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Klinikum Höchst in Frankfurt: Happy End nach vielen Verzögerungen

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Von: Steven Micksch

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Der Hybrid-Operationssaal wird besonders für Nano- und Gefäßchirurgie genutzt werden.
Der Hybrid-Operationssaal wird besonders für Nano- und Gefäßchirurgie genutzt werden. © Michael Schick

Mit der Schlüsselübergabe endet eine lange Bauzeit am Klinikum Höchst in Frankfurt. Der Umzug wird noch eine Herausforderung. Anschließend profitieren Patientinnen und Patienten sowie das Personal von der neuen Qualität.

Noch immer bibbern die Verantwortlichen des Varisano-Konzerns täglich, ob wirklich alles gutgeht. Die Anspannung wird sich wohl erst legen, wenn der Umzug in den Neubau am Klinikum Frankfurt-Höchst wirklich erfolgt ist. Zu oft gab es in den zurückliegenden Jahren neue Hiobsbotschaften über Baumängel und noch ausstehende Genehmigungen und Abnahmen. Die Schlüsselübergabe am Montag war immerhin ein weiterer wichtiger Meilenstein, damit das Krankenhaus am ersten Februarwochenende im neuen Gebäude wirklich an den Start gehen kann.

Geschäftsführung spricht von Quantensprung

Der große Umzug kommt am 4. und 5. Februar auf das Personal und vor allem auch die Patientinnen und Patienten zu. Der Plan, wann welche Abteilung umzieht, steht. Wer kann, läuft selber, ansonsten werden die zu Pflegenden gefahren, getragen, geschoben. Und während im neuen Gebäude der Betrieb beginnt, wird er auf den alten Stationen noch fortgesetzt, etwa in der Geburtsklinik. Eine wahrlich logistische Mammutaufgabe.

Trotz allem herrscht im Klinikum ein bestimmtes Gefühl vor: Vorfreude. Die alten Räumlichkeiten aus dem Jahr 1965 sind am Ende und der Neubau werde für alle „ein Quantensprung“ sein. So sagt es der Vorsitzende der Geschäftsführung der Varisano-Klinikgruppe, Martin Menger, immer wieder dieser Tage. Beim Gang durch das Gebäude wird die starke Verbesserung der Qualität schnell spürbar.

Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach

Angefangen mit Banalitäten, etwa dass es jetzt acht Aufzüge für Besucherinnen und Besucher (insgesamt sind es 20 im Haus) und drei Spielplätze gibt – einen im Haus auf der dritten Etage und zwei im Freien. Und fortgesetzt mit erheblichen Neuerungen, wie etwa dem Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Neubaus. Erstmals wird dort am 2. Februar ein Helikopter landen – ein weiterer Meilenstein vorm Umzug.

Den Besucherinnen und Besuchern begegnet beim Betreten des 260 Millionen Euro teuren Großprojekts zunächst die im Boden versenkte Zeitkapsel. Ein Blick nach oben vermittelt einen ersten Eindruck von der Dimension des sechsgeschossigen Hauses. Im Erdgeschoss befinden sich die Schockräume der Notfallambulanz. Auch die Zentrale Notaufnahme für Kinder ist dort angesiedelt. Besonders stolz ist man auf die Kindertagesklinik, die in den Räumen Platz gefunden hat. Bisher behandelte man in Höchst bis zu 50 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr.

Medizintechnik für 30 Millionen Euro

Im großen Wartebereich im Erdgeschoss sind einige Fotos ausgestellt, die von Bewohner:innen des Stadtteils aufgenommen wurden und mehr oder minder versteckte Orte in Höchst zeigen. Generell wurde im Neubau viel mit Bildern gearbeitet. In der Kindernotaufnahme sind es Fotos von Tierkindern, und auch in anderen Bereichen gibt es immer wieder Wandbilder mit Vögeln oder floralen Elementen.

Das Gesamtprojekt

Der Neubau des Klinikums hat etwa 263 Millionen Euro gekostet. Das Land Hessen beteiligte sich mit 54,7 Millionen Euro. Die Stadt Frankfurt trug den Rest.

Spatenstich für den Neubau des Klinikums Höchst war im Juli 2016. Ursprünglich sollte das Haus 2019 fertiggestellt sein. Nach einigen Verzögerungen soll der Umzug nun am 4. und 5. Februar 2023 erfolgen.

Für den zweiten Bauabschnitt , bei dem unter anderem die Augenklinik neue Räume bekommen soll, rechnet die Stadt mit Kosten von aktuell etwa 58,8 Millionen Euro. 10,6 Millionen soll das Klinikum aus Eigenmitteln tragen.

Das neue Gebäude hat eine Bruttogeschossfläche von 78 000 Quadratmetern, die Nutzfläche beträgt 34 500 Quadratmeter. Im Neubau gibt es 675 Betten und 40 tagesklinische Plätze. Etwa 1600 Mitarbeitende werden dort tätig sein.

