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Kommentar zum Verkehr in Frankfurt: Eine andere Mobilität ist nötig

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Blechlawine in Frankfurt ist zu groß. Die Stadt muss etwas tun. Ein Kommentar.

Wenn Frankfurt die Zahl der Autos verringern will, die täglich in die Stadt hineinfahren oder am Straßenrand stehen, muss die Stadtpolitik mutige Entscheidungen treffen.

Es ist doch so: Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in der Stadt steigt kontinuierlich an. Wie auch die Einwohnerzahl Frankfurts und die Zahl der Aus- und Einpendler, von denen die meisten das eigene Auto nehmen. Die Straßen in Frankfurt sind demnach zu voll. Autopendler brauchen vor allem morgens und abends immer mehr Zeit, um zum Arbeitsplatz in der Stadt zu kommen. Mehr Stau heißt mehr Schadstoffe und weniger Lebensqualität für alle. So kann es nicht weitergehen.

Nun kann man fordern, die Stadt müsse den ÖPNV ausbauen, was sie schon tut. Das dauert allerdings Jahre bis Jahrzehnte. Oft gefordert werden auch mehr Park-and-Ride-Plätze, wozu es etliche Untersuchungen gibt. In Frankfurt fehlt dafür der Platz – bis auf die Unfallklinik an der Friedberger Landstraße und die Borsigallee – beziehungsweise der Anschluss an den Nahverkehr wie bei der Autobahnraststätte Taunusblick. Sinnvoller wäre es ohnehin, Autopendler würden schon in der Region in die Bahn steigen, statt bis zur Stadtgrenze mit dem Auto zu fahren.

Was gegen die Blechlawine helfen würde, ist eine Citymaut, autofreie Zonen und weniger Parkplätze und Fahrspuren.

Bei der Flächenverteilung fällt auf, dass Autos viel mehr Platz als Fußgängern und Radfahrern zugewiesen wurde. Dieses Missverhältnis sollte die Stadt aus Gründen der Flächengerechtigkeit, der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes durch den Wegfall von Parkplätzen und Fahrspuren nach und nach ausgleichen.

Sinnvoll sind autofreie Zonen, in die nur Menschen mit Schwerbehindertenausweis oder der Zulieferverkehr hineindürfen. Wer dort als Anwohner bislang parkte, könnte einen subventionierten Parkplatz in den städtischen Parkhäusern nutzen, welche die meiste Zeit nicht ausgelastet sind.

Am effektivsten wäre die Citymaut, die das Autofahren verteuerte. Gleichzeitig sollten Bus und Bahn günstiger werden, zum Beispiel mit einem Bürgerticket zum einem Preis von 365 Euro für alle. Der Nachteil: Morgens und abends bekämen viele Pendler, die umsteigen würden, in der S-Bahn keinen Sitzplatz mehr.

Wenn Autofahren teurer, unkomfortabler und zeitintensiver wird als Fahren mit Bus, Pedelec und Bahn, werden mehr Menschen bereit sein, ihr Mobilitätsverhalten zu überdenken. Eine mutige Stadtpolitik müsste dann dem Unwillen der Autopendler trotzen, welche ihr Mobilitätsverhalten bislang nicht aus eigenem Antrieb verändert haben.

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