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Ansgar Hegerfeld vom ADFC pendelt täglich über die Hanauer Landstraße - und klagt über Schlaglöcher und die schlechte Querung am Ratswegkreisel.

Verkehr

Wie kommt man am besten von Offenbach nach Frankfurt?

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Pedelec, Bahn oder Auto: Drei Redakteure geben ihre Erfahrungen auf dem Weg zur Arbeit wieder.

Mobil sein heißt auch, zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wählen zu können. Gewohnheit kann bei der Wahl eine Rolle spielen oder Komfort, der Preis oder das Wetter. Welches Verkehrsmittel das geeignetste ist, lässt sich gut ausprobieren. In einem ergebnisoffenen Test sind wir vom Offenbacher Marktplatz zum Verlagsgebäude der FR in der Frankenallee in Frankfurt gefahren. Welches Verkehrsmittel gewonnen hat? Sehen Sie selbst.

Wenn S-Bahnen zu spät kommen, sollte die Bahn das zeitig kommunizieren, fordern FR-Leser.

Pedelec Ein sanfter Tritt, und das Pedelec gleitet los; die Fahrt fühlt sich an wie mit dem Fahrrad, wenn der Wind mit anschiebt. Nach einer kurzen Strecke über die Herrnstraße, vorbei am Lilipark geht es direkt am Main entlang. Der Nieselregen macht den Weg rutschig, das hat nicht nur Nachteile – je schlechter das Wetter, desto weniger Radfahrer und Spaziergänger sind unterwegs. Zur Sicherheit trage ich einen Helm. Etwa einen Kilometer lang ist der Weg fast frei, das Rad beschleunigt entspannt auf 25 Kilometer pro Stunde. Teilweise ist der Weg holprig – gefühlt wurde zumindest ein Teil der Fahrbahn das letzte Mal vor dem Krieg renoviert. Erst nach der Gerbermühle bremsen den Fahrer ein paar Fußgänger. Wegen Baumarbeiten ist der Weg für etwa 100 Meter blockiert, ich weiche auf die Wiese aus. Nach etwa vier Kilometern geht es über Friedensbrücke und Speicherstraße in die Mainzer Landstraße. Weil es wegen einer Großbaustelle in der Höhe des Skyline Plaza keinen Bürgersteig gibt, kommen mir mehrere Fußgänger auf dem Radweg entgegen, was mich zwingt, auf die Straße auszuweichen. Wenige Meter später blockiert ein Lieferwagen den Radweg, was entlang der Mainzer Landstraße regelmäßig passiert. Nach 32 Minuten bin ich am Ziel. Die Fahrt war in etwa so anstrengend wie ein beschleunigter Spaziergang. Weil auf dem Fuß-und Radweg am Main abends zu viele Fußgänger unterwegs sind, fahre ich nach Feierabend um 18.30 Uhr am Untermainkai entlang. Dort geht es zügig voran, vollends entspannt wird es auf dem für Autofahrer gesperrten Teilstück. Dann zurück an den Main. Dort kommt es kurz vor Offenbach zu einer gefährlichen Situation, als an einer engen Stelle ein Kinderwagen, ein Inlineskater und ein Rennradfahrer aufeinandertreffen. Der Radfahrer bremst scharf, kommt ins Schleudern. Am Ende findet er zurück in die Spur, alle Beteiligten haben nochmal Glück gehabt. (Fahrtzeit 32 Minuten. Kosten: ein paar Cent fürs Laden der Batterie)

Die Serie

Kaum eine Stadt in Deutschland wächst derart rasant wie Frankfurt. In ein paar Jahren könnte die Metropole am Main 800 000 Einwohner haben. Doch bewältigt Frankfurt diese Entwicklung überhaupt? Wo sollen alle diese Menschen wohnen, wie gelangen sie zur Arbeit, wenn die Straßen immer voller werden, und droht das Umland von Frankfurt aufgefressen zu werden?

Diesen Fragen geht die FR bis Mitte Oktober in der Serie „Frankfurt wächst“ nach. Jede Woche beleuchten wir eine provokante und sehr zugespitzte These. Diese Woche etwa: „Nur Seilbahn und Flugtaxi können uns retten“ . In der kommenden Woche schauen wir uns unter der Überschrift „Zurück aufs Land! Dort lebt es sich besser“ die Entwicklung in der Region an.

