Städtische Bühnen

Reaktionäres Traumbild

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Beim Wettstreit um die Zukunft der Städtischen Bühnen prallen die Weltbilder aufeinander. Das der Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus wirkt besonders antiquitiert. Ein Kommentar.

Die Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen ist längst ein politisches Lehrstück geworden. Es erzählt auch von kulturellen Leitbildern des 21. Jahrhunderts. Dabei wird mit Schlagworten hantiert, die oft kaum mit Inhalten gefüllt sind, aber doch einiges verraten vom Gesellschaftsbild der Initiatoren.

Die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt etwa wirbt für die Rekonstruktion eines Gebäudes, das im deutschen Kaiserreich entstanden war. Der Jugendstil des Baumeisters Heinrich Seeling von 1902 kann aber nicht im Ernst die Antwort auf die Herausforderungen des Theaters im 21. Jahrhundert sein. Es braucht für die Städtischen Bühnen der modernen europäischen Großstadt Frankfurt eine moderne Bauweise, die Antworten gibt für die Zukunft. Und nicht die Beschwörung eines überkommenen großbürgerlichen Traumbildes.

Aber natürlich verrät die rückwärtsgewandte Sehnsucht viel vom Gefühlshaushalt der bürgerlichen Gesellschaft heute. Das war auch schon bei der Rekonstruktion der neuen Frankfurter Altstadt so. Neu ist, dass die Aktionsgemeinschaft nicht davor zurückschreckt, üble Ressentiments zu aktivieren, wenn sie schreibt, die Stadt habe 1963 beim Umgang mit dem alten Schauspielhaus „gewütet wie bei den Taliban“. Das ist schlicht reaktionär.

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