Die Klinik erhielt 2022 das Passivhaus-Zertifikat. Sie ist das weltweit erste energiesparsame Krankenhaus. Die Bauweise habe lediglich zu Mehrkosten in Höhe von sechs Prozent geführt. Schätzungsweise 75 Prozent Energie spare man im Vergleich zum Altbau. Im Vergleich zu einem konventionellen Neubau sollen es 50 Prozent sein.

Das Klinikum in Frankfurt-Höchst gehört zum Varisano-Klinikverbund, zu dem auch das Krankenhaus Bad Soden, das Krankenhaus Hofheim sowie die Main-Taunus-Privatklinik und die Seniorenresidenz Eppstein zählen.

Laut Varisano erzielen alle Standorte jährlich rund 400 Millionen Euro Umsatz. Seit einigen Jahren machen die Häuser Verluste. Die Stadt Frankfurt und der Kreis Main-Taunus geben regelmäßig Geld, um diese auszugleichen. Schätzungen zufolge zahlen beide Kommunen zusammen zwischen acht und zehn Millionen Euro. mic

Die Technik soll der Optik in nichts nachstehen. Dafür habe man extra 30 Millionen Euro in die Medizintechnik investiert. Einige Geräte können aus dem Altbau übernommen werden. So soll es am Ende beispielsweise zwei MRTs, drei CTs, aber auch zehn hochwertig ausgestattete Operationssäle sowie einen modernen Hybrid-OP, der sich durch inkludiertes Bildgebungsverfahren auszeichnet, geben.

Geriatrie mit besonderem Farbkonzept

Die größte Neuerung sind sicherlich die Geräte, die alle Patientendaten digital speichern und bei Bedarf wiedergeben. Die handlichen Monitore bekommt jeder und jede bei der Einlieferung. Die Geräte können auf jeder Station am Bett angeschlossen werden und sollen ein umfassendes Bild über die Behandlungen und Werte der Patient:innen bieten.

Ein echter Hingucker ist sicherlich auch die Geriatrie (Altersmedizin) in der zweiten Etage. Dort stehen 32 Betten zur Verfügung, durchschnittlich 17 Tage bleiben laut Statistik die älteren Menschen in der Höchster Geriatrie zur Behandlung. Die Flure wurden farblich gestaltet, um den Patient:innen die Orientierung zu erleichtern. Zudem wurden sie sozusagen „gefrankfurtert“. Ein gelber Flur symbolisiert die Zeil, inklusive Straßenschild und Häusersilhouetten an der Wand. Der blaue Flur beschäftigt sich mit dem Eisernen Steg, während der grüne die Königsteiner Straße verkörpert und an die Themen Natur und Taunus angelehnt ist. Die Aufenthaltszimmer heißen Goethezimmer und Kaminzimmer und sind entsprechend gestaltet. Auch die einzelnen Patientenzimmer sind individualisiert und mit Symbolen versehen, die das Wiederfinden erleichtern. So heißt ein Zimmer „Mainufer-Promenade“, ein weiteres „Main mit Dreikönigskirche“.

Luxuszimmer im fünften Stockwerk

Apropos Zimmer: Die Doppelzimmer im Neubau sollen ausnahmslos „Höchster Zimmer“ sein. Diese 23 Quadratmeter (gut zwei mehr als üblich) großen Räume haben, wie der Name schon sagt, ihren Ursprung in der Höchster Klinik und ermöglichen es, das hintere Bett aus dem Zimmer zu schieben, ohne das andere Bett verrücken zu müssen. Für Patient:innen und Pflegepersonal eine sehr große Erleichterung.

Ein Hauch von Luxus weht in der fünften Etage des Neubaus. Dort ist untern anderem die Station für zubuchbare Wahlleistungen. In der Regel nutzen dies Privatpatient:innen. 50 Betten stehen dort zur Verfügung, entweder in Einzel- oder Doppelzimmern. In den Räumen gibt es eine Minibar, eine kostenlose Zeitung, eine exklusive Speisekarte und ein umfangreiches Entertainmentangebot. Die Zimmer erinnern mit Loungesessel, Schreibtisch und großem Flachbildfernseher eher an ein Hotelzimmer. Mit 185 Euro für das Einzel- oder 87 Euro pro Nacht für das Doppelzimmer ist man dabei.

Nach dem Umzug ist in Höchst übrigens vor dem nächsten Umzug. In einem zweiten und dritten Bauabschnitt bekommen auch die Augenklinik und die Psychiatrie neue Gebäude. Bis es soweit ist, verbleiben beide an ihren alten Standorten.

Das Zimmer für die Intensiv-Behandlung präsentiert Prof. Daniel Chappell.
Das Zimmer für die Intensiv-Behandlung präsentiert Prof. Daniel Chappell. © Michael Schick
In den Wahlleistungszimmern gibt es edleren Bodenbelag und weitere Annehmlichkeiten.
In den Wahlleistungszimmern gibt es edleren Bodenbelag und weitere Annehmlichkeiten. © Michael Schick

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