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Klinikum Höchst: Neu gebaut imPassivhausstandard

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Von: Jutta Rippegather

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Das Klinikum in Höchst ist im Passivstandard gebaut worden. Christoph Boeckheler
Das Klinikum in Höchst ist im Passivstandard gebaut worden. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Beim Klinikum Höchst bewies die Politik Weitsicht

Die Entscheidung fiel vor zwölf Jahren. Der geplante Neubau der städtischen Kliniken in Höchst solle in der sogenannten Passivhausbauweise erfolgen, teilte die Stadt Frankfurt im Juli 2010 mit. „Wir wollen zeigen, dass nicht nur im Wohnungs- und Schulbaubereich nachhaltiges und klimaschonendes Bauen möglich ist“, sagte die damalige Gesundheits- und Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne). In den Folgejahren plädierten Vertreter:innen anderer Parteien wiederholt, auf eine konventionelle Bauweise umzuschwenken: aus Kostengründen und weil man sich „erhebliche Probleme“ mit Schimmel und Keimen erspare (Renate Wolter-Brandecker, SPD). Jetzt ist das neue Gebäude fertig. Im Herbst soll es bezogen werden. Die kritischen Stimmen sind verstummt. Denn: Energiesparen ist das Gebot der Stunde.

Die damaligen Entscheidungsträger:innen im Frankfurter Römer haben Weitsicht bewiesen. Die Kosten haben sich zwar stark erhöht – veranschlagten waren 170 Millionen Euro. Jetzt liegt das Gesamtinvestitionsvolumen bei 262 Millionen Euro – davon übernimmt das Land 54 Millionen Euro. Doch das liege weniger an der Bauweise, sagt Jürgen Schnieders vom Passivhausinstitut Darmstadt. Das hat das „weltweit erste Krankenhaus“, das den Anforderungen eines Passivhauses gerecht wird, begleitet und jüngst zertifiziert.

Im Vergleich zum noch genutzten Altbau spare das neue Gebäude rund 75 Prozent der Energiekosten ein, im Vergleich zu einem konventionellen Neubau sei es noch die Hälfte. Die Mehrkosten in Höhe von sechs Prozent amortisierten sich. Der Nettogewinn überwiege.

Krankenhäuser zählen zu den größten Energiefressern unter den Gebäuden. Sie benötigen relativ hohe Raumtemperaturen, es herrscht ein 24-Stunden-Betrieb, Licht und Lüftung sind im Dauereinsatz. Doch die größte Stromverbraucherin sei die Medizintechnik, sagt Schnieders. Er weiß, wovon er spricht. Das Passivhausinstitut hat im Auftrag des hessischen Wirtschaftsministeriums eine Grundlagenstudie erstellt, die erstmals den Energiebedarf von Krankenhäusern komplett erfasst – inklusive Geräte und EDV. Die Idee: Höchst soll als Vorbild dienen.

Geheizt wird mit einem konventionellen Gaskessel, Wissenschaftler der Universität Kassel experimentieren parallel dazu mit Brennstoffzellen, die zukünftig mit Wasserstoff betrieben werden können. Die Wände und Fensterrahmen sind besser gedämmt. Alle Räume verfügen über eine Lüftungsanlage, die die Wärme zurückgewinnt und für eine angenehmere geruchsfreie Luftqualität sorgt.

Die Raumtemperatur werde den Bedürfnissen entsprechend reguliert, sagt Schnieders. Auch in Passivhäusern ließen sich Fenster öffnen. Aber sie müssten es nicht, um frische Luft hereinzulassen.

Das aus vier Querriegeln bestehende Gebäude ist acht Stockwerke hoch, darunter sind sechs oberirdisch. Es hat eine Bruttogeschossfläche von mehr als 78 000 Quadratmetern, verfügt über einen Hubschrauberlandeplatz, 670 Betten und rund 40 tagesklinische Plätze. Es gibt zehn Operationssäle – darunter ein hybrider. In dem Gebäude sollen rund 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten.

www.neubau-klinikum-frankfurt.de

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