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„Reichsbürger“ in Frankfurt: Vereinsheim-Eröffnung besorgt die Menschen im Riederwald

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Von: Fabian Böker, Oliver Teutsch

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In Frankfurt-Riederwald soll ein Vereinsheim der „Reichsbürger“-Bewegung eröffnet werden. Die Anwohnerinnen und Anwohner zeigen sich besorgt.

Frankfurt – Aufregung im Riederwald: In der Straße Am Erlenbruch, Hausnummer 94, soll ein Vereinsheim eröffnen, und es verdichten sich die Anzeichen, dass es sich dabei um ein Projekt der „Reichsbürger“-Bewegung handelt.

Das Lokal soll dem Verein Lebensglück e.V., der seinen Sitz in Griesheim bei Darmstadt hat, als Vereinslokal dienen. Konzipiert ist das Ganze als sogenannter Gesundheitsknotenpunkt. Das bedeutet, dass sich mehrere Anbieter aus dem Gesundheitssektor präsentieren und ihre Produkte anbieten. Die sind in Fachkreisen allerdings umstritten. Zutritt erhalten nur Vereinsmitglieder; eine kostenlose Tagesmitgliedschaft kann aber beim Einlass abgeschlossen werden.

Demonstrantinnen und Demonstranten der „Reichsbürger“-Bewegung. (Archivfoto)
Demonstrantinnen und Demonstranten der „Reichsbürger“-Bewegung. (Archivfoto) © Imago

All diese Informationen gibt David Ekwe Ebobisse. Der gebürtige Frankfurter wird – bisher als einziger Partner – mit seinem Unternehmen „Rohkosteria“ vertreten sein und an einer kleinen Theke vegane Speisen zum Mitnehmen anbieten. Doch mit Ekwe Ebobisse hat der Demokratiekreis Riederwald ein ziemliches Problem. Denn er ist „Reichsbürger“. Er ist im vergangenen Jahr dem Königreich Deutschland (KRD) beigetreten, einem 2012 gegründeten Fantasie-Staat.

„Reichsbürger“ in Frankfurt: Partner des Vereinsheims verbreitet Verschwörungsmythen

Ekwe Ebobisse, der im Internet unter den Namen „Dr. Raw“ und „Mr. Raw“ auftritt, geht damit sehr offen um. In mehreren YouTube-Videos redet er überschwänglich von seinem Austritt aus Deutschland und seinem Eintritt in das Königreich, schwärmt von den Vorteilen und gibt Tipps für Nachahmer:innen.

Er gibt aber auch andere Sachen von sich. Spricht davon, dass Deutschland ein besetztes Land und die BRD kein souveräner Staat sei. Behauptet, dass in Deutschland eine Diktatur begonnen habe. Schwadroniert von den Rockefellers und Rothschilds, die er als Geldadel und Geld-Dynastien bezeichnet, die alle anderen Länder im Würgegriff hätten. Redet von Mächten, die alles orchestrieren würden.

Im Gespräch stellt er klar, „dass ich kein Nazi bin“. Das gehe auch gar nicht, da er eine schwarze Hautfarbe habe. Konfrontiert mit einigen seiner Aussagen entgegnet er, da sei er manchmal vielleicht über das Ziel hinausgeschossen. Letztendlich wolle er nur frei leben, und zwar im KRD. Im Vereinsheim wolle er einfach nur Salat verkaufen, so wie er das an den bisherigen Standorten der Rohkosteria im Sandweg und auf der Berger Straße auch getan habe.

Frankfurt: Ansprechpartner des Vereinsheims ist Mitglied des „Königreich Deutschlands“

Im Verein Lebensglück sei er einfaches Mitglied, mit „Reichsbürgern“ habe der Verein nichts zu tun. Als Ansprechpartner nennt er aber einen gewissen Jens Becker. Und der ist eigenen Angaben zufolge Mitglied des KRD, wenn auch „derzeit nicht aktiv“, wie er sagt. Er betont, dass der Verein kein Sprachrohr des KRD sei. Man werde im Lokal auch kein Infomaterial auslegen und keine „Reichsbürger“-Seminare anbieten.

Eröffnen soll das Lokal an Silvester. Karten dafür werden für 25 Euro über eine Homepage von David Ekwe Ebobisse verkauft. Und in den dortigen AGB heißt es: „Wir weisen darauf hin, dass Sie für die Dauer der Geschäftsbeziehung [...] eine temporäre Zugehörigkeit zum Königreich Deutschland (KRD) besitzen.“ Auch das bestätigt Ekwe Ebobisse, weist aber auf eine Abendkasse hin, wo dieser Passus nicht gelte.

Mutmaßliches „Reichsbürger“-Vereinsheim in Frankfurt: Mietverhältnis soll gekündigt werden

Ob es aber überhaupt zu der Feier kommt, ist unklar. Denn die städtische ABG Holding, der die Liegenschaft gehört, will das Mietverhältnis kündigen. Einen Kontakt zur „Reichsbürger“-Szene weist Konzernchef Frank Junker entschieden zurück. Für die Liegenschaft gebe es einen langfristigen Mietvertrag mit dem Betreiber eines China-Restaurants, der darum gebeten habe, seine Räumlichkeiten an den Verein Lebensglück untervermieten zu dürfen.

Ziel sei die Etablierung einer öffentlichen Vereinsgaststätte gewesen. Doch nachdem man dann mitbekommen habe, dass dahinter womöglich etwas anderes stecke, sei man „hellhörig geworden“ und habe festgestellt, dass eben keine öffentliche Vereinskneipe eröffnen soll. Da als Zweck der Untervermietung aber genau das beantragt gewesen sei, habe die ABG die Genehmigung nun widerrufen. Somit sei auch die Eröffnungsfeier an Silvester nicht genehmigt. Ob sich Mieter und Untermieter daran halten, kann Junker jedoch nicht sagen. (Fabian Böker, Oliver Teutsch)

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