Die Frankfurter Buchmesse steht vor einem radikalen Wandel.
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Die Frankfurter Buchmesse steht vor einem radikalen Wandel.

Kommentar

Kommentar zur Buchmesse: Ein kultureller Verlust

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Frankfurter Buchmesse ist im Begriff, sich radikal zu wandeln. Die jüngsten Entscheidungen ihres Managements lassen für diesen Wandel nichts Gutes verheißen.

Die Frankfurter Buchmesse und die Buchbranche insgesamt erfahren, was andere Bereiche der Gesellschaft auch erleben. Die Corona-Pandemie wirkt als Beschleuniger für eine Digitalisierung. 71 Jahre, nachdem 205 Verlage 1949 erste Stände in der Frankfurter Paulskirche aufgebaut hatten, verlagert sich die größte Medienschau der Welt in immer größerem Maße ins Internet.

Das ist ein kultureller Wandel, der natürlich auch einen kulturellen Verlust bedeutet. Onlinekonferenzen können persönliche Begegnungen nicht ersetzen. So wenig wie Gemälde auf dem Computerbildschirm die konkrete Erfahrung eines Museumsbesuchs aufwiegen oder die gestreamte Aufzeichnung eines Bühnenstücks an die Stelle eines tatsächlichen Theatererlebnisses treten kann.

Man kann hoffen, dass das Führungsteam der Frankfurter Buchmesse um Juergen Boos sich dieses Gefälles bewusst ist. Die sozialen Medien stellen wichtige und unverzichtbare Hilfsmittel dar. Die Buchmesse sollte aber auch künftig ein tatsächlicher Begegnungsort der Autorinnen und Autoren, der Vertreter von Verlagen und Medienunternehmen und vor allem des Publikums bleiben. Wenn diese physische Begegnung mehr und mehr entfällt, ist auch der Ort für eine Buchmesse am Ende nicht mehr erforderlich.

Boos ist seit fünfzehn Jahren Direktor der Buchmesse. Natürlich wandelt sich dieses größte Branchentreffen der Welt stets. Aber die Zeichen, die in den zurückliegenden Wochen von der Buchmesse ausgingen, waren beunruhigend. Es gab offenbar zumindest Überlegungen und Gespräche, die Messe mit einem Event der Gamesbranche und mit der wirtschaftlich schwächelnden Musikmesse zusammenzukoppeln. Entsprechende Hinweise haben zu Recht große Unruhe in der Buchbranche ausgelöst. Gerade in einer Zeit, in der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ein neuer Schwund an Leserinnen und Lesern gemeldet wird, in der Verlage wegen Corona wirtschaftlich zu kämpfen haben, müsste die Buchmesse ihr Profil und ihre Eigenständigkeit schärfen.

Stattdessen soll sie jetzt 2021 zeitlich und räumlich parallel mit der Musikmesse ausgerichtet werden, gemeinsame Veranstaltungen sind geplant. Für die eigenständige Marke Buchmesse ist das kontraproduktiv. Es ist unverständlich, dass ein erfahrener Mann der Buchbranche wie der 59-jährige Boos die Gefahren nicht zu sehen scheint.

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