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Kommentar zur CDU in Frankfurt: Becker ist kein Mann des Zeitgeists

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Von: Florian Leclerc

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Uwe Becker und Bettina Wiesmann beim CDU-Parteitag in Frankfurt, als noch nicht klar war, wer gewinnt.
Uwe Becker und Bettina Wiesmann beim CDU-Parteitag in Frankfurt, als noch nicht klar war, wer gewinnt. © Michael Schick

Der neue Parteichef der CDU in Frankfurt ist Uwe Becker, der einen Aufbruch ankündigt. Manche Themen werden aber verdrängt. Ein Kommentar.

Uwe Becker hat die Kampfkandidatur gegen Bettina Wiesmann um den CDU-Vorsitz in Frankfurt deutlich gewonnen – und das überrascht nicht. Uwe Becker ist ein Frankfurter Jung’, in der Partei, in Vereinen, in der Stadtgesellschaft bestens vernetzt. Er ist zu allen stadtpolitischen Themen sprechfähig und eine starke Stimme gegen Antisemitismus und den Rechtsruck in der Gesellschaft.

Becker kündigte einen „Aufbruch“ für die CDU an. Personell wird es aber ein „Weiter so“. Becker ist ein etablierter Politiker, der eine Karriere vom Ortsbeirat in Nieder-Eschbach über die Stadtverordnetenversammlung in den Magistrat und in die Hessische Landesregierung hingelegt hat. Schon zweimal wollte er als Oberbürgermeister in Frankfurt kandidieren, zweimal wurde es ihm verwehrt. 2024 wird er sein Ziel wohl erreichen.

Der Aufbruch wird rein strukturell

Der Aufbruch wird auch nicht inhaltlicher Art sein. Becker steht für ein solides konservatives Wertesystem und den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Der Aufbruch wird rein strukturell. Becker will die Stadtbezirksverbände besser einbinden, um mehr Veranstaltungen durchführen zu können. Er will auf migrantische Communitys zugehen, die bislang in der CDU unterrepräsentiert sind, obwohl sie durchaus konservative Grundhaltungen vertreten. Junge Menschen sollen durch mehr Social-Media-Arbeit an die Partei gebunden werden. Vom Zeitgeist – sei es in der Mobilitätspolitik oder der Energiepolitik – will Becker sich nicht treiben lassen.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die CDU bewusst in alten Denkmustern verharrt. Getreu dem Motto „Das Gute bewahren“. Das Auto gehört demnach selbstverständlich zum Leben dazu, und Benzin muss bezahlbar bleiben. Dabei werden die endlichen Ressourcen, die klimaschädliche Wirkung von Treibhausgasen, der Bezug der Energieträger aus autokratischen Staaten allzu leicht verdrängt.

Was verwundert und erschreckt, ist der Umgang mit Bettina Wiesmann. Die Delegierten haben sie abgestraft. Dabei ist Wiesmann einer der klügsten Köpfe in der Partei und die erste Nachrückerin auf der hessischen Landesliste in den Bundestag. Geschlossenheit geht anders.

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