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Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz hat riesigen Sanierungsbedarf.

Städtische Bühnen in Frankfurt

Koalition nähert sich dem Neubau der Bühnen

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Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen in Frankfurt berät bei einer Klausur über den Fahrplan bis 2021. Dabei geht es auch um die Städtischen Bühnen.

Die Hälfte der Wahlperiode ist vergangen. Und die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen möchte sich darüber klarwerden, welche großen Projekte sie bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2021 in Frankfurt noch anpackt. Am Donnerstag, 29. November, ziehen sich die Spitzen der Koalition nach Bad Nauheim in Klausur zurück. Bis Freitagnachmittag soll ein politischer „Fahrplan“ für die nächsten Jahre stehen.

Die drei politischen Partner, die sich seit der Kommunalwahl 2016 in ihrer Zweckkoalition nach Kräften das Leben schwermachen, wollen das ändern. Sie möchten tatsächlich versuchen, für eine längere Phase ohne gegenseitige Attacken auszukommen. Denn 2019 und 2020 stehen keine Wahlen an, die nach Frankfurt ausstrahlen. Diese Zeit soll im Römer für Entscheidungen mit Gewicht genutzt werden. Im Herbst 2020 könnte dann der Wahlkampf für die Kommunalwahl im Frühjahr 2021 starten. 

Städtische Bühnen genießen Priorität 

Bei den drängenden Beschlüssen genießt die Zukunft der Städtischen Bühnen Priorität. Die Waagschale in der Koalition neigt sich zum Neubau hin. In den zurückliegenden Wochen ist bei Führungskräften aller drei Parteien die Überzeugung gewachsen, dass sich mit architektonisch anspruchsvollen Neubauten Prestige für die Kulturstadt Frankfurt gewinnen ließe. 

Eine Sanierung erscheint den Spitzen der Koalition dagegen immer mehr als risikoreiches Unterfangen mit finanzieller Unwägbarkeit. Baufachleute hatten von Anfang an diese Meinung vertreten. Auch der erfahrene Architekt und Projektleiter Michael Guntersdorf, seit 1. Oktober Leiter der städtischen Stabsstelle Bühnen, neigt dieser Ansicht zu. 

Neubau würde mindestens 700 Millionen Euro kosten

Das Projekt Neubau ist dennoch politisch risikoreich. Denn es wird in der Stadtgesellschaft vehement die Frage aufgeworfen werden, ob sich auch die reiche Kommune Frankfurt angesichts ihrer sozialen Probleme ein Bauvorhaben leisten soll, das mindestens 700 Millionen Euro kosten wird. 

Ein Neubau müsste daher tatsächlich geschlossen und ohne Querschüsse von der Koalition vertreten werden. Überlegt wird, ein neues Opernhaus abseits des Traditionsstandorts Willy-Brandt-Platz zu errichten. Die FR hatte bereits im September berichtet, dass die Fachleute das städtische Grundstück Mayfarthstraße 14 am Osthafen prüfen, das derzeit noch an Raab Karcher vermietet ist. Diese Fläche ist eine Möglichkeit.

Der Willy-Brandt-Platz würde in diesem Modell Standort des Schauspiels bleiben, das dort ein neues Gebäude erhielte. Insbesondere SPD und Grüne plädieren dafür, am zentralen Platz in der Innenstadt wegen seiner Tradition für das Theater festzuhalten.

Diese Vorgehensweise würde ein Interimsdomizil für das Schauspiel erfordern. Privaten Immobilieninvestoren soll möglichst kein Zugriff auf das Gelände am Willy-Brandt-Platz gewährt werden. 

Städtischer Doppelhaushalt für 2020/2021 

Im Herbst 2019 will die Römer-Koalition den Entwurf eines städtischen Doppelhaushalts 2020/2021 auf den Weg bringen. So soll verhindert werden, dass die städtischen Finanzen in den Kommunalwahlkampf hineingezogen werden. Der interne Kampf um das Geld hat allerdings bereits begonnen. Die Mitglieder des Magistrats haben ihre ersten Anmeldungen bei Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) schon eingereicht.

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