So manch spannend Ding steckt in der Kokosnuss drin?.
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So manch spannend Ding steckt in der Kokosnuss drin?.

Ausstellungen in Frankfurt

Wer hat die Kokosnuss geklaut?

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Die große Jahresausstellung im Frankfurter Palmengarten bringt die Besucher auf die Palme.

Palmen sind nicht direkt bescheiden in ihrer Art. Die tropische Raphiapalme etwa hat Blätter, die so lang werden können, wie zwei Wohnhäuser hoch sind, übereinandergestapelt, sagt Hilke Steinecke. „Mit Spitzdächern!“ Die Häuser. Damit sind die Blätter dieser Palme die längsten im Pflanzenreich, erfährt das staunende Publikum, während die Palmengarten-Kustodin schon den nächsten Weltrekordhalter vors Mikrofon wuchtet: den Samen der Seychellenpalme, nur echt von den gleichnamigen Inseln, bis zu 25 Kilo schwer. 

Wo sonst sollten diese Fabelgewächse thematisiert werden als im Palmengarten. Am Donnerstag hat dort eine Ausstellung begonnen, die folgerichtig ist an diesem Ort: „Palmen“. Auch der Zeitpunkt ergibt Sinn: 2018 jährt sich zum 150.-mal der Tag, an dem ein Komitee gegründet wurde, um die Biebricher Wintergärten zu erwerben – die Basis für den Pflanzenbestand in Heinrich Siesmayers Meisterstück, dem Palmengarten, der drei Jahre später eröffnet wurde. Das wird dann 2021 groß gefeiert, jetzt aber schon mal etwas kleiner, aber würdig: mit der Palmenschau. 

Ein riesiges Strandfoto – mit Palmen – begrüßt die Besucher. Man kann sich gegenseitig davor fotografieren. Drinnen in der Galerie: jede Menge Palmen natürlich, insgesamt rund 100 aus 40 Arten. Der Palmengarten besitze 180 Arten aus 82 verschiedenen Gattungen, berichtet Steinecke, und weltweit gebe es rund 2500 Arten aus etwa 200 Gattungen. 

Den Wert dieser Pflanzen zeigen viele Schautafeln und Vitrinen. Da sind Nüsse, Stämme und Blätter ausgestellt, die Nutzungsarten und auch die Produkte, die aus Palmen gewonnen werden: Datteln, Gelee, Chips, sogar Limonade. Beim Anblick der Kokosmilchpackung scheint sofort der Duft thailändischer Gerichte in der Luft zu liegen. Hilke Steinecke, selbst ernannte „Sammeltante“, köpft gekonnt eine Kokosnuss und hat jede Menge Palmiges zusammengetragen.

Eine mit Palmen dekorierte Ledertasche vom Flohmarkt. „Palmbräu“-Bierflaschen samt Bierdeckel. Die Eröffnungsgäste stöbern. Und erfahren Ungeahntes: Die Palmyrapalme produziert nicht nur essbare Früchte, von denen die Sammlerin und Fotografin Jennifer Markwirth einige zur Ausstellung beisteuert. Die Blätter dieser Palme werden auch zu länglichen Büchern verarbeitet, die in ihrer Form an Jalousien erinnern und eingravierte Texte enthalten, Religion, Wissenschaft, Kochrezepte. Die Tradition lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. 

Auch eine Hütte aus Palmenteilen (samt Herzchen-Fußmatte) ist in der Ausstellung vertreten, und natürlich das Reizthema Palmöl. Obwohl die Welt weiß, dass dafür ganze Urwälder abgeholzt, Orang-Utans und andere Tiere getötet und vertrieben werden, produzieren immer noch zu viele Firmen Lebensmittel und Kosmetik damit. Der Palmengarten zeigt solche Produkte – und andere, die bewusst ohne Palmöl auskommen, etwa Biowürze, -nougatcreme, -margarine und Schafmilchseife.

Was will die Schau? „Unsere Palmen preisen“, sagt Hilke Steinecke, „aber auch das Palmölproblem kritisch beleuchten – und zeigen, dass Palmen weltweit ein wichtiges Glied im Ökosystem Regenwald sind.“ Ein klarer Fall für den Artenschutz also.

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