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Demonstration auf dem Areal der geplanten Günthersburghöfe im vorigen Jahr, auch im Namen der Insekten.

Stadtklima

„Klimaschutz wird in Frankfurt nicht umgesetzt“

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Harsche BUND-Kritik an den Wohnbauprojekten Schönhof und Günthersburghöfe: Die Vorgaben der Klimaallianz fehlten. Stadtplaner mahnen zur Geduld.

Der BUND beklagt, die Stadt berücksichtige den Klimaschutz bei aktuellen Baugebieten zu wenig. Konkret geht es um die bereits verschiedentlich wegen ihrer Auswirkungen aufs Stadtgrün kritisierten Bauprojekte „Schönhof“ (Bebauungsplan 834 „Südlich Rödelheimer Landstraße“) und „Wohnen am nördlichen Günthersburgpark“ (858).

„Was Sie in den Planungen nicht finden werden, sind Klimaschutz, erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität et cetera“, bemängelt Andrea Graf vom BUND-Landesverband Hessen.

Zwar habe die Frankfurter Koalition aus CDU, SPD und Grünen nach langen Beratungen ihre sogenannte Klimaallianz auf den Weg gebracht, die weitreichende Bestimmungen auch für Neubaugebiete enthält. Darin heißt es etwa zur klimagerechten Stadtentwicklung: „Bei allen Vorlagen aus den Bereichen Stadtplanung, Mobilität, Wirtschaft, Bau, Liegenschaften, Grünflächen, Umwelt, Soziales, Sport, Kultur und Stadtverwaltung mit Klimarelevanz werden die Klimaauswirkungen bei der Realisierung aufgeführt und ggf. Alternativen aufgezeigt. Klimaanpassung und Klimaschutz werden gesondert betrachtet.“ Hervorgehoben sind Primärenergieverbrauch und CO2-Bilanz, Energieerzeugung, Nutzung von Abwärme, Flächen-, Wasserverbrauch sowie Stadtklima.

„Bei neuen Baugebieten bzw. Bauvorhaben wird eine Gesamtbilanz aufgestellt, inklusive grauer Energie und Erschließung“, heißt es in den Beschlüssen weiter. Der BUND kommentiert mit Bezug auf den Schönhof: „In der öffentlichen Auslegung fehlen diese Punkte gänzlich.“

Die Stadt habe beschlossen, sich bis 2050 komplett aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen, ihren CO2-Ausstoß um 90 Prozent und den Energiebedarf um 50 Prozent zu senken. Es sei davon auszugehen, dass in den bereits erschlossenen und bebauten Gebieten bis 2050 keine bedeutenden Änderungen zum Wohle des Klimaschutzes erfolgen. „Umso wichtiger ist die aktuelle Planung, damit die Stadt ihre Ziele erreicht“, fordert der BUND.

Hinzu komme, dass für das Schönhof-Projekt Hunderte Bäume gefällt werden sollen. Entsprechenden Vorwürfen der Anwohnerinitiative Grüne Rödelheimer Landstraße war Mark Gellert, der Sprecher des Planungsdezernats, entgegengetreten. Er betonte im April, eine gut zweieinhalb Hektar große „grüne Mitte“ sei zentraler Projektbestandteil. Das Areal werde viel stärker durch Grün geprägt sein als bisher.

Zur BUND-Kritik an der klimatechnischen Gebäudeplanung sagt Gellert: „Die Bebauungspläne sind noch gar nicht fertig. Das sind Entwürfe, die noch nicht rechtskräftig sind.“ Selbstverständlich achteten die Planer auf die Entwicklung des Stadtklimas. Bei den Günthersburghöfen habe die Stadt das Verfahren eigens neu gestartet: „Da haben wir gemeinsam eine bessere Lösung gefunden.“ Für die konkrete Bauausführung sei es aber sinnvoller, Festlegungen nicht in den Bebauungsplan zu schreiben, sondern im nächsten Schritt, dem Architektenwettbewerb, umzusetzen: „Natur- und Umweltschutz werden beim Bauen ein wesentliches Thema sein“, verspricht Gellert.

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