S-Bahn Ein gutes Stück schneller ist, wer die Strecke mit der S-Bahn fährt. Gerade einmal zwanzig Minuten braucht man vom Marktplatz bis zur Galluswarte, mit einem Umstieg an einer beliebigen Station im Frankfurter S-Bahn-Tunnel. Kleiner Tipp: An der Taunusanlage ist meistens am wenigsten los und man kann ohne Gedränge auf die Folge-S-Bahn warten. Wer auf Schienen von Frankfurt nach Offenbach pendelt (oder umgekehrt) wundert sich meist über die Leute, die auf der gleichen Strecke das Auto vorziehen – kann man in der S-Bahn doch lesen und bei den Oberräder Kräuterfeldern mal kurz in Gedanken vertieft aus dem Fenster schauen. Offenbachs Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) sagte neulich auf einer hitzigen Bürgerversammlung, wo es auch um Parkplätze ging: Wer in Offenbach direkt an der S-Bahn wohne und mit dem Auto nach Frankfurt fahre, sei schlicht „selber schuld“. Zu den Hauptpendelzeiten sind die S-Bahnen allerdings recht voll. Kein Wunder, frequentieren den Marktplatz laut Deutscher Bahn doch fast 36 000 Reisende pro Tag. Nervig sind die dauernden Ausfälle bei den Rolltreppen, deren Reparatur gefühlt deutlich länger dauert als in Frankfurt. Die Bahn widerspricht dieser Vermutung aber: „Die Offenbacher Fahrtreppen werden von unserem Reparatur-Team genauso schnell angefahren wie die Frankfurter.“ Angenehm ist, wie selten die Züge auf den Linien S 1, 2, 8 und 9 Verspätung haben. Zumindest sieht das so, wer zwei Jahre lang die nervenaufreibende Stop-and-go-Strecke zwischen Köln und Bonn mit der Bahn gependelt ist – was auf einen unserer Offenbach-Reporter zutrifft. Bleibt noch zu erwähnen, dass es am Offenbacher Marktplatz nette Geschäftstreibende gibt, die einen morgens mit frischen Croissants und am Abend mit einem kühlen Feierabendbier und indischen Teigtäschlein versorgen: Sowohl der Alkohol als auch der Blätterteig machen sich im Auto deutlich weniger gut. (Fahrtzeit: 20 Minuten. Kosten: 4,10 Euro)

Leihauto Ein Leihauto miete ich, wenn ich mit meinem Sohn zum Seepferdchenkurs nach Fechenheim fahre. Oder für einen Umzug oder den Einkauf bei Ikea. Sonst nicht. Wieso auch? In Frankfurt komme ich mit der Jahreskarte im öffentlichen Nahverkehr überall hin. Auch nachts. Davon abgesehen, fahre ich meist Rad. Außer, wenn es regnet. Heute regnet es. Die Tropfen plätschern auf meine Lederjacke, als ich den Cityflitzer von Book-n-drive aufschließe. Mit einer Chipkarte. Vorher musste ich die Fahrt buchen. In einer App. Dauerte ein paar Sekunden. Die Fahrt von Offenbach nach Frankfurt hingegen - endlos. Weil man nicht lesen kann, nicht aus dem Fenster schauen oder tagträumen, außer an der Ampel. Aber dann hupt sofort immer jemand von hinten. Dafür bleibe ich trocken, als ich auf der Berliner Straße in Offenbach im Stau stehe, trocken, als ich auf der Friedensbrücke in Frankfurt im Stau stehe, trocken im Stau auf der Gutleutstraße. Nur am Schaumainkai, wo alle immer sagen, dass es da so viel Stau gebe, wegen der gesperrten nördlichen Mainuferstraße, was ist da? Freie Fahrt. Die Fahrt dauert 39 Minuten. Das Auto stelle ich an der Mainzer Landstraße ab und hoffe, das Book-n-drive das Abstellen auch als Beendigung der Reservierung akzeptiert. Das hoffe ich eigentlich immer, wenn ich ein Leihauto buche. Und weiß es dann, wenn die Rechnung kommt. (Fahrtzeit: 39 Minuten / Kosten: 6,47 Euro)

Pendlerstimmen: So fahren unsere Leser*innen zur Arbeit

Nach Zahlen der Agentur für Arbeit pendeln täglich rund 376 000 Beschäftigte nach Frankfurt hinein, knapp 99 000 aus Frankfurt hinaus. Vier von fünf Pendler fahren mit dem eigenen Auto, das im Durchschnitt mit 1,1 Personen besetzt ist. Soweit die Statistik. Fragt man FR-Leser, ergibt sich ein anderes Bild. Wir haben gefragt, wie unsere Leser zur Arbeit pendeln und wo sie Möglichkeiten für Verbesserungen sehen.

