Chronik

Klinikum Höchst zieht erste Konsequenzen

  • schließen

Viel Aufregung gab es in der Vergangenheit um das Klinikum. Die Ereignisse im Übeblick.

Ende März sendete RTL den Beitrag des „Team Wallraff undercover“ über Psychiatrien in Deutschland. Unter anderem hatte eine Reporterin als Praktikantin in der geschlossenen Station der Psychiatrie des Klinikums Frankfurt-Höchst heimlich gefilmt. Der Bericht zeigt mangelhafte medizinische Betreuung, häufige und lange Fixierungen von Patienten, ruppiges und genervtes Personal. Es ist laut und schmutzig, die Stimmung aggressiv.

Das Klinikum kritisierte die „ausschnittsweise Betrachtung“. Die Darstellung der Arbeit auf der Station sei „stark verkürzt“ und „aus den Zusammenhängen gerissen“.

Die Öffentlichkeit war erschüttert. Psychiatriebetroffene und Angehörige gaben zu Protokoll, dass diese Zustände kein Einzelfall seien. Sie forderten mehr Personal, weniger Medikamente und Fixierung nur als allerletztes Mittel. Der Landtag und das Stadtparlament nahmen das Thema auf ihre Tagesordnungen.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) führte als Fachaufsicht Gespräche mit Vertretern der Stadt und des Klinikums. Zehn Tage später teilen sie mit: Ein externer Gutachter untersucht die Station, das Personal wird nachgeschult. Die Räume in dem Gebäude aus den 80er Jahren würden freundlicher gestaltet, Putzintervalle verkürzt. Es werde mehr Platz geschaffen. Der Neubau für die Psychiatrie sei allerdings frühestens in fünf Jahren fertig.

Das Ministerium kündigte an, monatlich Gespräche mit dem Klinikum zu führen und die Fixierungsprotokolle der vergangenen Monate zu sichten. Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts bedarf es einer richterlichen Anordnung und einer Eins-zu-eins-Betreuung durch qualifiziertes Pflegepersonal, um Patienten festzubinden.

Bei den Besuchskommissionen setzte Klose die Mindestzahl der Mitglieder nach unten, damit sie den Auftrag erfüllen können, den das vor eineinhalb Jahren in Kraft getretene hessische Psychisch-Kranken-Gesetz vorschreibt: In den ersten zwei Jahren mindestens ein Mal pro Jahr alle psychiatrischen Krankenhäuser aufzusuchen, in denen Menschen nach diesem Gesetz untergebracht werden, danach mindestens alle drei Jahre – immer mit Voranmeldung.

Am 8. April leitete die Anklagebehörde gegen Mitglieder der Geschäftsführung ein Verfahren wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung ein. Die Anzeigen stammen von zwei Bürgern, die der Klinik vorwerfen, Psychiatriepatienten ohne ausreichen Grund zu fixieren. „Wir wurden von der Staatsanwaltschaft bisher noch nicht darüber informiert“, sagte eine Kliniksprecherin der FR am Mittwoch.

Ende April nahm der Psychiater Hans-Joachim Kirschenbauer seine Beratertätigkeit am Klinikum Frankfurt-Höchst auf. Seine Arbeit werde mehrere Monate in Anspruch nehmen, teilte die Klinik mit. Er gebe monatliche Berichte, um gegebenenfalls umgehend etwas zu ändern. Die Klinik stehe im ständigen Austausch mit dem Sozialministerium und dem städtischen Gesundheitsdezernat.

Folgende Änderungen sind laut Klinik seit Mitte März erfolgt: Deeskalationsschulung für das komplette Team. Sobald ein geeigneter Supervisor gefunden ist, soll es regelmäßige, berufsgruppenübergreifende Supervision geben. Die Aufnahme von Patienten kann auch außerhalb der Station erfolgen.

In Vorbereitung sei der Umzug einer nicht-psychiatrischen Station, die mehr Platz schaffen soll. Auch werde derzeit ein Konzept über die Einrichtung eines Krisenraums für Patienten erarbeitet.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare