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Die beiden schätzten sich: Hollein mit Mäzenin Dagmar Westberg im Jahr 2010,

Ehrung für früheren Städel-Direktor

Max Hollein erhält die Goethe-Plakette in Frankfurt

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Max Hollein erhält die Goethe-Plakette. Die Stadt ehrt den früheren Städel-Direktor.

Er ist noch immer keine 50 Jahre alt. Erst am 7. Juli wird Max Hollein diesen Geburtstag feiern. Und doch hat der gebürtige Wiener in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten geradezu ein Feuerwerk abgebrannt an kuratorischer Kreativität und an brillantem Kultur-Management gleichermaßen. Seine Karriere fasst in unglaublicher Verdichtung zusammen, was andere in 70 Jahren nicht annähernd bewerkstelligen.

Wenn Hollein am heutigen Freitag im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses mit der Goethe-Plakette der Stadt ausgezeichnet wird, ist die Zeit zu kurz, um mehr als Schlaglichter zu werfen. Als junger Kurator schon am Guggenheim-Museum in New York. In dieser Zeit begann er sein weltweites Netz von Kontakten zu knüpfen, von dem er in späteren Führungspositionen profitierte. Anderthalb Jahrzehnte war dann Frankfurt seine Bühne. 2001 übernahm er die Leitung der Kunsthalle Schirn – und er strafte all die Unkenrufer Lügen, die behaupteten, mit 32 Jahren könne einer so ein Haus nicht führen.

Hollein schärfte das Profil des Städel 

In kurzer Zeit schärfte er das Profil der Institution, die mit dem Manko fertig werden muss, über keine eigene Sammlung zu verfügen. Dabei gelang es Hollein mit seinem Team in einer geschickten Balance, populäre Klassiker und moderne Avantgarde zu mischen. „Henri Matisse: Mit der Schere zeichnen“ war ein großer Erfolg ebenso wie die Ausstellungen zu Edvard Munch und Georges Seurat und die Gruppenschau von Klimt, Schiele, Kokoschka.

Max Hollein wurde am 7. Juli 1969 in Wien geboren.

Von 1996 bis Ende 2000 arbeitete er am Guggenheim-Museum in New York.

2001 übernahm er die Direktion der Kunsthalle Schirn, von 2006 bis 2016 führte er zusätzlich Städel und Liebieghaus. Von 2016 bis 2018 war er Direktor des Fine Arts Museum San Francisco, seit 2018 führt er das Metropolitan Museum of Art in New York.

Hollein holte die Kuratorin Ingrid Pfeiffer ans Haus, die bis heute schmählich vernachlässigte Künstlerinnen ins Rampenlicht rückt – ihr größter Erfolg waren die „Impressionistinnen“ 2008. Der Direktor verwirklichte aber auch kulturkritische Projekte wie „Shopping – 100 Jahre Kunst und Konsum“, oder er blickte auf die „Traumfabrik Kommunismus – die visuelle Kunst der Stalinzeit“.

Schon damals durfte man sich von der charmanten Verbindlichkeit und vom Wiener Schmäh Holleins nicht täuschen lassen. Hinter diesen Ausdrucksformen verbarg sich der knallharte Arbeiter und der Organisator, der stets eine ganze Reihe von Bällen gleichzeitig in der Luft hielt.

Was Wunder, dass das Kuratorium ihn 2006 auch zum Direktor von Städel-Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung berief. Beide Häuser hat Hollein binnen zehn Jahren inhaltlich und baulich neu aufgestellt. Er organisierte die Bestände des Liebieghauses in der Dauerausstellung neu und verband sie in provozierender Weise mit einer umstrittenen Ikone der zeitgenössischen Kunst: „Jeff Koons, The Sculptor“ wurde 2012 zur erfolgreichsten Ausstellung des Hauses. 

Unterirdischen Erweiterungsbau geschaffen 

Noch tiefgreifender waren die Veränderungen beim altehrwürdigen Städel. Mit den Gartenhallen wurde 2012 ein unterirdischer Erweiterungsbau für die Gegenwartskunst eröffnet. Hollein kurbelte eine Kampagne an, deren Kennzeichen gelbe Gummistiefel waren und die dazu führte, dass von 52 Millionen Euro Gesamtkosten die Hälfte aus privaten Quellen kam. Inhaltlich kombinierte er im Städel wunderbare kleine Kabinettausstellungen wie etwa Wilhelm Lehmbruck oder Martin Kippenberger mit Blockbustern wie Albrecht Dürer, Cranach dem Älteren oder Botticelli.

Auch hier gelang es ihm, junge Kuratoren zu holen wie Felix Krämer, der eine eigene Sprache entwickelte in Ausstellungen wie „Schwarze Romantik“, „Geschlechterkampf“ oder „Matisse/Bonnard“. Heute ist Krämer Generaldirektor der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

Hollein bewies großes Geschick im Umgang mit Mäzenen und Sponsoren. Dazu nur eine Zahl: Von 2006 bis 2012 konnte er die Sammlung des Städel um 1200 neue Werke erweitern. Nach zehn Jahren zog es den Kurator in die USA zurück – aber das ist eine andere Geschichte.

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