Wohnen

Klimaschutz ist zweitrangig

  • Thomas Stillbauer
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Jedenfalls in den Befragungen der Haushalte zum Frankfurter Mietspiegel. Ein Vermieter beklagt: Wir bleiben auf den Dämmkosten sitzen.

Für Wolfgang Stegemann ist die Sache klar. „Meiner Meinung nach ist das ein Skandal“, sagt der Liegenschaftsverwalter aus Bad Vilbel, der Wohnungen in Frankfurt und den angrenzenden Landkreisen betreut. Der Skandal spielt sich aus seiner Sicht im Frankfurter Mietspiegel ab und betrifft den Klimaschutz.

Der Reihe nach. Im alten, bis 2018 geltenden Mietspiegel konnten Vermieter 75 Cent pro Quadratmeter draufschlagen, wenn die Wohnung Fenster mit Dreifachverglasung hatte; bei Doppelglasscheiben immerhin noch 48 Cent. Das fiel mit der Mietspiegelnovelle vor zwei Jahren weg.

„Vermieter, die Vollwärmeschutz bieten, werden abgestraft“, sagt Stegemann. Die von ihm verwalteten Gebäude würden seit 20 Jahren nach Klimaschutzrichtlinien saniert. „Eine Vierzimmerwohnung aus den 50er Jahren hat früher 2000 Euro Heizkosten im Jahr gefressen“, rechnet er vor. Heute, mit guten Fenstern und hochwertiger Dämmung, fielen nur noch 400 Euro im Jahr an.

Die Mieter profitierten davon, Vermieter nicht: „Alles Sachen, die nichts bringen im Mietspiegel“, sagt Stegemann, „im Gegenteil: Wer sich als Hauseigentümer um nichts kümmert, darf sich über Mehreinnahmen freuen.“ Weil der Mietspiegel regelmäßig an die Lebenshaltungskosten angepasst wird. Sanierer hingegen müssten auf die Doppel- und Dreifachverglasungsmargen verzichten und hätten de facto Verluste. Die Sanierungskosten auf die Miete umschlagen will Stegemann auch nicht: „Das würde die Mieter zu stark belasten.“

Stadt kann keinen Einfluss ausüben

Wer kann daran etwas ändern? Letztlich nur die Mehrzahl der Mieter, erklärt Mark Gellert, der Sprecher des Frankfurter Planungsdezernats. Sie seien es hauptsächlich, die alle vier Jahre für den Mietspiegel nach ihren Präferenzen befragt würden. Die Institute, die den Auftrag für die wissenschaftliche Erhebung erhielten, interviewten etwa 3500 Haushalte und 700 Vermieterinnen und Vermieter, welche Kriterien bei der Wohnungswahl die größte Rolle spielten. „Doppel- oder Dreifachverglasung dürfte daher beim letzten Mal herausgefallen sein, weil das inzwischen für viele längst Standard ist.“

Das lässt sich gut nachvollziehen, wenn man die Aussagen im Magistratsbericht von 2010 mit den späteren vergleicht. War Mietern 2010 auch ein sparsamer und klimaschonender Heizkessel noch wichtig, galt das vier Jahre später gerade noch für die Fenster und 2018 selbst für sie nicht mehr. Über die konkreten Ursachen könne nur spekuliert werden, sagt Gellert, aber die Wahrheit sei: „Ökologische Zusammenhänge spielen bei der Wohnungssuche in Frankfurt offenbar meist keine Rolle – oder sie sind zweitrangig.“

Ob die Stadt da Einfluss ausüben könne? „Nein. Sonst hätten wir ja einen politischen Mietspiegel.“ Frankfurt habe sich aber bewusst für den sogenannten qualifizierten Mietspiegel entschieden. Der unterliege klaren gesetzlichen Regelungen, darunter eben jener, dass Mieter und Vermieter befragt werden. Und das Ergebnis der Erhebungen sei gewesen, dass den Leuten andere Kriterien wichtiger waren als die Umweltbelastung.

„Wir haben diese Diskussion alle vier Jahre“, sagt Gellert. „Dann sind immer Leute der Meinung: Das muss doch eine Rolle spielen!“ Aber: „Wir bleiben dabei: Wir wollen weiterhin einen qualifizierten Mietspiegel.“

Was sagt Immobilienverwalter Stegemann? „Vermieter fragen sich doch: Warum soll ich dann was für den Klimaschutz machen?“ Bleibt eigentlich nur die eine Antwort: dem Klima zuliebe.

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