Rad

Aus dem Frankfurter Westen mit dem Rad in die Innenstadt und zurück. Jeden Werktag. Ganzjährig. 30 Minuten pro Strecke. 70 Prozent davon auf dem Radweg. Zustand ausreichend bis mangelhaft. Straßen ohne Radwege, dazu zähle ich auch „Schutzstreifen“, teilweise sehr gefährlich für Radler. Von Mario per Twitter

Montag bis Freit ag mit dem Rad vom Riedberg zum Campus Westend und zurück. Probleme gibt es dabei auf nahezu der gesamten Strecke. Dichtes Überholen, Vorfahrt-Nehmen, dicht auffahren und drängeln, beleidigen passiert leider täglich. Teilweise gute Infrastruktur (Riedberg-Merton-Viertel), teilweise total grottig (zum Beispiel Dillenburger Straße in Heddernheim). Ansonsten toll, weil täglicher Sport und guter Ausgleich zum Büro-Job. Was könnte besser sein: baulich getrennte und ausreichend breite Radwege. Gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer*innen. Von Jens Schreiber per Twitter

Ich fahre ganzjährig rund 18 Kilometer mit dem Fahrrad von Bad Homburg nach Bockenheim. Jeden Morgen bin ich froh, wenn die Bad Homburger Schülerinnen und Schüler die Überholmanöver und Vorfahrtsverstöße mancher Pkw-, Lkw- und Busfahrer ohne körperliche Schäden überstehen. Die Anblicke auf den Feldwegen zwischen Bad Homburg, Oberursel und dem Riedberg entschädigen dafür: junge Hasen, Bussarde, Feldmäuse, der Blick auf die Skyline und auf den Sonnenaufgang und natürlich die Ruhe. In Frankfurt macht es wieder weniger Spaß, mit dem Rad zu fahren. Vor allem in der Altenhöferallee am Riedberg und auf der Schloßstraße in Bockenheim werde ich leider regelmäßig „belehrend“ überholt und angeschrien („RAAAADWEEEG!“). Von Mario per Mail

E-Bike

Meisten mit dem E-Bike. Manchmal, wenn keine Lust, dann ein Teil mit der S-Bahn und dann den Rest Rad. Verbessern: Radweg vorm Hauptbahnhof. Radwege an Landstraße statt dunkle Waldwege. Ampelschaltung auf Radgeschwindigkeit. Von FahrradPapa per Twitter

Pendle vom Oeder Weg nach Oberursel Lahnstraße. Manchmal mit der U3 und RMV Smart oder meistens mit dem E-Bike. Die Strecke ist super zu fahren über den Campus der Goethe-Uni, Grüneburgpark, die Nidda, am NWZ vorbei und dann an der U3 hoch. Schlechte Radwege, sehr schöne Strecke. Von Björn Wolf per Twitter

Rad oder S-Bahn

Mein Weg zur Arbeit führt mich mit dem Fahrrad von Unterliederbach in das Westend. Alternativ nutze ich den ÖPNV. Meine Radfahrstrecke ist absichtlich etwas länger, dafür aber autoarm gewählt. Während ich dadurch einerseits die Nidda am Morgen genießen darf und etwas für meine Gesundheit tun kann, stellt mich die Frankfurter Verkehrsführung noch immer vor Probleme. So muss ich mehrfach wählen, ob mich mein Weg über unbefestigte und daher oftmals matschige Wege führt oder ich in einer Rad-Sackgasse lande und entweder gegen Regeln verstoße oder mein Rad tragen oder schieben muss. Mit dem ÖPNV dauert mein Arbeitsweg durch Umsteigezeiten leider etwas länger, dafür darf ich ihn mit sehr, sehr vielen anderen Mitfahrern teilen. Wenn der RMV es jetzt noch schafft, klar die Ausfälle und Verspätungen zu kommunizieren und die Bahnhöfe und Transportmittel sauber und funktionsfähig hält, wird er eine Alternative zum Rad bleiben. Von Sören Ploschke per Mail

