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"So habe ich mich noch nie gesehen": Karl-Heinz Körbel mit einem Scan seines Gehirns im Bad Sodener Krankenhaus.
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"So habe ich mich noch nie gesehen": Karl-Heinz Körbel mit einem Scan seines Gehirns im Bad Sodener Krankenhaus.

Eintracht Frankfurt

Körbels Gehirn im Museum

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Der frühere Eintracht-Star Karl-Heinz Körbel lässt bei bester Laune sein Denkorgan in der Klinik scannen, damit das Senckenberg-Museum in Frankfurt es 50-fach vergrößert zeigen kann.

Man muss nicht seit 45 Jahren Eintracht-Fan sein, um das großartig zu finden: dass Karl-Heinz-Körbel dem Senckenberg-Naturmuseum sein Gehirn schenkt. Es genügt völlig, ihm ein Viertelstündchen zuzuhören an diesem herrlichen Dienstagmorgen im Bad Sodener Kreiskrankenhaus. Wie der frühere Eintracht-Kapitän, Rekordspieler der Fußball-Bundesliga, darüber redet, dass nun gleich sein Denkorgan gescannt wird – als Vorlage für das riesige Hirnmodell, das später einmal die neue Museumsabteilung „Mensch“ zieren soll.

Er sei nach wie vor unheimlich stolz, sagt Körbel, den auch heute alle nur Charly nennen, stolz darauf, dass die Wähler mit großer Mehrheit für sein Gehirn votierten. Sie hätten sich für die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall entscheiden können. Oder für Nobelpreisträger Albert Einstein. „Dass ich mich gegen Einstein durchsetze, damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Körbel. „Jeder kennt Einstein!“

Vom Stolz also, aber auch vom immer noch „komischen Gefühl“ berichtet der 62-Jährige der zahlreich versammelten Presse mit schelmischem Blick: „Wenn meine Lehrer von damals lesen, dass mein Gehirn ausgestellt wird ...“

Und dann gerät der einstige Klasseverteidiger ins Schwärmen: „Meine Mutter wird durch mein Gehirn gehen können! Das ist ja fast wie im Heidelberger Schloss, wo die ganzen Japaner durchlaufen. Und die Schulklassen. Die laufen dann durch mein Gehirn. Wenn ich mal nicht mehr da bin, ist mein Gehirn immer noch da.“

Je länger Körbel spricht, desto vergnügter werden die Mienen der Jornalisten und Gehirnfachleute. „Das ist auch eine tolle Botschaft an meine Kollegen“, ulkt er eingedenk der allzu selten überschätzten kognitiven Fähigkeiten von Berufsfußballern. „Es wird ein schönes Hobby sein, mich neben dem Fußball auch um mein Gehirn zu kümmern“, kündigt er launig an. Und: „Mein Gehirn entwickelt sich weiter.“ Wobei die sportlichen Abläufe alle noch in seinem Kopf seien, wie die Spiele mit der Traditionsmannschaft der Eintracht zeigten. „Die Natur hat es gut mit mir gemeint.“

Jetzt aber hinüber in die Radiologie. Da steht das notwendige Gerät für die Magnetresonanztomografie. „Vorsicht! Starkes Magnetfeld“ warnt ein Schild an der Tür. Weil das Ganze nicht ohne ist und auch Vertrauen erfordert, bestand Körbel darauf, den Scan in Bad Soden zu machen, wo er seit aktiven Zeiten bestens bekannt ist. Die Hertie-Stiftung, größte private Förderin der Hirnforschung in Deutschland, unterstützt das Senckenberg-Projekt mit einer Million Euro – und ist froh über den sportlichen Gehirn-Paten. „Fußball ist eine spannende Tätigkeit fürs Gehirn“, sagt Geschäftsführer Michael Madeja – und eine Herausforderung für die Wissenschaft. Denn ein Schachcomputer, der gegen die besten menschlichen Schachspieler gewinnen kann, sei vergleichsweise einfach zu entwickeln gewesen. „Aber jetzt läuft die Wette, wer einen Roboter baut, der einem Fußballer möglichst nahe kommt.“ In den einfachsten geraden Spannstoß, im Stand ausgeführt, sei schon ein großer Teil der Hirnrinde involviert, schildert Madeja: „Wie muss das dann erst im Fußballspiel sein?“ Ein Roboter sei schließlich „gut in der Ballbehandlung, aber grottenschlecht im Zusammenspiel“.

So. Nach geschätzten 10 000 Hechtkopfbällen fährt der Charly jetzt, ebenfalls den Kopf voran, in den 1,5-Tesla-Tomografen, um sein Gehirn zu scannen. Aus den Daten wird dann im 3D-Drucker ein kleines Modell und daraus wiederum mit Metallrahmen, Holz und Kunststoff das riesige begehbare Gehirn, erläutert Museumsplaner Martin Cepek.

Ein großes Vergnügen. Schon in der Pressekonferenz kursiert ein weiteres Modell, was später in der Radiologie zu unbezahlbaren Dialogen führt: „Hat eigentlich jemand das Gehirn mitgenommen?“ – „Ich hab’ meins dabei.“

Körbel erinnert sich gern daran, wie er vor 55 Jahren zum ersten Mal im Senckenberg-Museum war. Und er erzählt, dass es ein Foto gibt mit ihm und seiner Frau, der studierten Biologin, die er bald nach der Hochzeit ebenfalls ins Museum führte, weil er ihr nicht immer nur Fußball zumuten wollte. Eine gewachsene Verbundenheit, so wie zwischen Charly und den Fans. „Ich glaube“, sagt er, „das wird eine runde Sache mit meinem Gehirn.“

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