugzeuge, die im Tiefflug über die elegante Villa donnern, sehr laut. Doch der Hausherr, der seit Anfang 2015 hier am Lerchesbergring residiert, lässt sich nicht schrecken. „Da muss man durch“, sagt er kurz angebunden. Wie überhaupt Carl-Philipp Graf zu Solms-Wildenfels recht selbstbewusst agiert, mit der Rückendeckung eines jahrhundertealten Adelsgeschlechts. „Wir gehen zurück auf das Jahr 1126“, ein stolzer Satz. Damals bezog die gräfliche Familie ihre erste Burg in Mittelhessen.

Der Nachfahre trotzt knapp 900 Jahre später nicht nur dem Fluglärm - nein, er hat sich gleich mit zwei großen Gegnern angelegt: Der Stadt Frankfurt und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), dessen Macht im Zeitalter der Medien schier unbegrenzt scheint. Doch der Graf, Schatzmeister des Rennklubs Frankfurt, ist entschlossen, die traditionsreiche Galopprennbahn nicht zum 1. Januar 2016 zugunsten einer geplanten DFB-Akademie zu räumen. „Wir ziehen das durch“, verspricht er und kündigt an: „Wir halten das Thema bis zur Kommunalwahl im März am Kochen!“

Der 36-jährige lässt Espresso servieren und erzählt aus dem Leben eines Erfolgsgewöhnten. Er ist „auf der Rennbahn großgeworden“ - ach was, er hat den Turf schon „im siebten und achten Monat“ im Mutterleib kennengelernt. Denn seine Mutter, Alexa Gräfin zu Solms-Wildenfels, war eine erfolgreiche Galopperin „mit fast 100 Siegen.“ Schon als Junge streifte Carl-Philipp fast täglich durch die Stallungen in Niederrad. Mit 17 Jahren zog er in die USA, auf das Vollblut-Gestüt eines Onkels, später dann wechselte er auf Ländereien der Familie in Italien.

Heute ist der Graf vor allem als Immobilienkaufmann tätig, über Deutschland hinaus. Er fühlt sich dem konservativen Teil des politischen Spektrums zugehörig - das macht die Sache ja so tragisch. Denn auf der Gegenseite, innerhalb der schwarz-grünen Stadtregierung, kämpfen ja auch streng konservative Adlige, etwa Michael Prinz zu Löwenstein, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer. Also eigentlich Verwandte im Geiste. Doch was Graf zu Solms-Wildenfels gelegentlich über den Prinzen sagt, kann man nicht drucken. „Die CDU hat ihren politischen Schwerpunkt verlagert“, presst der Graf zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch.

Kommunalwahl im Visier

2012 schien die Welt noch in Ordnung. Da sammelte zu Solms-Wildenfels „viel Geld“ für den Wahlkampf des jungen Konservativen Boris Rhein, der Frankfurter Oberbürgermeister werden wollte. „Wir haben die Kampagne von Boris Rhein begleitet“, mehr will der Adlige dazu gar nicht sagen.
Er spricht nicht über Geld, er besitzt es. Dem früheren Miteigentümer der Galopprennbahn, dem Bad Homburger Steuerberater Manfred Hellwig, hatte der Graf „ein Angebot gemacht über drei Millionen Euro“ - für seine Anteile von 49 Prozent an der Hippodrom GmbH, der Besitzgesellschaft der Rennbahn. Hellwig lehnte ab und verkaufte lieber an die Stadt. Was in Galopper-Kreisen damals über Hellwig gesagt wurde, kann man nicht drucken.

Graf zu Solms-Wildenfels benutzt gerne die Worte „in unserem Kreis.“ „In unserem Kreis befinden sich Leute, die denken, dass die Dinge nicht in Ordnung sind.“ Dass es eine Schande ist, dass die Stadt die alte Rennbahn den hergelaufenen Neureichen vom DFB einfach in den Rachen wirft

„Das Thema wird eine Rolle spielen bei der Kommunalwahl.“ Im Kreis des Grafen denkt man über eine „Listengemeinschaft“ mit den Bürgern für Frankfurt (BFF) nach, die mindestens mal streng konservativ sind. Die von der Stadt geplante Übergabe des Rennbahn-Geländes am 1. Januar an den DFB „wird nicht funktionieren“, sagt der Graf. Denn der Vertrag, mit dem Hellwig seine Anteile an die Stadt abgetreten hatte, sei „sittenwidrig“, weil zu Lasten der Hippodrom. Mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

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