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Kneipen in Frankfurt: Sorge um Mischung im Stadtteil wächst

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Von: Christoph Manus

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Conni Rädler (Links) hätte das Heck Meck im Frankfurter Stadtteil Bockenheim gern von Michaela Schaar übernommen.
Conni Rädler (Links) hätte das Heck Meck im Frankfurter Stadtteil Bockenheim gern von Michaela Schaar übernommen. © Peter Jülich

Die Stadt Frankfurt hat wenig Möglichkeiten, kleinen Lokalen zu helfen, die plötzlich viel höhere Mieten zahlen sollen. Daraus macht Stadtrat Josef keinen Hehl. Zwei Ansätze sieht er dennoch.

Das drohende Aus für das Heck Meck in Bockenheim ist nur eines der jüngsten Beispiele. Immer wieder geben in Frankfurt im Stadtteil verwurzelte inhabergeführte Lokale aus finanziellen Gründen auf. Auch nach Einschätzung von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ist die Situation gerade für „normale Kneipen und Cafés“ schwierig. Denn die Gefahr sei immer da, dass die Eigentümer:innen das Auslaufen eines Vertrags nutzten, um die Mieten völlig unangemessen zu erhöhen – „oft in der Hoffnung, einen neuen, hippen Betrieb zu bekommen, der das zahlen kann“.

Schließlich gebe es für den gewerblichen Sektor – anders als im Wohnungsbereich – so gut wie keinen Mieterschutz. Und das habe oft negative Folgen. Denn mit jedem eingesessenen Lokal oder Laden verschwänden „ein Stück Stadt(teil)kultur und beliebte Treffpunkte“. Dafür machten sich dann oft „finanzstarke langweilige Kettenläden und -cafés“ breit.

Für Mieten von Läden und Lokalen gibt es bisher keine Mietendeckel - Änderung nicht in Sicht

Schon vor drei Jahren hat Josef deshalb in einem FR-Interview klargemacht, dass eine Begrenzung der Mietanstiege nach Art der Kappungsgrenze bei Wohnungen auch für Lokale oder Läden sinnvoll sein könnte. Doch über solche Lösungen wird zwar zum Beispiel im Städtetag schon lange diskutiert, entsprechende Gesetze sind aber nicht in Sicht.

Eine Lösung für Vielfalt in den Vierteln sieht Josef in einem größeren Engagement der Stadt selbst, etwa als (Mit)-Betreiberin von Gesellschaften, die neue Flächen für Lokale und Läden verwalten und nach bestem Konzept vermieten. „Wir haben in Frankfurt durchaus gute Erfahrungen gemacht, dort wo wir als Stadt mitreden können“, sagt Josef der Frankfurter Rundschau und nennt die Neue Altstadt, die Braubachstraße und die Fahrgasse als Beispiele. Denn nur so sei es wirklich möglich, „einen guten Mix“ zu steuern.

Stadt Frankfurt führt mit ABG Gespräche über Betreibergesellschaften für Ladenzeilen

Mit der Wirtschaftsförderung und der städtischen ABG Frankfurt Holding sei man in Gesprächen über mögliche Träger- und Finanzierungskonzepte. Diese seien leichter in neuen Quartieren zu etablieren, räumt er ein. Möglichkeiten für die Stadt könne es aber auch bei leerstehenden Immobilien in bestehenden Vierteln geben.

Auch Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) beobachtet, dass Eigentümer:innen von Lokalen die Mietzinsen bei auslaufenden Verträgen oft auf das Doppelte bis Dreifache erhöhten – und damit deren wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machten. „In der Regel nehmen wir Kontakt zum Eigentümer auf und versuchen, die Hintergründe für die Mieterhöhung zu eruieren“, berichtet sie der FR. Verliefen die Gespräche ergebnislos, versuche die städtische Wirtschaftsförderung zumindest eine neue Fläche für den oder die Gewerbetreibenden zu finden.

Wirtschaftsdezernentin Wüst fordert mehr Geld für Frankfurter Wirtschaftsförderung

Wüst hält in der Debatte über die Schließung von Lokalen und Läden nicht zuletzt eine bessere Ausstattung der Wirtschaftsförderung für nötig. Für den kommenden Haushalt fordert sie Geld für die Fortsetzung des Kümmererkonzepts und für eine Ausweitung der Gewerbeberatung. „Oft spielt das Gewerbe in den politischen Debatten und Entscheidungen eine nachgeordnete Rolle“, beklagt sie. Würden jedoch Betriebe oder Läden geschlossen, sei der Ruf nach Unterstützung groß.

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