Der Mainkai bleibt vorerst gesperrt.
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Der Mainkai bleibt vorerst gesperrt.

Verkehr

Koalition behält Mainkai-Sperrung bis August 2020 bei

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Befürworter und Gegner des Verkehrsversuchs tauschen im Verkehrsausschuss ihre Argumente aus.

So voll war es am Dienstagabend im Verkehrsausschuss des Römers, dass die meisten Zuhörer stehen mussten. Knapp Hundert Besucher waren gekommen. Wieder einmal ging es um die Sperrung der nördlichen Mainuferstraße. „Vielleicht sollten wir den Verkehrsausschuss in die Paulskirche verlegen“, scherzte der Ausschussvorsitzende Wolfgang Siefert (Grüne). Er ließ die Bürgerfragestunde 80 Minuten laufen.

Seit Monaten schon kommen Befürworter und Gegner der Mainkai-Sperrung in den Verkehrsausschuss, um ihre Argumente auszutauschen. Diesmal sortierte Siefert die Rednerliste: auf Gegner der Sperrung antworteten deren Freunde.

Barbara Zechmeister, die am nördlichen Mainufer wohnt, führte aus, sie brauche mit dem Auto mittlerweile drei Mal so lange in ihre Garage. Oliver Strank (SPD), Vorsitzender des Ortsbeirats 1, sagte daraufhin, die Sperrung der Mainuferstraße beschere der Stadt mehr Lebensqualität. Manuela Mock, Inhaberin von „Transnormal“, entgegnete, auf der gesperrten Mainuferstraße sei nie etwas los, während sich der Verkehr am Baseler Platz „gefühlt verhundertfacht“ habe. Dem hielt Carel-Sue Lehmann aus Sachsenhausen entgegen, sie ersticke allmorgendlich auf dem Rad beinahe an den Abgasen am südlichen Mainufer. Dann atme sie auf, wenn sie ans nördliche Mainufer komme. „Bei uns in Sachsenhausen wollen wir auch so eine Verkehrsberuhigung“, sagte sie.

Jochem Heumann (CDU), der frühere planungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, sagte, er spreche wohl für alle Sachsenhäuser, Oberräder und Niederräder, wenn er das Aus der Sperrung fordere. „Wir haben keinen Bock, noch länger darauf zu warten“, rief er in den Raum hinein. „Die Argumente sind seit Monaten die gleichen“, stellte Nico Wehnemann (Die Partei) fest. Was die Innenstadt brauche, sei weniger Autoverkehr und mehr ÖPNV. Martin Kliehm (Linke) suchte nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner: „Wir alle wollen weniger Verkehr vor der eigenen Haustür.“ Um eine Verkehrswende herbeizuführen, werde es nicht bei dieser einen Restriktion bleiben. Annette Rinn (FDP) und Reinhard Stammwitz (AfD) forderten daraufhin das Ende der Verkehrsversuchs.

Auch die CDU sei für eine Ende der Sperrung, betonte Martin Daum (CDU). Aber die Sperrung sei Teil des Koalitionsvertrags, und die CDU werde „nicht wortbrüchig“. Daher trage sie den Verkehrsversuch bis zum Ende im August mit. „Dann werden wir aber nicht für die Fortsetzung stimmen.“

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) verteidigte das Projekt. „Ich hoffe, das ist nicht die letzte Straße, die wir sperren werden. Wir müssen mit der Verkehrswende anfangen.“ Das sei sinnvoller, als irgendwelche Verkehrskonzepte zu fordern, über die jahrelang diskutiert werde, ohne dass sich etwas bewege.

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