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Frankfurt 28.09.20 BS Anne Frank (HIER eine der Kuratorinnen aus der BS jeanne Nzakizabandi) und das Historische Museum laden zur Auseinandersetzung mit Rassismus ein. Parallel beginnt in der BS die Ausstellung „Hingucker? Kolonialismus & Rassismus ausstellen“ und im HM das Stadtlabor „Ich sehe was, was du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment“.

Frankfurt

Kolonialismus im Blick

  • vonGernot Gottwals
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Bildungsstätte Anne Frank und Historisches Museum wollen gemeinsam wachrütteln.

Die „Erste Deutsche Kolonialausstellung“ in Berlin soll ein Publikumsmagnet werden. Ganze Dörfer aus Afrika und der Südsee hat man auf dem Areal im Treptower Park nachgebaut, Hunderte indigener Menschen nach Berlin verschifft. Doch irgendwann reicht es Kwelle Ndumbe, einem jungen Mann aus dem heutigen Kamerun: Er dreht den Spieß einfach um, kauft sich ein Opernglas und macht die Betrachter der Völkerschau selbst zu Betrachteten. Nun wird das Porträt des mutigen Afrikaners, der einfach die Rollen tauschte, zum Entree gegen Rassismus und Kolonialismus in der Bildungsstätte Anne Frank: Die dortige Ausstellung „Hingucker“ thematisiert bis 21. Februar 2021 gemeinsam mit der Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ im Historischen Museum (bis 28. Februar) den Alltagsrassismus und rückt dabei die Betroffenen in den Blickpunkt.

Ursprünglich war im Historischen Museum geplant, eine Wanderausstellung über Rassismus aus dem Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu zeigen, die die Bildungsstätte Anne Frank mit einem Begleitprogramm ergänzen sollte. „Dann wurde klar, dass wir das in diesem Umfang wegen der Corona-Krise nicht realisieren können“, sagt Museumsdirektor Jan Gerchow. Daher zeigt das Historische Museum nun eine Stadtlabor-Ausstellung, die mit künstlerischen Installationen und Podcasts Exponate aus der kolonialen Geschichte Frankfurts und Deutschlands kritisch würdigt.

Frankfurt 28.09.20 BS Anne Frank und das Historische Museum (HIER) laden zur Auseinandersetzung mit Rassismus , im HM das Stadtlabor „Ich sehe was, was du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment“.

So macht die Soundkünstlerin Elsa M’bala in ihrem Audioprojekt „Decolonize Frankfurt“ eine Wanderung durch die postkoloniale Geschichte Frankfurts hörbar und bietet Nachfahren kolonialisierter Menschen eine Plattform. „Denn auch hier gab es Völkerschauen im Zoo oder im Palmengarten“, erklärt Kuratorin Pameh Henning. Die Installation „Yellow Banana“ der Künstlerin Olivia Hyunsin setzt sich kritisch mit antiasiatischem Rassismus auseinander: Bei ihr spielen Fächer aus Ostasien eine Rolle, die mit dem Kolonialhandel im 17. Jahrhundert zum begehrten Statussymbol und deshalb sogar in Europa hergestellt wurden.

Auch die Bildungsstätte Anne Frank zeigt naiv anmutende Kunst aus den Kolonien aus kritischer Perspektive: Dieses Mal ist es ein Gemälde von Friedrich Wilhelm Kuhnert aus dem 19. Jahrhundert, das eine Szene aus einem indigenen Dorf mit schwarz-weiß-roter Reichsflagge durch optische Brüche verfremdet. „So distanzieren wir uns selbst von dieser Sichtweise und machen uns diese Kunst nicht zu eigen“, erklärt der Kurator Isa Mahmut.

Die Ausstellung „Hingucker“ widmet den ersten Ausstellungsraum der kolonialen Gewalt und legt dar, wie die Wissenschaft versuchte, Menschen in „Rassen“ einzuteilen, zu entrechten und in Hierarchien einzuordnen – meist mit dem Ziel, koloniale Herrschaftspraxis zu legitimieren.

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