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Beim Frauen-Ruderverein Freiweg dürfen Männer schon seit Jahren mitrudern. Wie hier beim Anrudern im Jahr 2007.  

Freizeit

Gibt es reine Frauen- oder Männervereine in Frankfurt?

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Reine Frauen- oder Männervereine sind in Frankfurt eher die Ausnahme. Oftmals täuschen die Namen, wie etwa beim Frauen-Ruderverein Freiweg.

Der Vorschlag von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat in dieser Woche für einigen Wirbel gesorgt. Vereine, die Frauen ausschließen, sollen keine Steuervorteile mehr genießen. Aber gibt es in Frankfurt überhaupt Vereine die nur Männer oder Frauen aufnehmen?

Der Name Frauen-Ruderverein Freiweg Frankfurt, suggeriert zwar, dass dort nur Frauen Mitglied sein dürfen, allerdings täuscht der Name. Zwar war der Ruderverein ursprünglich ein reiner Frauenverein, allerdings ist das bereits seit den 1970er Jahren Geschichte.

Der Verein wurde 1927 von Frauen gegründet, da diese in anderen Vereinen nicht die Möglichkeit hatten zu rudern. In den 70ern wurde der Verein dann auch für Männer geöffnet. Grund dafür war das Interesse der Ehemänner und Väter, an der Freizeit ihrer Frauen und Töchter teilzuhaben. So durften Männer anfangs als passive und später dann als aktive Mitglieder dem Frauen-Ruderverein beitreten.

Das Angebot des Vereins richtet sich immer noch vor allem an Frauen. Antje Stachel, Vorsitzende des Vereins, erklärt, dass die Mitglieder des Vereins zu einem Drittel Männer und zu zwei Dritteln Frauen sind. „Bei uns sollen Frauen nicht um ihren Platz kämpfen müssen“, sagt Antje Stachel. Die Vorsitzende des Vereins erklärt ebenfalls: „Männer haben in unserem Verein auch ihren Platz, aber nur wenn sie sich im Sinne der Gleichberechtigung verhalten.“

Beim Kochen unter sich

Beim Männergesangverein Eintracht 1880 e.V. Frankfurt Zeilsheim sieht es ähnlich aus. Zwar ist der Gesangsverein laut Titel ein Verein für Männer, in der Praxis ist das allerdings anders. Stefan Wachendörfer, erster Vorsitzender des Vereins, erläutert, dass früher nur Männer mitsingen durften, das sei aber bereits mehrere Jahrzehnte her. „Wir haben Männerchöre, Kinderchöre und gemischte Chöre. Bei uns ist jeder willkommen“, sagt Stefan Wachendörfer.

Beim Männer-Koch-Club Seckbach sind bis heute nur Männer zugelassen. Der Koch-Club existiert seit 1979. Einer der Mitgründer ist Hermann Fink. Der 80-Jährige erzählt, dass die Idee für den Koch-Club kam, nachdem er und zehn weitere Männer an einem Kochkurs der Gemeinde Maria Rosenkranz teilnahmen. Die Männer fanden Gefallen am Kochen, und seit nunmehr 40 Jahren stehen sie alle zwei Wochen gemeinsam am Herd.

Zur Zeit umfasst der Club sieben Mitglieder und nimmt keine weiteren Interessenten auf. „Für mehr Leute ist die Küche zu klein“, sagt Hermann Fink. Beim Männer-Koch-Club Seckbach geht es in erster Linie um ein lockeres Beisammensein und Spaß am Kochen, egal ob für sich selbst oder für eine der Veranstaltungen der Gemeine Maria Rosenkranz, bei denen der Koch-Club regelmäßig auftischt.

Auch der Verein Frauen in Bewegung erlaubt nur weibliche Mitglieder. Ziel des Vereins ist es seit fast 35 Jahren, einen Schutzraum zu bieten, in dem Frauen ihre eigene Kraft entdecken können. Sunny Graff, Gründerin des Vereins, erzählt, dass viele Frauen die in den Verein kommen, bereits Gewalt ausgesetzt waren, oft durch Männer.

Deshalb sind dort nur Frauen zugelassen. Außerdem gibt es nur weibliche Trainer. Wegen des Vorstoßes von Olaf Scholz, macht man sich in dem Verein keine Gedanken. Sunny Graff: „Wir leisten einen besonderen Dienst an der Gesellschaft, indem wir uns für die Selbstverteidigung und Selbstbehauptung von Frauen einsetzen“.

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