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Der Mainkai, nachdem die Sperrung aufgehoben wurde.
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Der Mainkai, nachdem die Sperrung aufgehoben wurde.

Kommentar

Kommentar zur Mobilität in Frankfurt: Vernunft statt Wutmodus

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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In der Verkehrspolitik in Frankfurt bedienen sich manche eines giftigen Tons. Diese Emotionalisierung lenkt von schwachen Argumenten ab.

Alle paar Tage kommt eine Mail von Herbert Schmoll. Sie kennen Herbert Schmoll nicht? Herbert Schmoll wohnt in Sachsenhausen und macht sich dafür stark, dass Autos auf dem Mainkai fahren. Man muss wissen: Der Mainkai liegt gegenüber von Sachsenhausen, am nördlichen Mainufer.

Herbert Schmoll ist Vorsitzender der Initiative „Sachsenhausen wehrt sich“. Was er beherrscht, ist die Kunst der Emotionalisierung. Das zeigt sich schon im Namen der Initiative. Da wird sich gewehrt. Und bei der Homepage, „Mainkaichaos“. Sie setzt einen hohen emotionalen Punkt auf der Storykurve, würde man in der Erzähltheorie sagen.

Eine emotionalisierte Erzählung

Das ist es, was Herbert Schmoll betreibt: eine emotionalisierte Erzählung. Diese wiederholt er oft und lang. Mit vielen Attacken gegen Menschen, denen es gefällt, wenn keine Autos auf dem Mainkai fahren. Irgendwann liest man diese Mails nicht mehr. Wer lässt sich schon gerne wiederholt beschimpfen?

Das ist ein Effekt von Emotionalisierung. Ein Wir-und-ihr-Kontrast entsteht. Eine Lagerbildung. Emotionen überdecken die Vernunft. Argumente bleiben auf der Strecke. Eine solche Kampagne ist Gift fürs Miteinander. Sie hat noch einen weiteren Nachteil. Sie führt zu Desinformation. Die Seite, die nicht passt, wird wissentlich verschwiegen. Zwei Beispiele:

Bei der Mainkaisperrung hatte Navi-Anbieter Tomtom Verkehrsdaten erhoben. Demnach lag der Zeitverlust für Autos auf dem Schaumainkai, der Untermainbrücke und auf der Schweizer Straße bei unter zwei Minuten. Das ist objektiv nicht viel.

Schärfe aus der Debatte nehmen

Auch wünscht sich die Mehrheit der Frankfurterinnen und Frankfurter eine Mainkaisperrung und weniger Autos in der Stadt. Das hat eine Umfrage gezeigt. Wer keine Mainkaisperrung will, wie die Initiative oder die Frankfurter IHK, welche darüber hinaus gegen den Wegfall von Parkplätzen und gegen fahrradfreundliche Nebenstraßen zu Felde zieht, vertritt eine Minderheitenmeinung, die rückwärtsgewandt daherkommt.

Frankfurt hat wichtige Aufgaben vor sich: den Klimawandel bekämpfen, die Mietpreisspirale dämpfen, die Mobilitätswende umsetzen, in Bildung investieren. In der Mobilität müssen die Anreize, kein Auto zu nehmen, gestärkt werden. Dazu zählen die City-Maut, höhere Parkgebühren, weniger Parkplätze, besserer und günstigerer ÖPNV, breite und befestigte Radwege, komfortable Bürgersteige, Platz für Lieferwagen. Das Ganze muss sozial gerecht sein und darf Menschen mit Einschränkungen nicht benachteiligen.

Die Mainkaisperrung sollte in ein Konzept eingebunden sein. Das hilft, die Schärfe aus der Debatte zu nehmen. Über diese eine Straße hinaus sollten außerdem die Innenstadt und Teile Sachsenhausens autoärmer werden.

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