Tram

Ich fahre so gut wie jeden Tag mit der Straßenbahnlinie 11 vom Gallus bis nach Fechenheim, reine Fahrzeit 47 Minuten, von Tür zu Tür etwa 55 Minuten. Wenn ich (bin Lehrerin) zur ersten Stunde fahre, sprich spätestens um kurz vor 7 Uhr losfahre, ist es noch einigermaßen angenehm, man bekommt einen Sitzplatz und ich nutze die Zeit zum Zeitungslesen. 20 bis 30 Minuten später wird es kritisch und ab 8 Uhr geht gar nichts mehr, man steht mindestens bis zur Galluswarte, eher bis Hauptbahnhof und hofft, noch in die Bahn zu passen. Daher fahre ich auch oft schon früher los, als ich müsste, wenn ich mal erst zur 2. oder 3. Stunde Unterricht habe, weil die Situation in der Straßenbahn einfach so angespannt ist. Da hat auch die Linie 14 bisher keine spürbare Entlastung gebracht. Man bräuchte mehr und längere Bahnen. Oder eine Bootsverbindung vom Westhafen nach Fechenheim. Von Sara Steinhardt per Twitter

Rad/Regionalbahn

Fünf Minuten mit dem Rad zum örtlichen Bahnhof, 29 Minuten mit RE55 zum Hauptbahnhof, zehn Minuten zu Fuß ins Büro eins oder zehn Minuten mit Straßenbahn ins Büro zwei. Abends manchmal auch mit Call-a-bike zurück zum Hauptbahnhof, dann RE und Rad. Straßenbahnlinie 17 ist morgens zu voll, vor allem wenn Messe ist. RE55 ist zur Rushhour überfüllt. Von Qwen per Twitter

Regionalbahn

Ich fahre jeden Morgen und Nachmittag nach/aus Taunusstein, Zug RB10 von Plattform 24 am Frankfurter Hauptbahnhof nach Wiesbaden und dann weiter mit dem Bus nach Taunusstein. Ich komme aus den Niederlanden und finde es ehrlich gesagt unfassbar, dass es zwischen Wiesbaden und Frankfurt nur eine schnelle Verbindung pro Stunde gibt. Zur Verlagerung des Verkehrs müsste diese Bahn alle zehn Minuten fahren, ähnlich wie zum Beispiel Eindhoven-Utrecht-Amsterdam. Abstellplätze für mein Rad sind zwar vorhanden an der Plattform 24, nördliche Seite, diese sind aber nicht gepflegt und reichen auch nicht aus, wenn man sich die Zahl der Räder anschaut. Da können die Stadt und die DB wirklich nachbessern. Zwischen Taunusstein und Wiesbaden gibt es nur Busverbindungen. Da ist es aus meiner Sicht wirklich notwendig, dass da die Aartalbahn wiederbelebt wird. Das Bürgerbegehren in Wiesbaden nächsten Sommer ist aber kein gutes Zeichen. Von Leon van Keulen per Twitter

U-Bahn/E-Bike

Pendle vom Oeder Weg nach Oberursel Lahnstraße. Manchmal mit der U3 und RMV Smart oder meistens mit dem E-Bike. Die Strecke ist super zu fahren über den Campus der Goethe-Uni, Grüneburgpark, die Nidda, am NWZ vorbei und dann an der U3 hoch. Schlechte Radwege, sehr schöne Strecke. Von Björn Wolf per Twitter

U-Bahn

Ich pendle täglich von Niederrad nach Wiesbaden und wieder zurück. Mit den Linien S8 und S9 geht das theoretisch richtig gut, sogar ohne Umstieg. Durch den engen Takt kommt dauernd eine Bahn, auch wenn man sich auf die Abfahrtszeiten nicht verlassen kann. Dafür gibt es einfach zu viele Störungen, die leider auch nicht gut kommuniziert werden. Nervig in den Bahnen selbst sind vor allem die viel zu knapp bemessenen Abstellflächen für Fahrräder. Ich würde gern viel öfter das Rad mitnehmen, um den Weg zum Büro vom Bahnhof aus schnell hinter mich zu bringen. Aber durch die Ausstattung der Bahnen macht das keinen Spaß. Weshalb man nicht endlich die völlig sinnfreie erste Klasse in den S-Bahnen abschafft, kapiere ich nicht. Den gewonnen Platz könnte man für mehr und besser strukturierte Fahrradstellplätze nutzen. Von Robin Göckes per Twitter

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